WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 6 von 29
4. Lebenszyklusmodell der Produktwirkung#
Produktwirkung entsteht nicht an einer einzigen Stelle. Ein Produkt kann in der Herstellung sauber, aber in der Nutzung problematisch sein. Es kann in der Nutzung emissionsarm, aber bei Rohstoffen sozial oder ökologisch schädlich sein. Darum braucht Produktentwicklung ein Lebenszyklusmodell.
Phase Wirkungsfragen Problemdefinition Welches reale Bedürfnis löst das Produkt - oder erzeugt es nur Nachfrage?
Welche Materialien, Reparaturfähigkeit, Modularität und Lebensdauer werden angelegt? Rohstoffe Welche Klima-, Wasser-, Biodiversitäts-, Arbeits- und geopolitischen Risiken entstehen? Produktion Welche Energie, Prozesse, Chemikalien, Arbeitssicherheit und Abfälle entstehen? Logistik Welche Transportemissionen, Verpackungen und Lieferkettenabhängigkeiten bestehen?
Welche Gesundheits-, Energie-, Sicherheits- oder Verhaltenswirkungen entstehen? Ende Kann das Produkt repariert, wiederverwendet, recycelt oder schadlos entsorgt werden? Rückkopplung Welche Daten fließen in Verbesserung, Scorecard und DPP zurück? 5. Datenarchitektur: Von CSRD und ESRS zur Produktscorecard Eine zentrale Herausforderung liegt darin, Unternehmensdaten auf Produkt-, Produktgruppen- oder Anlagenebene herunterzubrechen. CSRD/ESRS liefern viele relevante Daten, aber häufig aggregiert. Für Produktscorecards müssen diese Daten mit NACE, Materialstammdaten, Stücklisten, EPDs, Lieferantendaten und Prozessdaten verbunden werden. Das BASF-Polyamid-Beispiel zeigt die Logik: Konzernweite Nachhaltigkeitsdaten reichen nicht aus, weil die Wirkung einzelner Produktgruppen im Durchschnitt verschwindet. Erst durch NACE-Zuordnung, Anlagen- und Produktgruppendaten, EPDs und Benchmarks entsteht eine produktspezifische Scorecard.
Datenebene Beispiele Nutzen für Produktscorecard
CSRD/ESRS, GRI, Taxonomie, Governance Grunddaten und Berichtskontext Standort/Anlage Energie, Emissionen, Wasser, Abfall, Unfälle Zuordnung zu Produktionsprozessen Produktgruppe Outputmenge, Materialmix, EPD, NACE Benchmarkfähige Produktbewertung Lieferant Rohstoffe, Arbeitsrechte, Datenqualität Supply-Chain-Wirkung
Energiebedarf, Sicherheit, Lebensdauer, Reparatur Kunden- und Umweltwirkung
Rücknahme, Recycling, Entsorgung, Schadstoffe Kreislauf- und Ressourcenwirkung 6. Scorecard-Logik und Reverse Merit Order Produktscorecards müssen verständlich und prüfbar zugleich sein. Die WÖk empfiehlt eine Kernstruktur, die zentrale nichtkompensierbare Felder abbildet: Klima, Ressourcen und Kreislauf, Arbeit und Fairness, Gesundheit und Sicherheit, sowie je nach Produktgruppe Biodiversität, Wasser, Demokratie-/Daten- und Governance-Aspekte.
Die Reverse Merit Order verhindert, dass ein Produkt mit einem schweren Defizit als insgesamt positiv erscheint. Ein Gerät mit hoher Energieeffizienz, aber nicht reparierbarer Batterie und problematischen Rohstoffen bleibt begrenzt. Ein Textil mit Recyclinganteil, aber Zwangsarbeitsrisiko bleibt schädlich. Ein Bauprodukt mit niedrigen Kosten, aber toxischen Inhaltsstoffen bleibt riskant. Wirkungsfeld Mögliche Indikatoren Rote Linien Klima Produktlebenszyklus-CO2, Energieintensität, erneuerbarer Anteil massive THG-Intensität ohne Transformationspfad Ressourcen/Kreislauf Materialintensität, Rezyklat, Einweglogik bei hoher Ressourcenintensität