Impact-Controlling einfach erklärt Sprechertext und Moderationsleitfaden Im Armin-Maiwald-Stil: Naive Frage · Mechanismus · Anwendung · Aha Natalie Weber · 2026 · wirkungsoekonomie.de Hinweis zur Verwendung: Dieser Text ist für das Ablesen und Adaptieren konzipiert. Fett markierte Wörter sind Betonungen. Alle Beispielrechnungen sind Modellrechnungen mit offen ausgewiesenen Annahmen; sie ersetzen keine individuelle Beratung. Die Folienzahlen entsprechen der PowerPoint-Datei Wirkungsoekonomie_Impact-Controlling.pptx. Folie 1 — Titelfolie EINFÜHRUNG Naive Frage: Stellen Sie sich vor, Sie stecken einen Euro in etwas Neues. Nicht als Ersatz für etwas Kaputtes, sondern weil Sie wirklich etwas verändern wollen. Was passiert mit diesem Euro? Was bleibt davon übrig, wenn man nicht nur auf den Kontoauszug, sondern auf die Welt schaut? Mechanismus: Genau darum geht es heute. Impact-Controlling ist die Antwort auf eine Frage, die bisher niemand gestellt hat: Was bewirkt Kapital wirklich? Nicht was es kostet. Nicht was es einbringt. Sondern was es verändert. Anwendung: Sie werden heute Formeln sehen. Zahlen. Begriffe. Aber immer mit Beispielen. Wir bauen vom Einfachsten ins Komplexe. Und am Ende wissen Sie, wie man Wirkung misst, steuert und berichtet, ob als Unternehmen, Bank oder Investor. Aha: Der Titel sagt es schon: einfach erklärt. Das heißt nicht, dass wir vereinfachen. Es heißt, dass wir klar denken. Aha. Von ROI zu T-SROI. Vom Bericht zur Steuerung. Das ist die Bewegung des Abends. Folie 2 — Der rote Faden EINFÜHRUNG Naive Frage: Wo fangen wir an? Natürlich mit dem Euro. Dem einfachsten Objekt der Ökonomie. Was passiert, wenn man ihn investiert? Mechanismus: Wir arbeiten uns von der einfachsten Frage (ROI) durch die neuen Kennzahlen (NWI, IOI, T-SROI), die Datenbasis (Scope 1 bis 3, doppelte Wesentlichkeit) und die konkreten Beispielrechnungen bis zur praktischen Einführung, getrennt für Unternehmen und Banken. Anwendung: Jede Station dieses Abends hat genau eine Denkbewegung. Eine Idee, die Sie neu einbaut. Alles andere dient dieser einen Idee. Aha: Wir fangen einfach an. Und hören komplexer auf. Das ist kein Zufall, das ist die Methodik. Folie 3 — Section: Die naive Frage DIE NAIVE FRAGE Pause. Folie wirkt. Die einfachste Frage der Ökonomie lautet: Was passiert mit einem Euro? Das klingt simpel. Es ist nicht simpel. Denn die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Folie 4 — Stellen wir uns eine Bäckerei vor DIE NAIVE FRAGE Naive Frage: Eine Bäckerei kauft eine neue Maschine. 50.000 Euro. Die Maschine backt schneller, der Umsatz steigt. War das eine gute Investition? Mechanismus: Der Buchhalter sagt: ja. Der ROI ist positiv, die Maschine hat sich nach drei Jahren amortisiert. Aber was sagt die Maschine nicht? Sie verbraucht 40 Prozent mehr Strom als das Vormodell. Das Mehl kommt aus einer Region mit Wasserknappheit. Die alte Maschine wird nicht recycelt, sondern verschrottet. Alles das taucht in keiner einzigen Kennzahl auf, die die Bäckerei heute verwendet. Anwendung: Das ist kein Sonderfall. Das ist der Normalfall. Fast jede Investitionsentscheidung basiert auf Kennzahlen, die genau die Hälfte der Realität abbilden. Die finanzielle Hälfte. Die andere Hälfte, Menschen, Wasser, Klima, Zukunftsfähigkeit, bleibt unsichtbar. Aha: Eine Zahl kann glänzen und trotzdem Schaden verstecken. Das ist das Problem. Und das ist, warum wir heute hier sind. Aha. Was wir nicht messen, steuern wir nicht. Was wir nicht steuern, bezahlen wir später. Folie 5 — Vier Arten von Leistung DIE NAIVE FRAGE Naive Frage: Nicht alles, was beschäftigt aussieht, schafft Wert. Und nicht alles, was teuer ist, vernichtet ihn. Wie unterscheidet man das? Mechanismus: Die Wirkungsökonomie kennt vier Arten von Leistung. Erste: Wirkleistung. Das ist echte positive Zustandsveränderung. Eine Solarzelle, die Strom erzeugt, ohne Emissionen. Eine Maßnahme, die Gesundheit erhält. Das ist das Ziel. Zweite: Blindleistung. Aufwand, der sich dreht, aber nichts bewegt. Bürokratie, die nur deshalb existiert, weil ein falsch gesteuertes System Bürokratie erzeugt. Ein Sicherheitsaudit, der nur ein Zertifikat produziert, aber keine Sicherheit. Dritte: Scheinleistung. Das Gefährlichste. Sie sieht aus wie Wirkleistung, ist aber keine. Umsatz, der aus Marktmacht stammt, nicht aus besserer Qualität. Eine Kampagne, die Reichweite erzeugt, aber Vertrauen zerstört. Vierte: Verlustleistung. Aktivität, die Substanz abbaut. Reparaturen, die hätten vermieden werden können. Folgekosten, die heute noch nicht in der Bilanz stehen. Anwendung: Die Frage für jedes Unternehmen, jede Bank, jeden Investor lautet: In welche dieser vier Kategorien fallen unsere Ausgaben tatsächlich? Die meisten Organisationen haben darauf keine ehrliche Antwort. Noch nicht. Aha: Die alte Ökonomie hat nie zwischen diesen vier Arten unterschieden. Sie hat alles im ROI zusammengepresst. Das rächt sich jetzt. Aha. Scheinleistung ist teuer. Sie kostet wie Wirkleistung und liefert wie Verlustleistung. Folie 6 — Section: Das alte Maß DAS ALTE MASS Pause. Dann: Wir alle kennen den ROI. Return on Investment. Er ist nicht falsch. Er ist unvollständig. Das ist ein Unterschied. Kein Fehler, ein Mangel. Und den schauen wir uns jetzt genau an. Folie 7 — Der ROI: ehrlich, aber halbblind DAS ALTE MASS Naive Frage: Zwei Anlagen kosten beide 500.000 Euro. Anlage A amortisiert sich in vier Jahren, Anlage B in sechs. Welche kaufen Sie? Mechanismus: Der ROI sagt: Anlage A. Klar. Schneller im Plus. Aber Anlage A ist energie- und wasserintensiv. Sie hängt an kritischen Vorprodukten aus politisch instabilen Regionen. Die Versicherungsprämie steigt ab 2027 um 35 Prozent, weil der Standort in einer Hochwasserzone liegt. Anlage B ist im Einkauf teurer, aber energieeffizient, kreislauffähig und besser versicherbar. Ihr Resilienzwert ist dreifach höher. Der ROI sieht: Rückfluss dividiert durch Einsatz. Die Formel lautet: ROI = (Gewinn / Investition) × 100 Ein einfaches Verhältnis. In diesem Verhältnis fehlen: Reparaturrisiken. Klimafolgekosten. Wasserabhängigkeit. Lieferkettenrisiken. Regulierungsrisiken. Versicherbarkeit. Reputationsfolgen. Soziale Kosten. Anwendung: Das Tückische am ROI ist nicht, dass er falsch rechnet. Es ist, dass er nur das rechnet, was schon einen Preis hat. Alles andere, das Meiste eigentlich, bleibt außen vor. Aha. ROI sieht den Preis. T-SROI sieht die Wirkungskette dahinter. Folie 8 — Section: Die neuen Kennzahlen DIE NEUEN KENNZAHLEN Jetzt wird es neu. Vier Begriffe, von denen zwei auf wirkungsoekonomie.de verankert sind und zwei bereits aus der etablierten Wirkungsforschung kommen: KII, NWI, IOI und T-SROI. Wir nehmen sie der Reihe nach. Folie 9 — Was ist ein Key Impact Indicator? DIE NEUEN KENNZAHLEN Naive Frage: Was misst ein KPI eigentlich? Umsatz. Marge. Kundenzufriedenheit. Das sind Aktivitäten und Outputs. Aber keiner dieser Werte sagt: Was hat das mit der Welt gemacht? Mechanismus: Ein KPI ist ein Key Performance Indicator. Er misst Aktivität. Ein KII ist ein Key Impact Indicator. Er misst Zustandsveränderung. Paar für Paar erklärt: Umsatz ist ein KPI. Er sagt, wie viel verkauft wurde. CO₂e pro Produkteinheit ist ein KII. Er sagt, welchen Klimabeitrag dieses Verkaufen hatte. Marge ist ein KPI. Sie sagt, wie profitabel ein Produkt ist. Living-Wage-Abdeckung in der Lieferkette ist ein KII. Sie sagt, ob diese Profitabilität aus echter Effizienz stammt oder aus Löhnen unter dem Existenzminimum. Liefertreue ist ein KPI. Sie sagt, ob pünktlich geliefert wird. Der Lieferketten-Score nach Arbeit, Wasser und Chemie ist ein KII. Er sagt, was das Liefern mit den Menschen und dem Wasser dort kostet. Reichweite ist ein KPI. Sie sagt, wie viele Menschen eine Botschaft gesehen haben. Vertrauens- versus Polarisierungswirkung ist ein KII. Er sagt, ob diese Botschaft die Gesellschaft stärkt oder spaltet. Jeder KII ist außerdem ein Datenvertrag. Er besteht aus zehn Pflichtangaben: WÖk-ID, Wirkungsdimension, Messwert, Baseline, Zielwert, Benchmark, Datenquelle, Datenqualität, verantwortliche Einheit, Entscheidungsfolge. Anwendung: Diese letzte Angabe, die Entscheidungsfolge, ist das Entscheidende. Ohne sie ist ein KII ein Berichtswert. Mit ihr ist er ein Steuerungswert. Wenn ein KII keine Entscheidung verändern kann, gehört er nicht ins Managementcockpit. Aha. Wenige starke KII statt hundert schwacher. Qualität schlägt Quantität auch bei Wirkungsdaten. ▶ Hinweis: In der Praxis: Beginnen Sie mit fünf bis acht wirklich wesentlichen KII pro Dimension. Nicht mehr. Mehr ist KII-Inflation. Folie 10 — KII-Katalog: Indikator, Einheit, Richtung DIE NEUEN KENNZAHLEN Naive Frage: Wie sieht ein KII konkret aus? Mit welchen Zahlen arbeitet man wirklich? Mechanismus: Drei Dimensionen, je drei Beispiele mit Einheit und Bewertungsrichtung: Mensch: Living-Wage-Abdeckung gemessen in Prozent der Lieferkette. Richtung: höher ist besser. Benchmark ist der regionele Existenzlohn. Zweites Beispiel: Arbeitsunfälle gemessen als LTIFR, das sind Lost-Time-Injury-Frequency-Rates je einer Million Arbeitsstunden. Richtung: niedriger ist besser. Benchmark: Branchenmedian. Drittes Beispiel: Produktsicherheit gemessen in Rückrufen. Richtung: nahe Null. Ausschluss-Indikator: Kinderarbeit ist bei jedem Wert ein rotes Signal. Planet: CO₂e-Intensität, gemessen in Kilogramm pro Produkteinheit, niedriger besser, Benchmark: Science-Based-Targets des Sektors. Wasserentnahme multipliziert mit dem Wasserstressfaktor der Region, niedriger besser, Benchmark: regionaler Wasserpfad. Rezyklatanteil in Prozent, höher besser. Demokratie: Steuertransparenz nach Country-by-Country-Reporting, höher besser. Lobby-Alignment, also Anteil der Lobbyaktivitäten, der mit erklärten Wirkungszielen übereinstimmt, in Prozent, höher besser. Datenschutzvorfälle in absoluten Fällen, nahe Null. Anwendung: Beachten Sie: Der Demokratie-Block ist meist der dünnste. Nicht weil er unwichtig ist, sondern weil die Datenbasis dafür noch am wenigsten entwickelt ist. Das ist genau die Lücke, die die Wirkungsökonomie schließt. Aha. Aus weichen Begriffen wie fairer Arbeit oder Transparenz werden messbare, prüfbare, vergleichbare Felder. Folie 11 — Die neue KPI-Generation: NWI, IOI, T-SROI DIE NEUEN KENNZAHLEN Naive Frage: Was hat sich gegenüber SROI und ROI eigentlich verändert? Und wie hängen die drei neuen Kürzel zusammen? Mechanismus: Die drei bauen aufeinander auf, wie Stockwerke. Erdgeschoss: NWI. Netto-Wirkungs-Index. Das ist die operative Wirkungskennzahl. Er verdichtet die geprüften Scores aus allen Dimensionen zu einer Netto-Wirkung, nicht-kompensatorisch. Das bedeutet: Eine schwere Negativwirkung auf dem Planeten wird durch eine gute soziale Wirkung nicht ausgeglichen. Der NWI ist das ehrliche Zwischenergebnis. Erstes Stockwerk: IOI. Impact of Investment. Jetzt wird der NWI mit dem Kapitaleinsatz verbunden. IOI ist die positive Netto-Wirkung je investiertem Euro. Es ist das Impact-Pendant zum ROI. Wenn Anlage A einen ROI von 2,4 hat, was ist ihr IOI? Wie viel Wirkung steckt in jedem Euro? Zweites Stockwerk: T-SROI. Transformational SROI. Er fragt nicht mehr, wie viel Wirkung ein Euro erzeugt, sondern ob diese Wirkung das System verändert. Entsteht ein Spillover? Setzen andere Unternehmen Standards nach? Wird Zukunft wahrscheinlicher? Das ist der Transformationshebel. Anwendung: Für die Praxis bedeutet das: Nicht jede Investition braucht sofort einen T-SROI. Aber jede größere Investition sollte ihn haben. Und jede Bank, die Kapital vergibt, sollte fragen: Wie ist der IOI dieses Projekts? Was ist der erwartete T-SROI über die Kreditlaufzeit? Aha. ROI und SROI bleiben. NWI, IOI und T-SROI ergänzen sie um die Dimension, die bisher fehlte: Wirkung. Folie 12 — Section: Vom Messwert zum Score VOM MESSWERT ZUM SCORE Jetzt wird es technisch, aber keine Angst: Es bleibt einfach. Wir schauen uns an, wie aus einem Messwert, zum Beispiel 50 Liter Wasser pro Kilogramm, ein Score wird, den alle verstehen und vergleichen können. Folie 13 — Vom Messwert zum Score: minus 3 bis plus 3 VOM MESSWERT ZUM SCORE Naive Frage: Was sagt mir die Zahl 50 Liter Wasser pro Kilogramm T-Shirt? Ist das viel? Ist das wenig? Ich weiß es nicht, wenn ich keinen Bezugspunkt habe. Mechanismus: Genau deshalb braucht die Wirkungsökonomie Archetypen. Ein Archetyp ist eine standardisierte Bewertungsfunktion. Er legt fest, wie ein Messwert gegen einen Benchmark in einen Score auf der Skala von minus drei bis plus drei übersetzt wird. Die Pipeline geht so: Schritt eins: Messwert. Die rohe Zahl: 50 Liter pro Kilogramm, oder 80 Prozent Living Wage, oder zwölf Rückrufe. Schritt zwei: Archetyp. Die Bewertungsregel. Für CO₂: niedriger ist besser. Für Rezyklatanteil: höher ist besser. Für Schadstoffe: nahe Null ist das Ziel. Für Kinderarbeit: Ausschluss, egal welcher Wert. Schritt drei: Benchmark. Der Vergleichspunkt. Das kann der Branchenmedian sein, ein gesetzlicher Grenzwert, ein Science-Based Target, ein regionaler Wasserpfad. Schritt vier: Score. Minus drei ist schwerer Schaden. Null ist neutral. Plus drei ist starke Wirkleistung. Die meisten Unternehmen liegen heute irgendwo zwischen minus eins und plus eins. Ein Plus drei ist selten, aber erreichbar. Schritt fünf: Dimension. Scores werden je Dimension (Mensch, Planet, Demokratie) zusammengefasst. Schritt sechs: Reverse Merit Order. Hier ist der entscheidende Schutzmechanismus. Das schwächste Kernfeld begrenzt das Gesamtergebnis. Wenn ein Unternehmen bei Planet plus drei hat, aber bei Demokratie minus zwei, kann das Minus nicht durch das Plus verdeckt werden. Schritt sieben: NWI. Das Ergebnis aller Schritte. Die geprüfte Netto-Wirkung. Anwendung: Das ist kein theoretisches Konstrukt. BASF hat über 45.000 Produkte. Die Frage, welches davon gut ist und welches schlecht, lässt sich ohne diese Pipeline gar nicht beantworten. Aha. Reverse Merit Order: Gutes verdeckt kein Rotes. Das ist der Schutz vor Greenwashing im System. Folie 14 — Was misst der NWI? VOM MESSWERT ZUM SCORE Naive Frage: Wie sieht ein NWI in der Praxis aus? Zeigen Sie mir echte Zahlen. Mechanismus: Wir nehmen ein konkretes Beispiel: eine energetische Gebäudesanierung. Die Mini-Scorecard sieht so aus: Mensch: Score plus zwei, weil die Sanierung Gesundheit und Komfort verbessert. SDG-Bezug: SDG 3 (Gesundheit) und SDG 11 (Städte). Planet: Score plus drei, weil CO₂-Emissionen erheblich sinken und Energie eingespart wird. SDG 7 (saubere Energie) und SDG 13 (Klimaschutz). Demokratie: Score null. Die Sanierung hat keine dokumentierte Wirkung auf Teilhabe oder demokratische Strukturen. SDG 16 und SDG+. Datenqualität: Klasse B, das bedeutet gute Datenbasis, aber noch nicht vollständig extern geprüft. Jetzt die Rechnung: NWI = (2 + 3 + 0) / 3 = plus 1,7 Der FinalScore bleibt null, weil die Demokratie-Dimension auf null liegt und das per Reverse Merit Order den Gesamtscore begrenzt. Das ist der entscheidende Punkt: NWI zeigt plus 1,7. Das ist gut. FinalScore zeigt null. Das ist die ehrliche Nachricht: Gut ist nicht genug, wenn eine Dimension fehlt. Anwendung: Für die Bank, die diese Sanierung finanziert: Sie sieht jetzt, dass das Projekt planetseitig exzellent ist. Aber demokratieseitig gibt es nichts zu berichten. Wenn sie zehn solcher Projekte finanziert und sich fragt, ob ihr Portfolio einen demokratischen Beitrag leistet, ist die Antwort: nein. Aha. NWI plus 1,7. FinalScore null. Beides ist wahr. Beides ist nötig. Wirkung braucht beide Zahlen. Folie 15 — T-SROI: eine Regel, keine Rechnung VOM MESSWERT ZUM SCORE Naive Frage: SROI kenne ich. Social Return on Investment. Was macht der T-SROI anders? Mechanismus: SROI rechnet soziale und ökologische Wirkung in Geldwert um. Wenn eine Maßnahme Krankenhauskosten spart, taucht das als positiver Wert auf. Das ist nützlich, aber begrenzt. Nicht alles lässt sich in Geld ausdrücken. Würde. Biodiversität. Vertrauen. Demokratische Stabilität. T-SROI baut auf dem NWI auf und misst, was über die direkte Wirkung hinausgeht. Er misst den Transformationshebel. Drei Fragen: Erstens: Verändert diese Investition Verhalten anderer? Setzt sie Standards, die andere nachahmen? Zweitens: Hat sie einen Zeitvorteil? Beschleunigt sie den Übergang in ein gutes System? Drittens: Macht sie das Gesamtsystem resilienter? Werden zukünftige Schäden unwahrscheinlicher? Anwendung: T-SROI ist kein Wert, der am Ende eines Projekts ausgerechnet wird. Er ist eine Entscheidungsregel, die schon vor der Investition die richtigen Fragen erzwingt. Er verhindert, dass man für ein Produkt zahlt, das nur lokal wirkt, während das System unverändert bleibt. Aha. T-SROI fragt: Welche Zukunft finanziert dieser Euro? Die Antwort entscheidet über die Rendite der nächsten Generation. Folie 16 — Die drei Formeln, Zeichen für Zeichen VOM MESSWERT ZUM SCORE Naive Frage: Ich will die Formeln verstehen, nicht nur hören. Was bedeutet jedes Zeichen wirklich? Mechanismus: Formel eins: NWI. NWI = Summe der gewichteten Dimensions-Scores, gedeckelt durch Reverse Merit Order. Summe: Mensch plus Planet plus Demokratie. Gewichtet, weil nicht alle Indikatoren gleich relevant sind. Gedeckelt durch Reverse Merit Order, weil das schwächste Kernfeld die Obergrenze setzt. Formel zwei: IOI. IOI = positive Netto-Wirkung geteilt durch Investition. Die positive Netto-Wirkung ist der monetarisierbare Teil des NWI, das heißt, was sich in echten Wirkungseuro ausdrücken lässt. Geteilt durch I, die Investition in Euro. Das Ergebnis ist Wirkung je eingesetztem Euro. Formel drei: T-SROI. T-SROI = (W-pos minus W-neg minus W-sys) mal M-trans mal F-t mal F-res mal Q-null geteilt durch I. W-pos sind positive Wirkungswerte. W-neg sind negative. W-sys sind Systemkosten, also das, was die Gesellschaft sowieso zahlen müsste, kein Zusatzverdienst. M-trans ist der Transformations-Multiplikator. Er misst Spillover und Systemveränderung. Ein Wert von 1 bedeutet keine zusätzliche Systemwirkung. Ein Wert von 1,5 bedeutet 50 Prozent Hebelwirkung durch Nachahmung, Standards, Lernkurven. F-t ist der Zeitfaktor. Wie lange hält die Wirkung an? Wie resilient ist sie gegenüber Risiken? F-res ist der Resilienzfaktor. Macht diese Investition das System dauerhaft stabiler? Q-null ist der Datenqualitätsfaktor. Schlechte Daten reduzieren den Wert. Qualitätsklasse A gibt Q = 1,0. Klasse B gibt Q = 0,9. Klasse E gibt Q = 0,5. Anwendung: Das klingt komplex. Ist es aber nicht, wenn man einmal den Dreh raus hat. Es ist dieselbe Logik wie bei einer Investitionsrechnung, nur dass man nicht nur den Geldrückfluss, sondern die Wirkungsrendite berechnet. NWI = Σ Dimensions-Scores, gedeckelt durch Reverse Merit Order Positive minus negative Wirkung je Dimension. Das schwächste Kernfeld begrenzt das Ergebnis. IOI = positive Netto-Wirkung / Investition Wirkungswert je Euro. Impact-Pendant zum ROI. T-SROI = (W_pos − W_neg − W_sys) × M_trans × F_t × F_res × Q₀ / I Transformationshebel, Zeit, Resilienz und Datenqualität eingerechnet. Aha. Alle drei Formeln fragen dasselbe, nur immer breiter: Was bringt der Euro? Was bewirkt er? Was verändert er? Folie 17 — Section: Beispielrechnungen BEISPIELRECHNUNGEN Jetzt rechnen wir. Mit echten Zahlen. Mit offenen Annahmen. Das ist eine Modellrechnung, keine Beratung. Aber sie macht das Abstrakte greifbar. Folie 18 — Beispielrechnung: 1.000.000 Euro Sanierung BEISPIELRECHNUNGEN Naive Frage: Eine Million Euro fließt in die energetische Sanierung eines Unternehmensgebäudes. Was kommt raus? Nicht nur in Euro, sondern in Wirkung? Mechanismus: Die Annahmen liegen offen: Investition I: 1.000.000 Euro. Jährliche Netto-Wirkung: 180.000 Euro. Davon stammen 120.000 aus direkter Energieeinsparung, die in Euro messbar ist. Die restlichen 60.000 kommen aus vermiedenen CO₂-Folgekosten und besserer Mitarbeitergesundheit, das heißt weniger Kranktage. Wirkungsdauer: 20 Jahre. Die Anlage läuft 20 Jahre. Dimensionsscores: Mensch plus zwei, Planet plus drei, Demokratie null, Datenqualitätsklasse B. Jetzt die Rechnung, Kennzahl für Kennzahl: Schritt eins: Wirkungswert gesamt. 180.000 Euro mal 20 Jahre = 3,6 Millionen Euro Wirkungswert über die Laufzeit. Schritt zwei: IOI. 3,6 Millionen geteilt durch 1 Million Investition = 3,60 Euro Wirkung je investiertem Euro. Für jeden eingesetzten Euro entstehen 3,60 Euro Wirkungswert. Schritt drei: NWI. (2 + 3 + 0) geteilt durch 3 = plus 1,7. FinalScore null wegen Reverse Merit Order. Schritt vier: T-SROI. 3,6 Millionen mal Transformations-Multiplikator 1,3 (andere Firmen im Gewerbepark sanieren nach) mal Resilienzfaktor 1,2 (bessere Versicherbarkeit des Standorts) mal Datenqualität 0,9 (Klasse B) geteilt durch 1 Million Investition = 5,1 zu 1. Das bedeutet: Für jeden Euro ergibt sich über 20 Jahre ein transformativer Wirkungswert von 5,10 Euro. Anwendung: Diese Rechnung zeigt der Bank: Das ist kein Subventionsprojekt. Das ist ein Wirkungsinvestment mit messbarem Hebel. Einem Hebel, der über den ROI hinausgeht. Aha. IOI 3,60. T-SROI 5,1. Ein guter ROI ist 2,4. Das Dreifache steckt in der Wirkungsrendite. ▶ Hinweis: Die Faktoren 1,3 (Transformations-Multiplikator), 1,2 (Resilienz) und 0,9 (Datenqualität) sind Modellwerte. In der Praxis werden sie projektspezifisch aus dem T-SROI-Bewertungsrahmen abgeleitet. Folie 19 — Derselbe Euro, drei Sichtweisen BEISPIELRECHNUNGEN Naive Frage: Dieselbe Investition. Drei Kennzahlen. Warum so unterschiedliche Zahlen? Mechanismus: ROI: 2,4 zu 1. Das ist der reine Finanzblick. Er rechnet nur, was einen Marktpreis hat: die Energieeinsparung von 120.000 Euro je Jahr über 20 Jahre. Kein Gesundheitswert, kein CO₂-Wert, kein Systemwert. IOI: 3,60 Euro je Euro. Jetzt kommt alles hinzu, was sich in Wirkungswert übersetzen lässt, auch Gesundheit, auch vermiedene CO₂-Folgekosten. Schon fast 50 Prozent mehr als der ROI. T-SROI: 5,1 zu 1. Jetzt kommt der Hebel hinzu. Die Sanierung setzt Standards im Gewerbepark, verbessert die Versicherbarkeit des Standorts und macht das Gebäude resilienter gegen Klimaereignisse. Dieser Hebel ist real, aber er braucht Daten, um ihn auszuweisen. Anwendung: Wer heute nur mit ROI entscheidet, lässt mehr als die Hälfte des realen Werts auf der Straße. Das ist das konkrete Argument für die Einführung von Impact-Controlling. Aha. ROI ist nicht falsch. Er zeigt nur ein Drittel des Euros. Die anderen zwei Drittel sind Wirkung. Folie 20 — Section: Die Datengrundlage DIE DATENGRUNDLAGE Woher kommen die Zahlen überhaupt? Wir schauen uns die Datenarchitektur an: doppelte Wesentlichkeit, Scope 1 bis 3, und wie Konzernzahlen auf Produktebene gebracht werden. Folie 21 — Doppelte Wesentlichkeit: zwei Richtungen DIE DATENGRUNDLAGE Naive Frage: Warum soll ich Nachhaltigkeitsdaten erheben? Zahlt das nicht nur die Bürokratie und nicht das Unternehmen? Mechanismus: Die alte Antwort lautete: Weil es Vorschrift ist. Die richtige Antwort lautet: Weil es zwei Richtungen gibt, in die das relevant ist. Richtung eins: Die Welt wirkt auf das Unternehmen. Das nennt sich finanzielle Wesentlichkeit. Klima-Risiken treffen die Bilanz, wenn Standorte überflutet werden. Wasserknappheit trifft die Produktion, wenn Kühlwasser fehlt. Lieferkettenrisiken treffen den Umsatz, wenn ein Lieferant wegfällt. Das sind keine weichen Nachhaltigkeitsthemen. Das sind harte Finanzrisiken. Richtung zwei: Das Unternehmen wirkt auf die Welt. Das nennt sich Wirkungs-Wesentlichkeit. Emissionen, Arbeitsbedingungen, Demokratiebeitrag. Diese Wirkungen verlangen Rechenschaft, nicht weil es schön ist, sondern weil CSRD und ESRS es vorschreiben und weil Kapital zunehmend danach fragt. Die doppelte Wesentlichkeit ist der Rahmen, der beide Richtungen zusammenzwingt. Sie ist der Rohstoff für alle Wirkungsdaten. Anwendung: CSRD gilt ab 2024 für Großunternehmen, ab 2026 für mittelgroße. Wer jetzt anfängt, die Daten zu erheben, hat einen erheblichen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb. Aha. CSRD liefert den Rohstoff. Die Wirkungsökonomie macht daraus Steuerung statt Bericht. Folie 22 — Scope 1, 2, 3: die drei Ringe DIE DATENGRUNDLAGE Naive Frage: Wir hören immer Scope 1, 2, 3. Was bedeutet das wirklich und warum ist Scope 3 so wichtig? Mechanismus: Drei Ringe der Verantwortung, von innen nach außen. Scope 1: Direkte Emissionen. Was das Unternehmen selbst verbrennt, was seine eigenen Anlagen und Fahrzeuge ausstoßen. Der einfachste Ring, weil er direkt messbar ist. Scope 2: Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie. Strom, Wärme, Kälte. Die Emissionen entstehen beim Erzeuger, nicht im Unternehmen. Aber das Unternehmen hat sie bestellt, also trägt es die Verantwortung. Scope 3: Alles andere. Vorprodukte, Lieferkette, Transport, Nutzungsphase, Entsorgung. Das ist der weitaus größte Ring. Bei einem T-Shirt stammen typischerweise über 80 Prozent aller Emissionen aus Scope 3. Baumwollanbau, Färbung, Transport, Waschen, Entsorgung. Wer nur Scope 1 misst, sieht die Spitze des Eisbergs. Anwendung: Für Banken bedeutet das: Finanzierte Emissionen sind Scope-3-Emissionen der Bank. Wenn eine Bank einen Kohlekraftwerk-Bau finanziert, sind die Emissionen des Kraftwerks in der Scope-3-Berichterstattung der Bank auszuweisen. Das ist neu und viele Banken sind noch nicht vorbereitet. Aha. Wer nur Scope 1 misst, sieht die Spitze des Eisbergs. Scope 3 ist der Eisberg. Folie 23 — Vom Konzernbericht zur Produktwahrheit DIE DATENGRUNDLAGE Naive Frage: Der Konzernbericht sagt, wir haben unsere Emissionen um zehn Prozent gesenkt. Aber welches Produkt hat was beigetragen? Und welches hat vielleicht zugelegt? Mechanismus: Ein Konzernmittelwert ist keine Produktwahrheit. Eine hervorragende Sparte kann eine schädliche verdecken. Deshalb muss disaggregiert werden, von oben nach unten. Konzern. Geschäftsbereich. Standort. Anlage. Produktgruppe. Produkt. Lieferkette. Jede Ebene hat ihre eigene Scorecard. Erst auf Produktebene wird Wirkung wirklich steuerbar, weil erst dort die Entscheidung getroffen wird: Welches Produkt behalten wir? Welches entwickeln wir weiter? Welches stellen wir ein? Ein praktisches Beispiel: BASF hat über 45.000 Produkte. Um zu wissen, welches davon den höchsten Wirkungswert hat und welches das Wirkungsportfolio belastet, braucht man genau diese Kaskade, verbunden mit NACE-Codes, Umweltproduktdeklarationen, WÖk-IDs und Scorecards. Anwendung: Für Investoren: Ein Portfolio-Wirkungsrating auf Konzernebene reicht nicht. Wer wirklich wissen will, wohin Kapital fließt, muss die Produktebene verstehen. Das ist die nächste Herausforderung für Impact Investing. Aha. Aggregierte Zahlen beruhigen. Disaggregierte Zahlen steuern. Folie 24 — Section: Im Unternehmen IM UNTERNEHMEN Wie führt man das ein? Was ist der erste Schritt? Was kostet es? Was bringt es? Und: Was passiert, wenn man es nicht tut? Folie 25 — Reporting beschreibt. Controlling steuert. IM UNTERNEHMEN Naive Frage: Wir machen schon Nachhaltigkeitsreporting. Reicht das nicht? Mechanismus: Nein. Und hier ist der Unterschied, der alles verändert. Reporting fragt: Was haben wir getan? Es schaut auf die Vergangenheit. Es produziert einen Bericht, der einmal im Jahr erscheint und dann ins Regal gestellt wird. Controlling fragt: Was entscheiden wir als Nächstes? Es ist Gegenwart und Zukunft. Es produziert Rückkopplung, die in der nächsten Sitzung des Vorstands auf dem Tisch liegt. Die sechs Stationen des Wirkungscontrollings: Messen. Daten erheben, aus ERP, ESRS, EPDs, Lieferantenmeldungen. Bewerten. Scores, Archetypen, Benchmarks, WÖk-IDs. Entscheiden. Welche Produkte? Welche Investitionen? Welche Lieferanten? Handeln. Umsteuern, Prioritäten setzen, Budgets verschieben. Prüfen. Assurance, Datenqualität, externe Kontrolle. Berichten. Erst am Schluss kommt der Bericht. Als Ergebnis des Prozesses, nicht als sein Zweck. Und dann beginnt der Kreislauf von vorne. Anwendung: Der häufigste Fehler bei der Einführung: Man beginnt mit dem Bericht und hofft, daraus später Steuerung zu machen. Das funktioniert nicht. Man muss mit der Entscheidungsfolge beginnen und den Bericht als Nebenprodukt mitnehmen. Aha. Wir erheben Daten nicht, um zu berichten. Wir erheben sie, um zu steuern. Folie 26 — Einführung im Unternehmen: warum und wie IM UNTERNEHMEN Naive Frage: Ich leite ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitern. Warum soll ich das einführen? Und wo fange ich an? Mechanismus: Warum. Vier konkrete Gründe, kein Goodwill: Erstens: Klima-, Wasser- und Lieferkettenrisiken werden zu Finanzrisiken. Wer sie nicht misst, wird von ihnen überrascht. Zweitens: Kapitalzugang und Versicherbarkeit hängen zunehmend an Wirkungsdaten. Ab 2027 fordern Banken Wirkungsnachweise für bestimmte Kreditkategorien. Drittens: Beschaffung und Marktzugang verlangen ESG-Nachweise. Große Abnehmer (Automobilindustrie, Lebensmittelhandel) verlangen sie bereits heute. Viertens: Vorstandspflichten. Vorstände haften für wesentliche Nichtangaben in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Wie. Sechs Schritte: Eins: Fünf bis zehn wesentliche KII wählen, nicht hundert. Was verändert wirklich Entscheidungen? Zwei: WÖk-IDs und Datenquellen anbinden. ERP-System, ESRS-Berichtspflichten, EPDs von Lieferanten. Drei: Scorecards je Produkt und Standort aufbauen. Mit Baseline, Zielwert, Benchmark. Vier: Entscheidungsregeln setzen. Ein CAPEX-Gate: keine Investition ohne T-SROI-Bewertung ab einer Million Euro. Eine Lieferantenregel: kein neuer Lieferant ohne Wirkungsscore. Fünf: T-SROI in die Investitionsrechnung integrieren. Neben dem klassischen Business Case. Sechs: Rückkopplung einbauen. Wirkungsbudget, Wirkungsabweichung, Wirkungsbonus als Teil der Vergütung. Anwendung: Viele Unternehmen glauben, sie müssen das alles auf einmal machen. Das stimmt nicht. Fangen Sie mit einem Pilotbereich an, einem Produkt, einem Standort, einem Lieferanten. Dann skalieren. Aha. Wirkungscontrolling ist kein Reportingprojekt. Es ist Risiko- und Kapitalsteuerung. ▶ Hinweis: Praktischer Einstieg für morgen: Wählen Sie drei KII, die eine aktuelle Entscheidung in Ihrem Unternehmen verändern könnten. Nichts weiter. Nur drei. Folie 27 — Section: Bank und Kapitalmarkt BANK UND KAPITALMARKT Jetzt wechseln wir die Seite. Nicht mehr das Unternehmen, das Wirkung erzeugt, sondern die Bank, der Fonds, der Versicherer, die Kapital vergeben und selbst berichten müssen. Folie 28 — Die Doppelrolle der Kapitalseite BANK UND KAPITALMARKT Naive Frage: Banken vergeben Kredite. Was hat das mit Wirkung zu tun? Mechanismus: Banken stehen an zwei Enden der Wirkungskette. Und das verändert alles. Ende eins: Sie nutzen Wirkungsdaten. Die Kreditprüfung der Zukunft fragt nicht mehr nur: Kann der Schuldner zahlen? Sie fragt: Welche Zukunft wird zahlungsfähig sein? Ein Unternehmen mit hohen Klimarisiken ist langfristig schlechter kreditwürdig als eines mit niedrigen. Wasserabhängigkeit, Lieferkettenfragilität, Cyberrisiken: Das sind Kreditrisiken. Wer die Wirkungsdaten seiner Kreditnehmer nicht versteht, versteht die Ausfallwahrscheinlichkeit der nächsten zehn Jahre nicht. Ende zwei: Sie müssen selbst berichten. Die EBA-Leitlinien verlangen seit 2024, ESG-Risiken im Risikomanagement abzubilden und klassischen Risikoarten, also Kreditrisiko, Marktrisiko, operationelles Risiko, zuzuordnen. Finanzierte Emissionen, das sind Scope-3-Emissionen der Bank, müssen offengelegt werden. Ab 2026 gelten diese Regeln für größere Institute verbindlich, ab 2027 auch für kleinere. Banken sind also gleichzeitig Nutzer und Ersteller von Wirkungsdaten. Das ist die Doppelrolle. Anwendung: Ein Versicherer, der nicht weiß, wie viele seiner Policen klimaexponierte Objekte absichern, wird 2030 kein funktionsfähiges Prämienmodell mehr haben. Das ist keine Zukunftsangst. Das ist Risikomanagement. Aha. ESG-Risiken sind Finanzrisiken. Wer das noch trennt, wird von der Regulierung eingeholt. Folie 29 — Einführung bei der Bank: warum und wie BANK UND KAPITALMARKT Naive Frage: Wir sind eine mittelgroße Regionalbank. Was müssen wir tun? Und wann? Mechanismus: Warum. Vier harte Gründe: Erstens: EBA-Leitlinien. ESG-Risiken sind ab 2026 im Risikomanagement abzubilden. Für kleinere Institute ab 2027. Zweitens: Finanzierte Emissionen sind offenzulegen. Wer nicht weiß, wie viel CO₂ sein Kreditportfolio verursacht, kann das nicht tun. Drittens: Versicherbarkeit von Sicherheiten. Wenn Immobilien in Hochwasserzonen nicht mehr versicherbar sind, sind sie als Kreditsicherheit wertlos. Viertens: Stranded-Asset-Risiko. Kredite an fossile Industrien könnten uneinbringlich werden, wenn der regulatorische Wandel schneller kommt als erwartet. Wie. Sechs Schritte: Eins: Wirkungsdaten in die Kreditprüfung integrieren. T-SROI neben Bonität als zweite Bewertungsachse. Zwei: Wirkungs-Covenants einführen. Kreditverträge mit messbaren Wirkungszielen: CO₂-Reduktion, Wassereffizienz, Kreislaufquote. Drei: Zinsdifferenzierung nach Wirkung. Gute Wirkung und hohe Datenqualität senken den Zinssatz. Lock-in-Risiken erhöhen ihn. Vier: Portfolio-Wirkungsrating erstellen. Welchen NWI hat das Gesamtportfolio? Wo liegt die größte Risikokonzentration? Fünf: Wirkungsdatenräume aufbauen. WÖk-IDs, ESRS-Schnittstellen, Produktpass-Anbindung für Unternehmenskunden. Sechs: Governance klären. Assurance-Prozesse, Datenqualitätsklassen, Schnittstelle zur WAOK. Anwendung: Der Vorteil für frühe Mover ist enorm. Wer jetzt Wirkungsdaten seiner Kreditnehmer erhebt, hat in zwei Jahren einen Informationsvorsprung, den Spätmover nicht mehr aufholen können. Aha. Wirkung ist für Banken kein Softthema. Es ist das härteste Risikofeld der nächsten Dekade. Folie 30 — Section: Der investierte Euro DER INVESTIERTE EURO Zurück zum Anfang. Der Euro. Was passiert mit ihm, jetzt, wo wir alle Werkzeuge kennen? Folie 31 — Was bewirkt ein investierter Euro? DER INVESTIERTE EURO Naive Frage: Ein Euro fließt in eine Sanierung. Wann und wo spürt man das? Mechanismus: Kurzfristig: IOI. Der Impact of Investment zeigt, wie viel Netto-Wirkung dieser Euro direkt erzeugt. Der Multiplikator ist eins. Die Sanierung spart Energie, das wird sofort messbar. Die Wirkung ist direkt und beim Projekt. IOI ist das erste Ergebnis. Langfristig: T-SROI. Jetzt kommt der Hebel. Andere Firmen im Gebäudekomplex sanieren ebenfalls, weil das Pilotprojekt bewiesen hat, dass es sich rechnet. Das setzt Standards. Die Versicherbarkeit des Standorts verbessert sich. Das Risikomodell der Bank ändert sich. Neue Finanzierungslinien werden aufgelegt. Der Markt verändert sich. Genau das misst der Transformations-Multiplikator. Ein Wert von 1,3 bedeutet: 30 Prozent des Wirkungswerts entstehen durch Systemveränderung, nicht durch das Projekt selbst. Anwendung: Der Unterschied zwischen einem guten Projekt und einer guten Investition liegt im T-SROI. Ein gutes Projekt hat einen hohen IOI. Eine gute Investition hat auch einen hohen T-SROI. Aha. Der Euro, der das System verändert, ist mehr wert als der Euro, der nur ein Projekt finanziert. Folie 32 — Ausblick und nächste Schritte AUSBLICK Naive Frage: Was nehme ich heute mit? Und was ist der erste Schritt? Mechanismus: Die Kernbewegung, in einem Satz: Vom Bericht zur Steuerung. Von Rendite zur Wirkung. ROI und SROI bleiben. NWI, IOI und T-SROI ergänzen sie um das Jahrzehnt, in dem wir gerade leben. Für Unternehmen: Fangen Sie mit fünf KII an. Nicht mit hundert. Mit fünf, die eine Entscheidung verändern. Für Banken: Integrieren Sie T-SROI in eine Kreditkategorie als Pilot. Messen Sie die Datenlage. Dann skalieren. Für Investoren: Verlangen Sie NWI-Reportings von Ihren Portfoliounternehmen. Sie geben Ihnen Risikofrühinformationen, die kein Finanzkennzahlensystem liefert. Offene Punkte, die wir im Haus weiter bearbeiten: IOI und NWI werden ins Manuskript überführt. Der UWP-100-Pilot wird von drei auf zehn bis fünfzehn Unternehmen erweitert. Ein XBRL-Adapter für die Planet-Dimension ist im Aufbau. Anwendung: Sie haben heute Formeln gesehen. Zahlen. Beispiele. Aber das Wichtigste ist eine Frage, die Sie morgen früh ihren Kolleginnen und Kollegen stellen können: Was bewirkt unser Geld? Nicht nur: Was bringt es ein? Aha: Kapital darf nicht nur fragen, was zurückfließt. Es muss fragen, was durch seinen Einsatz entsteht. Aha. Kapital darf nicht nur fragen, was zurückfließt. Es muss fragen, was durch seinen Einsatz entsteht.