WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 4 von 21
1. Executive Summary#
Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind kein isoliertes Nachhaltigkeitslabel, sondern das Ergebnis einer langen Geschichte internationaler Verständigung über Entwicklung, Umwelt, soziale Stabilität und globale Kooperation. Ihre Entstehung reicht von der Stockholmer Umweltkonferenz 1972 über den Brundtland-Bericht 1987, den Rio-Erdgipfel 1992, die Millennium Development Goals 2000-2015 und den Rio+20-Prozess 2012 bis zur Agenda 2030, die 2015 von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen angenommen wurde. Für die Wirkungsökonomie ist diese Geschichte zentral, weil sie zeigt: Die SDGs sind nicht das Parteiprogramm einer bestimmten politischen Richtung. Sie sind ein verhandelter globaler Zielrahmen, der unter sehr unterschiedlichen Staaten, Wirtschaftsordnungen, Kulturen und Regierungsformen konsensfähig wurde. Das macht sie nicht wertfrei, aber anschlussfähig. Sie formulieren Mindestbedingungen für eine stabile, menschenwürdige und zukunftsfähige Ordnung.
Die Wirkungsökonomie nutzt die SDGs deshalb als öffentlichen Referenzrahmen. Sie übernimmt sie nicht als fertiges Steuerungssystem, sondern übersetzt sie in eine Rückkopplungsarchitektur: Wirkung soll nicht nur berichtet werden, sondern in Preise, Steuern, Kapitalzugang, öffentliche Beschaffung, Haushalte, Produktinformationen, Scorecards, WÖk-IDs, T-SROI, Wirkungsfonds und politische Korrekturverfahren zurückwirken. Dieses Detailkonzept liefert die historische und politische Begründung dafür, warum die SDGs auf wirkungsoekonomie.de nicht nur als bunte Kacheln erscheinen dürfen. Sie müssen als Entstehungsgeschichte, als globaler Konsens, als Risikologik, als politischer Zielrahmen und als wirkungsökonomischer Referenzpunkt erklärt werden.
2. Warum die Geschichte der SDGs für die Wirkungsökonomie wichtig ist Ohne historische Einordnung erscheinen die SDGs schnell wie ein beliebiger Zielkatalog. Genau das ist gefährlich, weil dann zwei falsche Deutungen entstehen: Entweder werden sie als dekorative Nachhaltigkeitssymbole behandelt, oder sie werden als ideologisches Steuerungsprogramm missverstanden. Beides verfehlt ihre tatsächliche Funktion.
Die Geschichte zeigt, dass die SDGs aus einer realen Entwicklung globaler Problemlagen entstanden sind.
Umweltzerstörung, Armut, Ressourcenknappheit, Gesundheit, Bildung, Gleichstellung, Stadtentwicklung, Institutionen, Frieden und Partnerschaften wurden nicht abstrakt erfunden. Sie wurden über Jahrzehnte als wiederkehrende Stabilitätsbedingungen sichtbar.
Wirkungsökonomisch sind die SDGs deshalb kein Marketingrahmen. Sie sind ein historisch gewachsener Referenzrahmen, der reale Zustände benennt. Was im Marktpreis, in klassischer Steuerlogik oder in Bilanzen häufig unsichtbar bleibt, wird durch die SDGs als Ziel- und Risikofeld benennbar.
Die SDGs sind nicht die Wirkungsökonomie. Sie sind ihr globaler Anschlussstecker.
3. Vorläufer I: Stockholm 1972 und der Beginn globaler Umweltpolitik Die Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt in Stockholm 1972 war die erste Weltkonferenz, die Umwelt als globales politisches Thema in den Mittelpunkt rückte. Sie markierte den Beginn einer internationalen Umweltpolitik, in der ökologische Fragen nicht mehr nur national oder lokal behandelt wurden.