Gemeinwohlökonomie bilanziert Verantwortung.
Donut-Ökonomie beschreibt Grenzen.
Mazzucato gibt einen Gemeinwohl-Kompass.
Die Wirkungsökonomie baut die Architektur, die Wirkung in Entscheidungen zurückführt.
GWÖ · Donut · Common Good Economy · WÖk
Die Wirkungsökonomie im Vergleich
Viele Ansätze sagen, dass Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen muss. Das ist richtig. Aber es reicht nicht. Denn ein Kompass zeigt nur die Richtung. Ein Zielbild beschreibt nur den Raum. Eine Bilanz macht Verantwortung sichtbar. Erst eine Rückkopplungsarchitektur verändert die Spielregeln.
Erklärvideo
Warum die WÖk weitergeht
Das Video erklärt den Unterschied zwischen Gemeinwohlökonomie, Donut-Ökonomie, Mazzucatos Common-Good-Ansatz und Wirkungsökonomie: Sichtbarkeit reicht nicht, Wirkung muss in Entscheidungen zurückgeführt werden.
Das einfache Bild
Kompass, Karte, Thermostat
Man kann den Unterschied ganz einfach erklären: Ein Kompass zeigt die Richtung. Eine Karte zeigt den Raum. Ein Thermometer zeigt den Zustand. Aber ein Thermostat verändert das System. Wenn ein Raum zu kalt ist, reicht es nicht zu sagen: Wir wollen 21 Grad. Es reicht auch nicht, 17 Grad zu messen. Erst wenn die Messung mit einer Handlung verbunden wird, verändert sich etwas.
GWÖ
Werteorientierung
Zeigt, ob Organisationen werteorientiert handeln.
Donut
Zielraum
Zeigt den sicheren und gerechten Raum zwischen sozialem Fundament und planetaren Grenzen.
Mazzucato
Gemeinwohl-Kompass
Zeigt, wie gemeinsame Ziele besser verfolgt werden können: mit Purpose, Missionen, Co-Creation, Lernen und Accountability.
WÖk
Rückkopplung
Koppelt Wirkung in Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung, Einkommen und Entscheidungen zurück.
Warum Sichtbarkeit nicht reicht
Sichtbarkeit ist noch keine Steuerung
Nachhaltigkeitsberichte beschreiben. ESG bewertet Risiken. Gemeinwohlbilanzen machen Werte sichtbar. Der Donut zeigt Grenzen. Mazzucatos Common-Good-Kompass verbessert die Art, wie gemeinsame Ziele verfolgt werden. Aber die entscheidende Frage bleibt: Was verändert sich dadurch am nächsten Preisschild, an der nächsten Steuerentscheidung, an der nächsten Kreditprüfung, an der nächsten Ausschreibung, an der nächsten Lieferkette?
Reporting beschreibt. Rückkopplung verändert.
Methodischer Kernunterschied
Keine weitere Bilanz, sondern eine Steuerungsschicht
Die Gemeinwohlökonomie ergänzt die bestehende Berichtslandschaft um eine eigene organisationsbezogene Gemeinwohl-Matrix und Gemeinwohl-Bilanz.
Die Wirkungsökonomie will keine weitere parallele Berichtspflicht schaffen. Bewertet wird am Rahmen der SDGs und SDG+. Sie nutzt bereits bestehende und international anschlussfähige Datenwelten, insbesondere CSRD und ESRS mit doppelter Wesentlichkeit, GRI, EU-Taxonomie, NACE, Lieferkettendaten, Zertifikate und digitale Produktpässe.
Ihre eigene Leistung liegt in der Übersetzung dieser Daten:
bestehende Wirkungsdaten
↓ WÖk-IDs und Zuordnung
↓ Benchmarks und Scorecards
↓ Nichtkompensation und Reverse Merit Order
↓ Rückkopplung in Preise, Steuern, Kapitalzugang, Versicherbarkeit, Beschaffung und Entscheidungen.
Die Wirkungsökonomie erzeugt daher nicht primär einen weiteren Bericht. Sie macht vorhandene Wirkungsdaten entscheidungs- und steuerungswirksam.
GWÖ ergänzt die Berichtswelt um eine Gemeinwohl-Bilanz.
WÖk baut auf bestehenden Standards eine Rückkopplungsarchitektur.
Die Modelle
Was die anderen Modelle leisten und wo sie ansetzen
Der Vergleich ist nicht als Abwertung gemeint. Gemeinwohlökonomie, Donut-Ökonomie und Common Good Economy sind wichtige Vorarbeiten. Die Frage ist, ob sie bereits eine vollständige Wirkungsarchitektur bauen.
Gemeinwohlökonomie
Gemeinwohlökonomie: Werte- und Organisationsbilanz
Die Gemeinwohlökonomie hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Sie bewertet, wie Organisationen Werte wie Menschenwürde, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung gegenüber ihren Berührungsgruppen verwirklichen.
Ihr zentrales Instrument ist die Gemeinwohl-Bilanz auf Grundlage der Gemeinwohl-Matrix. Die Ergebnisse können durch Audit oder Peer-Evaluierung geprüft werden.
Die GWÖ will diese Bewertung perspektivisch auch mit Produktkennzeichnung und rechtlichen Anreizen verbinden, beispielsweise mit Vorteilen oder Nachteilen bei Krediten, Steuern, Zöllen oder öffentlicher Beschaffung.
Der Unterschied zur Wirkungsökonomie liegt deshalb nicht darin, dass die GWÖ grundsätzlich keine Anreize vorsieht. Er liegt in der Steuerungsarchitektur:
Die GWÖ beginnt primär bei der Organisation, ihren Werten und ihren Beziehungen zu Berührungsgruppen.
Die Wirkungsökonomie beginnt bei der tatsächlichen Zustandsveränderung durch eine konkrete Aktivität, ein Produkt, eine Lieferkette, einen Kapitalfluss, ein Gesetz oder einen öffentlichen Wirkungsbeitrag. Sie verbindet standardisierte und maschinenlesbare Wirkungsdaten mit Benchmarks, Nichtkompensation und einer regelbasierten Rückkopplung in Preise, Steuern, Kapitalzugang, Versicherbarkeit, Beschaffung und Entscheidungen.
GWÖ macht Gemeinwohlorientierung bilanzierbar.
WÖk macht Wirkung systemweit steuerungsrelevant.
Die Gemeinwohl-Bilanz kann politische Anreize begründen. Die Wirkungsökonomie baut daraus eine durchgängige Daten- und Rückkopplungslogik.
Donut-Ökonomie
Donut-Ökonomie: Zielraum
Die Donut-Ökonomie liefert ein starkes Bild: Wirtschaft soll oberhalb sozialer Mindeststandards und unterhalb planetarer Belastungsgrenzen stattfinden. Das ist wichtig. Aber ein Zielraum steuert nicht von allein. Der Donut sagt, wo wir hinmüssen. Er erklärt nicht ausreichend, wie daraus automatisch andere Preise, Steuern, Kapitalflüsse, Mieten, Renten, Gesundheitsanreize, Medienlogiken oder Lieferkettenentscheidungen entstehen.
Zielraum ist keine Rückkopplung.
Common Good Economy
Mazzucato: Gemeinwohl-Kompass und Mission Governance
Mariana Mazzucato geht einen wichtigen Schritt weiter. Sie fragt nicht nur, welche Ziele wir haben, sondern wie Staat, Wirtschaft und Gesellschaft diese Ziele gemeinsam verfolgen. Ihr Common-Good-Ansatz betont Zweck, Richtung, Co-Creation, kollektives Lernen, geteilte Erträge, Transparenz und Rechenschaft. Das ist ein starker Impuls. Aber auch dieser Ansatz bleibt vor allem Kompass, Governance und Mission. Er zeigt, wie kollektive Ziele besser verfolgt werden können. Die WÖk fragt zusätzlich: Wie wird die tatsächliche Wirkung jeder Handlung in das System zurückgeführt?
Ein Kompass reicht nicht, wenn Motor, Sensoren und Rückkopplung fehlen.
Wirkungsökonomie
Wirkungsökonomie: Wirkungsarchitektur
Die Wirkungsökonomie beginnt nicht beim Unternehmen und endet nicht beim Produkt. Sie fragt: Welche Wirkung erzeugen Handlungen, Unterlassungen, Produkte, Preise, Gesetze, Kapitalflüsse, Algorithmen, Medienbeiträge und Narrative – und wie wird diese Wirkung bewertet, begrenzt und zurückgekoppelt? Genau deshalb ist die WÖk nicht nur ein Wirtschaftsmodell. Sie ist eine gesellschaftliche Wirkungsarchitektur für Mensch, Planet und Demokratie.
WÖk ist nicht nur Wirtschaft. WÖk ist Wirkung.
Der entscheidende Reichweitenunterschied
Nicht nur Unternehmen: die gesamte Gesellschaft als Wirkungsraum
Die Gemeinwohlökonomie richtet ihren Blick primär auf Organisationen und deren Beziehungen zu Berührungsgruppen. Die Wirkungsökonomie betrachtet dagegen grundsätzlich alle Wirkungsträger und Wirkungsräume.
Dazu gehören Unternehmen, Produkte und Lieferketten ebenso wie Staat und Recht, Steuern und öffentliche Haushalte, Kapital und Versicherungen, Medien und Diskurse, Wissenschaft und Forschung, Bildung, Gesundheit, Pflege, Kultur, digitale Plattformen und Demokratie.
Die Wirkungsökonomie ist deshalb nicht lediglich ein Wirtschaftsmodell. Sie ist ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das fragt, welche Zustandsveränderungen Handlungen, Strukturen und Institutionen für Mensch, Planet und Demokratie erzeugen und wie diese Veränderungen in das System zurückgekoppelt werden.
GWÖ betrachtet primär die Gemeinwohlorientierung von Organisationen.
WÖk betrachtet die Wirkung des gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftssystems.
Einfach erklärt
Fair-Play-Bilanz oder neue Anzeigetafel?
Die Gemeinwohlökonomie erstellt eine Fair-Play-Bilanz des Vereins.
Die Wirkungsökonomie betrachtet das gesamte Fußballsystem: Verein, Spiel, Spieler, Ligaregeln, Verband, Finanzierung, Schiedsrichter, Medien, Nachwuchsförderung, Stadien und gesellschaftliche Folgen.
Sie verändert daher nicht nur die Vereinsbewertung, sondern die gesamte Spiel-, Anreiz- und Rückkopplungsordnung.
GWÖ
Fair-Play-Bilanz des Vereins
Sie fragt, wie der Verein mit Spielerinnen und Spielern, Beschäftigten, Partnern, Umwelt und Gesellschaft umgeht. Eine gute Bilanz soll zu Vorteilen im Wettbewerb führen.
GWÖ: Wie gemeinwohlorientiert handelt der Verein?
WÖk
Spielsystem mit Rückkopplung
Tore und Fouls werden auf Ebene des konkreten Spiels sichtbar. Schwere Fouls lassen sich nicht einfach mit vielen Toren verrechnen. Die Bewertung wirkt auf Tabellenplatz, Finanzierung, Preise und nächste Entscheidungen zurück.
WÖk: Welche Wirkung erzeugt jedes Spiel, und wie verändert sie die weitere Spielsteuerung?
Der eigentliche Unterschied
Die WÖk denkt vom Auslöser bis zur Rückkopplung
Die Wirkungsökonomie beginnt früher als die klassischen Modelle. Sie beginnt bei dem, was Wirkung auslösen kann.
Auslöser
Handlung, Unterlassen, Produkt, Gesetz, Preis, Narrativ, Technologie, Kapitalfluss
Wirkstoff (didaktische Analogie)
Didaktische Analogie: ein Auslöser mit Wirkungspotenzial
Potenzial und Risiko
Die Möglichkeit positiver, negativer oder ambivalenter Wirkung – noch kein Wirkungsnachweis.
Wirkungsraum
Markt, Lieferkette, Quartier, Gesundheitssystem, Plattform, Öffentlichkeit, Demokratie
Wirkmechanismus
Wie und unter welchen Annahmen Wirkung entstehen kann
IOOI-Wirkpfad
Input → Aktivität → Output → Outcome → Impact
Evidenz und Folgen
Wirkungsnachweis, Attribution sowie Neben-, Wechsel- und Reboundeffekte
Bewertung und Netto-Wirkung
Einordnung nach SDGs, Agenda 2030 und SDG+; schwere Schäden werden nicht beliebig verrechnet.
Schutz und Transformation
Grenzen, Rechte, Nichtkompensation und Wirkungsordnungen.
Rückkopplung und Lernen
Wirkung verändert Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung, Förderung, Einkommen, Recht und Entscheidungen.
Etwas geschieht. Es kann etwas auslösen. Aus Potenzialen werden unter bestimmten Bedingungen Zustandsveränderungen. Erst dann wird Wirkung bewertet. Daraus folgen neue Anreize. Das System lernt.
Sauber unterscheiden
Methoden, Modelle und Datenstandards erfüllen unterschiedliche Aufgaben
IOOI, Theory of Change und die fünf Dimensionen von Impact Frontiers helfen, Wirkpfade, Annahmen, Betroffene, Beitrag und Risiko zu strukturieren. Sie sind Methoden und Analysemodelle, keine vollständige Steuerungsordnung.
Methoden und Modelle
Sie beantworten Fragen wie: Was ist der Input? Welcher Mechanismus ist plausibel? Welche Veränderung lässt sich beobachten? Wer ist betroffen? Welcher Beitrag ist zurechenbar?
Daten- und Berichtsstandards
ESRS, GRI, CSRD und ähnliche Standards legen Daten-, Kennzahlen- und Offenlegungslogiken fest. Sie können Wirkungssteuerung unterstützen, ersetzen aber keinen normativen Maßstab.
Wirkungsökonomie
Sie verbindet Wirkpfad, Evidenz, Referenzrahmen, positive Netto-Wirkung, Nichtkompensation, Transformationswirkung und Rückkopplung in Preise, Kapital, Beschaffung, Management, Recht und Regulation.
SDG+
Warum die WÖk SDG+ braucht
Die SDGs sind der globale Referenzrahmen für nachhaltige Entwicklung. Sie sind wichtig, aber sie reichen für die Wirkungsökonomie nicht vollständig aus. Denn die Krisen des 21. Jahrhunderts betreffen nicht nur Klima, Armut oder Bildung, sondern auch Demokratie, Medienqualität, Rechtsstaatlichkeit, institutionelles Vertrauen, digitale Selbstbestimmung, Plattformmacht und Diskursfähigkeit.
Ein demokratiefeindliches Narrativ zerstört Demokratie nicht mit einem einzigen Satz. Aber es kann Misstrauen säen, Feindbilder normalisieren, Institutionen delegitimieren und Gewalt wahrscheinlicher machen. Wenn solche Narrative durch Plattformlogik, Wiederholung und emotionale Erregung verstärkt werden, entstehen Wirkpfade. Genau solche Wirkpfade braucht SDG+.
SDG+ ist keine offizielle UN-Kategorie. Es ist die Erweiterung der Wirkungsökonomie für Demokratie, Medienqualität, Rechtsstaatlichkeit, Diskursfähigkeit, institutionelles Vertrauen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und digitale Selbstbestimmung.
Nicht nur Wirtschaft
Warum die WÖk nicht nur Wirtschaft ist
Der Name Wirkungsökonomie kann missverständlich sein. Die WÖk betrifft nicht nur Unternehmen, Märkte und Steuern. Gesellschaft wird auch durch Einkommen, Renten, Mieten, Gesundheitsstrukturen, Medien, Sprache, Bildung, Wissenschaft, Pflege, Kultur, Plattformen, Kapitalmärkte und öffentliche Haushalte gesteuert.
Wirkungseinkommen
Leistung neu lesen
Leistung ist nicht, was am Markt teuer verkauft wird. Leistung ist, was Mensch, Planet und Demokratie stärkt.
Wirkungsrente
Lebensleistung
Die alte Rente fragt: Was hast du verdient? Die Wirkungsrente fragt: Was hast du beigetragen?
Wohnen
Wirkungsraum
Wohnen ist keine Anlageklasse, sondern ein Wirkungsraum für Sicherheit, Gesundheit, Teilhabe, Klima und Demokratie.
Gesundheit
Prävention
Die WÖk verschiebt Gesundheit von Reparatur zu Prävention.
Medien und Sprache
Infrastruktur
Sprache ist kein Beiwerk der Demokratie. Sprache ist Infrastruktur.
Wissenschaft
Erkenntnis zurückführen
Wissenschaft erkennt Wirkungen. Die WÖk fragt, wie Erkenntnis in Entscheidungen zurückwirkt.
Kapital
Werkzeug
Kapital bleibt Werkzeug. Es wird nach Wirkung gelesen, nicht als oberster Kompass behandelt.
Öffentliche Haushalte
Jeder Euro muss wirken
Jeder öffentliche Euro wird danach gefragt, welche Netto-Wirkung er erzeugt.
Vergleichsmatrix
Modelle im direkten Vergleich
Die Tabelle vereinfacht bewusst. Sie zeigt die unterschiedlichen Funktionen der Modelle: Wertebilanz, Zielraum, Kompass und Wirkungsarchitektur.
| Frage | Gemeinwohlökonomie | Donut-Ökonomie | Mazzucato / Common Good Economy | Wirkungsökonomie |
|---|---|---|---|---|
| Grundfrage | Handelt eine Organisation gemeinwohlorientiert? | Bleibt Wirtschaft im sicheren und gerechten Raum? | Wie verfolgen wir gemeinsame Ziele besser? | Welche Wirkung entsteht, und wie wird sie zurückgekoppelt? |
| Bewertungsobjekt | Organisation und Beziehungen zu Berührungsgruppen | Gesellschaftlicher und planetarer Zielraum | Missionen, Institutionen und gemeinsame Zielverfolgung | Aktivitäten, Produkte, Lieferketten, Organisationen, Kapitalflüsse, Gesetze und öffentliche Wirkungsräume |
| Bewertungslogik | Werteorientierte Gemeinwohl-Matrix und Bilanz | Soziales Fundament und planetare Belastungsgrenzen | Purpose, Missionen, Co-Creation, Lernen und Accountability | Zustandsveränderung, SDGs/SDG+, Benchmarks, Netto-Wirkung und Nichtkompensation |
| Systemreichweite | Primär Organisationen und ihre Beziehungen zu Berührungsgruppen | Gesamtgesellschaftlicher Zielraum innerhalb sozialer und planetarer Grenzen | Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in gemeinsamer Missions-Governance | Gesamtes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem: Unternehmen, Produkte, Kapital, Staat, Recht, öffentliche Haushalte, Medien, Diskurse, Wissenschaft, Bildung, Gesundheit, Kultur, Digitalisierung und Demokratie |
| Referenzrahmen | Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung | Soziales Fundament und planetare Grenzen | Demokratisch definierte Missionen und Gemeinwohlziele | SDGs, SDG+, deutsche Staatsziele und Staatsaufträge, europäische Ziel- und Rechtsrahmen sowie völkerrechtliche Verpflichtungen |
| Gesellschaftliche Wirkungsräume | Indirekt über Organisationen und Berührungsgruppen | Makroökonomisch und sozial-ökologisch | Über Missionen, Institutionen und öffentliche Kooperation | Eigenständige Wirkungsräume für Staat, Recht, Medien, Diskurse, Wissenschaft, Forschung, Bildung, Gesundheit, Kultur, Plattformen und Demokratie |
| Hauptleistung | Werte und Verantwortung sichtbar machen | Soziale und planetare Grenzen verständlich machen | Missionen, Staat und Co-Creation stärken | Wirkung messbar, bewertbar und steuerungswirksam machen |
| Datenlogik | Gemeinwohl-Matrix und Gemeinwohl-Bilanz | Indikatoren für den Zielraum | Prinzipien und Governance-Kriterien | SDGs, SDG+, CSRD, ESRS, GRI, NACE, DPP, WÖk-IDs und Scorecards |
| Rückkopplung | Produktkennzeichnung und rechtliche Anreize sind vorgesehen. Die operative Rückkopplung basiert jedoch primär auf der organisationsbezogenen Gemeinwohl-Bilanz und bildet noch keine durchgängige aktivitätsbezogene Wirkungsdatenarchitektur. | Nicht zentral operationalisiert | Über Missionen, Institutionen und öffentliche Handlungsfähigkeit | Zentral: Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung, Einkommen, Recht, Medien und öffentliche Haushalte |
| Umgang mit schweren Schäden | Bewertung innerhalb der Matrix und Negativaspekte | Überschreitung sozialer oder planetarer Grenzen | Accountability und öffentliche Zielbindung | Rote Linien, Nichtkompensation und Reverse Merit Order |
| Status | Erprobtes Bilanzierungsverfahren; weitergehende rechtliche Anreize überwiegend Zielmodell | Etablierter Analyse- und Gestaltungsrahmen | Wissenschaftlich und politisch ausgearbeiteter Governance-Ansatz | Ausgearbeitete Systemarchitektur; operative Umsetzung, Prüfung und Pilotierung noch erforderlich |
| Demokratie / Medien / Sprache | Indirekt über Werte und Beteiligung | Indirekt über soziales Fundament | Über Partizipation und Accountability | Eigenes Wirkungsfeld durch SDG+, Medienwirkung, Sprachwirkung und Resonanzräume |
| Verhältnis zum Markt | Markt soll stärker gemeinwohlorientiert werden | Markt innerhalb von Grenzen | Märkte aktiv um gemeinsame Ziele gestalten | Markt bleibt Suchprozess, aber mit Wirkung als Maßstab |
| Kurzformel | Wertebilanz | Zielraum | Gemeinwohl-Kompass | Wirkungsarchitektur |
Das Beispiel
Ein T-Shirt und ein Narrativ
Der Unterschied wird greifbar, wenn man ihn an sehr einfachen Dingen durchspielt: an einem Produkt und an einer öffentlichen Erzählung.
Beispiel 1
T-Shirt
Ein T-Shirt ist nicht nur Ware. Es ist Baumwolle, Wasser, Chemie, Arbeit, Energie, Transport, Nutzung und Entsorgung. Die GWÖ bewertet über die Gemeinwohl-Bilanz, wie das Unternehmen gegenüber Lieferant:innen, Beschäftigten, Kund:innen, gesellschaftlichem Umfeld und Umwelt handelt. Sie kann daraus eine Gemeinwohlbewertung und perspektivisch rechtliche Vorteile ableiten.
Die Wirkungsökonomie zerlegt zusätzlich das konkrete T-Shirt in seine wirkungsrelevanten Produktions- und Lieferkettenstufen: Baumwolle, Wasser, Chemie, Energie, Arbeitsbedingungen, Transport, Nutzung und Lebensende. Diese Daten werden bewertet und in Produktpreis, Steuerklasse, Lieferantenwahl, Kapitalzugang und nächste Unternehmensentscheidung zurückgeführt.
Der Donut kann fragen, ob die Textilwirtschaft Grenzen überschreitet. Mazzucato kann fragen, welche Mission faire Textilwirtschaft braucht.
Beispiel 2
Narrativ
Ein Narrativ ist nicht nur Meinung. Es kann Wirkungspotenzial erzeugen. Es kann Vertrauen stärken oder schwächen, Zugehörigkeit erzeugen oder Feindbilder normalisieren. Die WÖk bewertet nicht Meinungen, sondern Wirkpfade: Reichweite, Verstärkung, Transparenz, Manipulationsrisiko, institutionelles Vertrauen, Diskursfähigkeit und demokratische Stabilität.
Nichtkompensation
Warum die WÖk kein Schönrechnen erlaubt
Viele Bewertungssysteme arbeiten mit Durchschnittswerten. Dann kann ein guter Wert an einer Stelle einen schweren Schaden an anderer Stelle verdecken. Die WÖk nutzt deshalb die Reverse Merit Order: Das kritischste zentrale Wirkungsfeld begrenzt die Gesamtbewertung.
Gute CO₂-Bilanz plus Kinderarbeit bleibt schädlich.
Energieeffizientes Gebäude plus Verdrängung kann nicht einfach als Fortschritt gelten.
Reichweitenstarker Journalismus plus Desinformation ist keine demokratische Wirkung.
Kurzfristiger Nutzen plus langfristige demokratische Destabilisierung darf nicht als Fortschritt gelten.
Bestimmte Schäden sind keine Verrechnungsposten. Sie sind Grenzen.
Fazit
Warum die Wirkungsökonomie weitergeht
Gemeinwohlökonomie, Donut-Ökonomie und Mazzucatos Common Good Economy sind wichtige Vorarbeiten. Sie machen Werte sichtbar, beschreiben Grenzen und verbessern gemeinsame Zielverfolgung.
Die Wirkungsökonomie setzt an der verbleibenden Architekturfrage an: Wie werden tatsächliche Zustandsveränderungen auf Ebene konkreter Aktivitäten erfasst, bewertet, begrenzt und in das System zurückgekoppelt?
Ihr eigenständiger Beitrag liegt in der Verbindung von Wirkungsdaten, Benchmarks, Nichtkompensation, Institutionen, Anreizen und lernender Rückkopplung.
Die GWÖ macht Gemeinwohlorientierung bilanzierbar.
Der Donut beschreibt den sicheren und gerechten Zielraum.
Mazzucato zeigt, wie gemeinsame Ziele gestaltet werden können.
Die Wirkungsökonomie entwickelt die Architektur, mit der Wirkung fortlaufend in Entscheidungen zurückwirkt.
Weiterlesen / Kontext
Quellen und Anschlusslinien
Die Seite ordnet zentrale Vergleichsmodelle ein und verweist auf öffentlich zugängliche Kontextquellen.
- Economy for the Common Good: Common Good Matrix 5.1
- Economy for the Common Good: Audit and Peer Evaluation
- Economy for the Common Good: FAQs zur Gemeinwohl-Bilanz und zu rechtlichen Anreizen
- Gemeinwohl-Matrix 5.0: Arbeitsbuch zur Gemeinwohl-Bilanz
- Mariana Mazzucato / UCL IIPP: The Common Good Economy: A New Compass
- Rockefeller Foundation: A New Compass – Mariana Mazzucato on the Common Good Economy
- UN Sustainable Development Goals / Agenda 2030
- European Commission: Corporate Sustainability Reporting / CSRD / ESRS
- European Commission: Ecodesign for Sustainable Products Regulation / Digital Product Passport
- Doughnut Economics Action Lab: Doughnut Economics
FAQ
Häufige Abgrenzungsfragen
Ist die Wirkungsökonomie die Gemeinwohlökonomie?
Nein. Beide Ansätze wollen wirtschaftlichen Erfolg nicht allein am Gewinn messen.
Die Gemeinwohlökonomie bewertet mit ihrer Matrix und Bilanz vor allem Organisationen und ihre Beziehungen zu Berührungsgruppen. Sie strebt an, geprüfte Gemeinwohlleistungen mit Produktkennzeichnung und rechtlichen Vorteilen oder Nachteilen zu verbinden.
Die Wirkungsökonomie betrachtet zusätzlich konkrete Aktivitäten, Produkte, Lieferketten, Kapitalflüsse, Preise, Gesetze, öffentliche Haushalte, Medien und Demokratie. Ihr Schwerpunkt liegt auf einer standardisierten Wirkungsdatenarchitektur, Nichtkompensation und der direkten Rückkopplung in Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung und Entscheidungen.
Kurz:
Die GWÖ bilanziert Gemeinwohlorientierung.
Die WÖk operationalisiert systemische Wirkungsrückkopplung.
Hat die Gemeinwohlökonomie keine Anreizlogik?
Doch. Die GWÖ sieht ausdrücklich vor, geprüfte Gemeinwohlleistungen perspektivisch mit Produktkennzeichnung und rechtlichen Anreizen zu verbinden, etwa bei Steuern, Zöllen, Krediten oder öffentlicher Beschaffung.
Der Unterschied liegt nicht im grundsätzlichen Willen zur Lenkung, sondern in der Methodik und Reichweite: Die Wirkungsökonomie baut eine aktivitäts- und produktbezogene Daten-, Bewertungs- und Rückkopplungsarchitektur über viele gesellschaftliche Wirkungsräume hinweg.
Ist die Wirkungsökonomie Donut-Ökonomie?
Nein. Die Donut-Ökonomie beschreibt den sicheren und gerechten Raum. Die Wirkungsökonomie fragt, wie ein System durch Daten, Bewertung, Anreize und Rückkopplung tatsächlich in diesen Raum gelenkt werden kann.
Was unterscheidet die WÖk von Mazzucatos Common Good Economy?
Mazzucato fragt, wie gemeinsame Ziele durch Purpose, Co-Creation, kollektives Lernen, geteilte Erträge und Accountability besser verfolgt werden können. Die WÖk nimmt diesen Impuls ernst und ergänzt ihn um den Prozess vom Auslöser bis zur Zustandsveränderung sowie um die Rückkopplung der Bewertung in Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung, Einkommen, öffentliche Haushalte, Medienverantwortung und Entscheidungen.
Warum braucht die WÖk SDG+?
Weil die SDGs zentrale Nachhaltigkeitsziele abbilden, aber die digitale Demokratiekrise zusätzliche Wirkungsfelder verlangt: Medienqualität, Rechtsstaatlichkeit, Diskursfähigkeit, institutionelles Vertrauen, digitale Selbstbestimmung, Plattformmacht und gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Bewertet die WÖk Menschen?
Nein. Die WÖk bewertet nicht Menschen als Personen. Sie bewertet Wirkungen von Handlungen, Produkten, Tätigkeiten, Kapitalflüssen, Institutionen, Medienlogiken und Entscheidungen. Personenwürde bleibt unantastbar.
Ist das Planwirtschaft?
Nein. Märkte, Unternehmen, Kapital, Preise, Eigentum und Wettbewerb bleiben erhalten. Die WÖk verändert den Maßstab: Nicht Kapital entscheidet allein, sondern die Wirkung auf Mensch, Planet und Demokratie.
Warum ist Wirkung nicht einfach Nachhaltigkeit?
Weil Wirkung neutral ist. Sie kann positiv, negativ oder neutral sein. Erst der Referenzrahmen aus SDGs, Agenda 2030 und SDG+ entscheidet, ob eine Wirkung als positiv oder negativ bewertet wird.