WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 18 von 29
16. Praxisfälle: Textil, Batterie und Bauprodukt#
Ein wirksames Detailkonzept muss zeigen, wie die Logik in realen Beschaffungsfeldern funktioniert. Drei typische Fälle sind Textil, Batterie und Bauprodukt. Sie unterscheiden sich stark, zeigen aber dieselbe Grundmechanik: Wirkung ist nicht an einer Stelle der Kette lokalisiert, sondern verteilt sich über Rohstoffe, Arbeit, Energie, Chemie, Transport, Nutzung und Ende.
Im Textilbereich liegen die Risiken häufig bei Baumwolle, Chemikalien, Färberei, Arbeitsrechten, Wasser und Überproduktion. Eine wirkungsorientierte Beschaffung würde nicht nur Zertifikate sammeln, sondern Lieferanten nach Wasserstress, Abwasserqualität, Living-Wage-Abdeckung, Chemikalienmanagement, Rückverfolgbarkeit und Kreislauffähigkeit gewichten. Bei Batterien stehen kritische Rohstoffe, Energieintensität, Recycling, Lieferkettenabhängigkeit, Arbeitssicherheit und geopolitische Risiken im Vordergrund. Der Einkauf darf hier nicht nur den Zellpreis betrachten, sondern muss die gesamte Material- und Datenkette prüfen: Herkunft, Auditierbarkeit, Recyclingpfad, Energiequelle, Lieferstabilität und Substitutionsfähigkeit. Bei Bauprodukten verschieben sich die Kriterien: graue Emissionen, Schadstoffe, Rückbau, Langlebigkeit, Brandschutz, Innenraumgesundheit, Kreislauffähigkeit und regionale Lieferfähigkeit. Ein billiges Bauprodukt kann später hohe Gesundheits-, Klima- oder Entsorgungskosten auslösen. Wirkungsorientierter Einkauf macht diese Kosten früh sichtbar. Produktfeld Hauptwirkungen Beschaffungshebel Textil Wasser, Arbeit, Chemie, Abfall, Fast Fashion Living Wage, Abwasser, Faserwahl, Rücknahme, Mengenplanung Batterie kritische Rohstoffe, Energie, Recycling, geopolitische Risiken Rohstoffnachweis, Recyclingquote, Lieferantendiversifikation, DPP Bauprodukt graue Emissionen, Schadstoffe, Lebensdauer, Rückbau EPD, Schadstoffgrenzen, Lebenszykluskosten, zirkuläre Ausschreibung