Methodik · Datenbasis

Datenbasis und Methodik der Wirkungsökonomie

Die Wirkungsökonomie setzt auf vorhandenen Daten- und Prüfstrukturen auf. Relevante Informationen entstehen bereits heute in Nachhaltigkeitsberichten, Lieferketten, Produktdaten und Standards - aber auch in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, im DNS-Indikatorenmonitoring von Destatis sowie in Gesetzesfolgenabschätzung und Nachhaltigkeitsprüfung des Bundes.

Der Unterschied liegt nicht darin, noch mehr Daten zu sammeln. Entscheidend ist, vorhandene Daten so zu ordnen, dass Wirkung, Risiko und Rückkopplung steuerbar werden.

Der Bewertungsrahmen ist keine persönliche Moral. Global dienen SDGs und Agenda 2030 als Referenz; für Deutschland kommt die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie mit Zielen, Indikatoren und Monitoring hinzu. SDG+ ist eine WÖk-eigene Erweiterung für zusätzliche demokratische, mediale, rechtliche und digitale Wirkungsräume. Referenz und Wirkung bleiben getrennt: Zielbezug ist kein Kausalitätsnachweis.

Quellenregister

Bestehende Daten werden anschlussfähig gemacht.

Die Tabelle zeigt, welche Standards und Datenquellen für die Wirkungsökonomie relevant sind. Sie ersetzt keine Originalstandards. Verlinkt wird auf offizielle Quellen.

Quelle / Standard
Wofür relevant?
Typische Daten
WÖk-Nutzung
Offizieller Link
Stand / Version
SDGs Globaler Zielrahmen für Mensch und Planet. Ziele, Unterziele und Indikatoren zu Armut, Gesundheit, Bildung, Klima, Ressourcen und Institutionen. Orientierungsrahmen für Wirkungsfelder, Unterfelder und Zielrichtung. UN SDG Goals Agenda 2030
Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) Nationaler Ziel-, Management- und Monitoringrahmen für die Agenda 2030 in Deutschland. Deutsche Ziele, Indikatoren, Transformationsbereiche, Governance und Monitoring. Datenfunktion: REFERENCE / TARGET / BASELINE / MONITORING / CONTEXT. Nicht automatisch CAUSAL_EVIDENCE. Bundesregierung: DNS 2025 Weiterentwicklung 2025
DNS-Indikatoren / Destatis Amtliches Monitoring des Zustands und der Zielerreichung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Zeitreihen, Zielwerte, Trends und Indikatorenberichte. Datenfunktion: BASELINE / TARGET / MONITORING / REALITY_CHECK. Ein Indikator ist nicht die Wirkung und seine Bewegung beweist keine Attribution. Destatis: Nachhaltigkeitsindikatoren laufendes Monitoring
GGO §§ 43/44 · Gesetzesfolgenabschätzung Bestehende staatliche Ex-ante-Folgenprüfung für Bundesregelungsvorhaben. Ziel/Notwendigkeit, Sachverhalt/Erkenntnisquellen und Alternativen; beabsichtigte Wirkungen, unbeabsichtigte Nebenwirkungen, Nachhaltigkeitsbezug sowie Angaben zur späteren Überprüfung. Quellenfunktion: STATE_EX_ANTE_ASSESSMENT / REFERENCE / CONTEXT. Staatliche Einschätzung bleibt vom unabhängigen WÖk-Urteil getrennt. GGO §§ 43 und 44 geltende GGO
Nachhaltigkeitsprüfung · eNAP / eGFA Digital unterstützte Nachhaltigkeitsprüfung innerhalb der staatlichen Gesetzesfolgenabschätzung. SDG-/DNS-Bezüge, Ziele und Indikatoren sowie dokumentierte positive/negative Nachhaltigkeitsaspekte und Zielkonflikte, soweit im Verfahren einschlägig. Quellenfunktion: STATE_EX_ANTE_ASSESSMENT / REFERENCE. Öffentliche GFA-Dokumentation ist nicht automatisch ein veröffentlichter eNAP-Rohexport. E-Gesetzgebung: eGFA/eNAP laufendes Bundesverfahren
SDG+ Ergänzung für Demokratie, Medienqualität, Rechtsstaatlichkeit und Diskursfähigkeit. Vertrauen, Manipulationsrisiken, Rechtsstaatlichkeit, Medienwirkung, gesellschaftlicher Zusammenhalt. Erweitert den normativen Rahmen dort, wo SDGs demokratische Wirkungsräume nicht fein genug abbilden. SDG+ Medien und Demokratie WÖk-Datenbasis 2026
CSRD Europäische Berichtspflicht und Dateninfrastruktur für Nachhaltigkeitsinformationen. Unternehmensdaten zu Umwelt, Sozialem, Governance, Strategie, Risiken und Chancen. Berichtsdaten werden auf Wirkungsfelder, Datenqualität und Indikatoren gemappt. EUR-Lex Richtlinie 2022/2464 2022/2464
ESRS Europäische Nachhaltigkeitsberichtsstandards. Angaben zu Klima, Umwelt, Belegschaft, Wertschöpfungskette, Betroffenen, Konsumenten und Governance. Hilft bei Datenfeldern, Belegen, Bewertungsrichtung und Anschluss an Scorecards. EUR-Lex Delegierte Verordnung 2023/2772 Set 1, 2023
GRI Etablierter Standard für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Emissionen, Energie, Wasser, Abfall, Arbeit, Menschenrechte, lokale Gemeinschaften und Governance. Referenz für berichtete Datenpunkte und mögliche Zuordnung zu Wirkungsindikatoren. GRI Standards laufend aktualisiert
EU-Taxonomie Klassifikationsrahmen für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten. Wirtschaftsaktivitäten, technische Bewertungskriterien, Umweltziele und Mindestschutz. Referenz für ökologische Mindestbedingungen und Schwellenlogik. EUR-Lex Verordnung 2020/852 2020/852
NACE Statistische Klassifikation wirtschaftlicher Aktivitäten in Europa. Branchen und Tätigkeitsklassen. Branchenbezug für Benchmarks, Archetypen und Vergleichslogik. Eurostat NACE NACE Rev. 2 / Aktualisierungen
Digitale Produktpässe / DPP Produktbezogene Datenbasis für Material, Kreislauf und Lieferketten. Materialien, Reparierbarkeit, Haltbarkeit, Recycling, Herkunft und Produktinformationen. Bindeglied zwischen Produktdaten, Scorecard und möglicher Steuerklasse. EUR-Lex ESPR 2024/1781 2024/1781
Lieferkettendaten Vorstufen, Herkunft, Risikoorte und soziale Bedingungen. Arbeitsbedingungen, Löhne, Risiken, Herkunft, Transport, Materialflüsse. Zuordnung zu Arbeit, Fairness, Ressourcen, Klima und Risikofeldern. EU Due Diligence Überblick laufend
Produktdaten Konkrete Eigenschaften einzelner Produkte. Material, Energie, Gewicht, Lebensdauer, Reparierbarkeit, Sicherheit, Verpackung, Retouren. Ausgangspunkt für produktbezogene Wirkungsbewertung und Preisrückkopplung. WÖk-Scorecard-Demo produktspezifisch
EPDs Umweltproduktdeklarationen für produktbezogene Umweltinformationen. Lebenszyklusdaten, Umweltwirkungen, Produktkategorien und geprüfte Deklarationen. Referenz für planetare Produktindikatoren, besonders in materialintensiven Bereichen. The International EPD System programmabhängig
ILO Arbeitsnormen, Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsdaten. Arbeitszeit, Sicherheit, Löhne, Beschäftigung, Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Rechte. Referenz für Arbeits- und Fairnessindikatoren. ILOSTAT laufend
WHO Gesundheitsdaten und Risikofaktoren. Gesundheit, Sicherheit, Belastungen, Krankheit, Zugang und Prävention. Referenz für Gesundheits- und Sicherheitswirkungen. WHO Data laufend
IPCC Wissenschaftliche Grundlagen zu Klimawandel, Emissionen und Risiken. Klimarisiken, Emissionspfade, Anpassung, Minderung und Szenarien. Orientierung für Klimaschwellen, Risikoeinordnung und Plausibilisierung. IPCC Reports Assessment Reports
IPBES Wissenschaftliche Grundlagen zu Biodiversität und Ökosystemleistungen. Artenverlust, Ökosystemzustände, Landnutzung, Wasser, Naturbeiträge. Referenz für Biodiversitäts- und Naturindikatoren. IPBES Assessments Assessment Reports
Nationale Statistikquellen Amtliche Vergleichs- und Kontextdaten. Bevölkerung, Einkommen, Arbeit, Preise, Branchen, Umwelt, Gesundheit und regionale Daten. Benchmarks, Plausibilisierung und Kontext für Wirkungsklassen. Destatis laufend

Mapping-Register

Wie externe Daten zu WÖk-Indikatoren werden.

Externe Daten werden nicht einfach übernommen. Sie werden einem Wirkungsraum, einem Unterfeld, einer Einheit, einer Bewertungsrichtung und einer Datenqualitätsklasse zugeordnet.

Datensatz
Standardbezug
WÖk-ID
Wirkungsraum
Einheit
Bewertungsrichtung
Treibhausgasemissionen Produkt ESRS E1, GRI 305, Produktdaten, DPP WOK-PLANET-KLIMA-001 Planet / Klima kg CO₂e pro Produkteinheit niedriger ist besser
Arbeitsunfälle GRI 403, ILO, Lieferkettendaten WOK-MENSCH-ARBEIT-002 Mensch / Arbeit Rate je Arbeitsstunden niedriger ist besser
Diskurs- und Vertrauenswirkung SDG+, Medienanalyse, Quellen- und Plattformdaten WOK-DEMO-MEDIEN-001 Demokratie / Medienqualität qualitative und quantitative Scorelogik vertrauensstärkend ist besser

Bewertungslogik

Von Rohdaten zur Rückkopplung

Die Wirkungsökonomie arbeitet mit einer nachvollziehbaren Kette. Jede Stufe macht sichtbar, was aus den Daten wird und wo Unsicherheit bleibt.

1RohdatenQuelle und Kontext
2IndikatorEinheit und Richtung
3WirkungsfeldMensch, Planet, Demokratie
4Scorecard-3 bis +3
5WÖk-Netto-WirkungsindexNetto-Wirkung
6Schutzregelkein Schönrechnen
7Wirkungsklasse+3 bis -3
8RückkopplungSteuer, Preis, Kapital

Vertiefung: Von Daten zum Steuersatz und Prozesslogik des Modells.

Beispielindikator

WÖk-ID: Treibhausgasemissionen pro Produkteinheit

Diese Karte zeigt beispielhaft, wie ein Indikator dokumentiert werden kann. Sie ist keine amtliche Bewertung.

WOK-PLANET-KLIMA-001

Treibhausgasemissionen pro Produkteinheit

Wirkungsraum
Planet
Unterfeld
Klima
Mögliche Datenquellen
ESRS E1, GRI 305, Produktdaten, digitaler Produktpass
Einheit
kg CO₂e pro Produkteinheit
Bewertungsrichtung
niedriger ist besser
Datenqualität
A bis D, je nach Messung, Prüfung und Plausibilisierung
Score
-3 bis +3

Beispielhafte Logik - keine amtliche Bewertung.

Beispiele

Von Daten zu Wirkungsklassen

Die Beispiele sind Demonstrationsmodelle. Sie zeigen Datenquellen, Annahmen, Scorecard, Wirkungsklasse und mögliche Steuerklasse, ohne eine amtliche Einstufung zu behaupten.

Produktwirkung

Apfel und T-Shirt

Produktdaten, Lieferketten, CO₂, Wasser, Arbeit, Gesundheit und Scorecard-Logik.

Simulator öffnen

Unternehmen

Polyamid / Konzernbeispiel

Reportingdaten, Lieferketten, Investitionswirkung, Resilienz und Transformationsfähigkeit.

Materialien ansehen

SDG+ Demokratie

Medienwirkung und Narrative

Sprache, Wirkungspotenziale, Resonanzräume, Vertrauen und demokratische Stabilität.

Narrativanalyse öffnen

Datenqualität und Unsicherheit

Unsicherheit wird sichtbar markiert.

Nicht alle Daten sind gleich belastbar. Die WÖk soll transparent zeigen, ob ein Wert gemessen, berichtet, geschätzt oder modelliert ist.

Agemessen und geprüft
Bberichtet und plausibilisiert
Cbranchenspezifischer Benchmark
DArchetyp / Näherung
Eunklar / nicht ausreichend

Keine Parallelbürokratie

Neu ist nicht der Datenberg. Neu ist die Rückkopplung.

Die Wirkungsökonomie will nicht für jede Entscheidung neue Datenberge erzeugen. Sie nutzt Daten, die ohnehin in Unternehmen, Lieferketten, Berichten, Produktpässen, Finanz- und Risikosystemen entstehen. Neu ist, dass diese Daten nicht nur beschrieben werden. Sie verändern Preise, Steuern, Kapitalzugang, Beschaffung und Entscheidungen.

Einordnung: Wirkungsökonomie im Vergleich, Downloads und Arbeitspapiere, Akademie Teil III - Maßstab und Bewertung.

Hinweis

Methodik, keine amtliche Festsetzung

Diese Seite dokumentiert die Methodik und Datenlogik der Wirkungsökonomie. Sie ersetzt keine amtliche Steuerfestsetzung, keine gesetzliche Bewertung und keine Prüfung durch Behörden. Beispiele dienen der Veranschaulichung.

Weiterlesen im Journal

Vertiefende Journalartikel

Die Architektur der europäischen Nachhaltigkeitsregulierung

Beitrag lesen

Bestehende Staatsarchitektur und WÖk-Ergänzung

Deutschland prüft Folgen bereits - aber mit unterschiedlichen Verfahren je nach Entscheidungstyp.

Für Bundesregelungsvorhaben bilden GGO, Gesetzesfolgenabschätzung, Nachhaltigkeitsprüfung und eNAP/eGFA eine institutionalisierte Prüfarchitektur. § 43 GGO umfasst unter anderem Ziel und Notwendigkeit, Sachverhalt und Erkenntnisquellen sowie andere Lösungsmöglichkeiten; § 44 GGO beabsichtigte Wirkungen, unbeabsichtigte Nebenwirkungen und Angaben zur späteren Überprüfung. Für finanzwirksame Maßnahmen verlangt § 7 BHO angemessene Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen. Die VV-BHO zu § 7 konkretisiert für Planung und Erfolgskontrolle unter anderem Ausgangslage und Bedarf, hinreichend konkrete Ziele und Zielkonflikte, Lösungsvergleich sowie Zielerreichungs-, Wirkungs- und Wirtschaftlichkeitskontrolle. Die Wirkungskontrolle fragt nach dem ursächlichen Beitrag und bezieht beabsichtigte und unbeabsichtigte Wirkungen sowie Risiken ein. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS), KSG § 13, KAnG § 8 und sektorale Evaluationsregime bilden weitere, nur bei sachlicher Anwendbarkeit heranzuziehende Schichten.

Die Wirkungsökonomie ersetzt diese Architektur nicht. Sie ergänzt sie um eine durchgängig objektspezifische Verbindung von Problemprüfung, Zielprüfung, expliziten Wirkpfaden (A→M→ΔZ→R), Wirkungen erster bis dritter Ordnung und Kaskaden, Verteilung und Resilienz, Gegenfaktum und Zurechnung, Omissions-/Delivery-/Kohärenzprüfung, strukturiertem Optionsvergleich unter denselben Ziel- und Schutzräumen, Nichtkompensation harter Schutzgrenzen sowie wiederholbarem Reality Check und versionierter Lernschleife.

Ein Bezug zu DNS, SDGs oder Indikatoren ist dabei eine Ziel- und Referenzinformation - kein automatischer Kausalitätsnachweis. Indikator ist nicht Wirkung, Output ist nicht Outcome und Beobachtung ist nicht Zurechnung.

Zur WÖk-Methodik · Zu Daten- und Quellenfunktionen · BHO § 7 · VV-BHO zu § 7 · BMF-Rahmen zwoH