Arbeitspapier folgencheck wirkun… · Onlinefassung · Abschnitt 12 von 18
11. Forschungs- und Umsetzungsprogramm#
Das Arbeitspapier ist als theoretisch-methodischer Entwurf angelegt. Der nächste Schritt wäre ein Forschungsdesign, das die plausiblen Wirkungspotenziale empirisch prüft. Dafür bieten sich mehrere Ebenen an:
Korpuslinguistik, experimentelle Wirkungsforschung, qualitative Resonanzanalyse, Medienmonitoring und Praxisentwicklung für Redaktionen, politische Bildung und demokratische Institutionen.
11.1 Korpuslinguistische Vertiefung#
Zunächst sollte ein Korpus aus Programmen, Reden, Social-Media-Posts, Pressemitteilungen und Medienberichten aufgebaut werden. Untersucht werden können Häufigkeiten, Kollokationen, Kontextverschiebungen und zeitliche Veränderungen. Wichtig wäre nicht nur die AfD, sondern auch die Gegenkommunikation anderer Akteure. Denn eine demokratische Analyse muss prüfen, ob spaltende Frames durch Gegner unbeabsichtigt reproduziert werden.
Leitfragen: Welche Begriffe treten gemeinsam auf? Welche Gruppen werden mit welchen Verben verbunden?
Wie oft stehen Institutionen im Umfeld von Betrugs-, Zensur- oder Diktaturwörtern? Wie verändert sich die Sprache vor und nach Ereignissen? Welche Begriffe wandern aus Randkommunikation in Leitmedien?
11.2 Experimentelle Wirkungsprüfung#
In Experimenten könnten verschiedene Rahmungen desselben Problems verglichen werden. Zum Beispiel:
Migration als Verwaltungsproblem, Sicherheitsproblem, Arbeitsmarktfrage, menschliche Biografie oder Bedrohungsmasse. Gemessen werden könnten Angst, Empathie, Vertrauen, Zustimmung zu rechtsstaatlichen Verfahren, Akzeptanz harter Maßnahmen und Offenheit für komplexe Lösungen. Wichtig wäre eine ethische Gestaltung, die keine gefährlichen Frames unnötig verstärkt.
11.3 Qualitative Resonanzräume#
Fokusgruppen und Tiefeninterviews könnten zeigen, warum bestimmte Formulierungen anschlussfähig sind. Hier geht es nicht darum, Menschen zu belehren, sondern zu verstehen, welche Erfahrungen angesprochen werden:
Ohnmacht, soziale Unsicherheit, ländliche Abwertung, Bürokratie, Zukunftsangst, kulturelle Entfremdung, Vertrauensverlust. Ohne dieses Verstehen bleibt Gegenkommunikation oft abstrakt und moralisch.
11.4 Medienmonitoring und redaktionelle Standards#
Für Medien ließe sich ein Wirkungsmonitor entwickeln. Er prüft, welche Begriffe in Überschriften übernommen werden, welche Bilder Angst verstärken, welche Korrekturen Frames wiederholen, welche Beiträge Lösungsräume öffnen und welche Debatten nur Empörung verlängern. Ein solcher Monitor wäre kein Zensurinstrument, sondern ein Qualitätsinstrument für demokratische Öffentlichkeit.