Wirkungseinkommensteuergesetz we… · Onlinefassung · Abschnitt 3 von 4
Kapitel 3 – Methodik & Systematik#
3.1 WÖk-IDs für Berufsgruppen 3.1.1 Ziel und Funktion der WÖk-IDs Das Wirkungseinkommensteuer-Gesetz (WEstG) erfordert eine präzise, standardisierte Identifikation jeder beruflichen Tätigkeit, um deren Wirkung systematisch zu bewerten. Hierzu wurde die Wirkungsökonomie-ID (WÖk-ID) entwickelt – ein eindeutiger digitaler Schlüssel, der Tätigkeiten, Berufe und Branchen mit ihren ökologischen, sozialen und demokratischen Wirkungen verknüpft.
Die WÖk-ID bildet das Bindeglied zwischen Datensystemen, Steuersoftware, Scorecards und Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Sie macht Wirkung maschinenlesbar – und Steuerlogik überprüfbar.
Die WÖk-ID ist für das WEstG, was die IBAN für den Zahlungsverkehr ist:
eine eindeutige, interoperable Kennung mit globaler Anschlussfähigkeit.
3.1.2 Aufbau der WÖk-ID Jede WÖk-ID ist nach einem standardisierten Schema aufgebaut, das vier Informationsebenen kombiniert: Segment Bedeutung Beispiel 1. Buchstabe (Wirkungsfeld) Primäre Systemdimension E = Environment / S = Social / G = Governance / M = Mixed 2. SDG-Code Bezug zu den UN- Nachhaltigkeitszielen SDG13 (Klimaschutz), SDG4 (Bildung), SDG16 (Demokratie) 3. NACE-/ESCO-Code Wirtschaftszweig oder Berufsfeld 35.11 (Energieerzeugung), 85.31 (Bildung), 64.92 (Finanzdienstl.) 4. Seriennummer / Spezifikator Untergruppe oder Tätigkeit 001–999
Beispielhafte WÖk-IDs: WÖk-ID Beschreibung Beruf / Tätigkeit E-SDG13-35.11-004 Dekarbonisierung durch Windkraft Ingenieur:in für Windenergie S-SDG3-86.10-027 Gesundheitsförderung & Pflege Pflegekraft / Krankenpfleger:in G-SDG16-58.14-012 Förderung demokratischer Diskurse Journalist:in M-SDG12-47.91-006 Handel mit nachhaltigen Konsumgütern Einzelhändler:in für Bio-Produkte Jede WÖk-ID ist damit ein semantischer Container, der sowohl ökonomische als auch wirkungsorientierte Information trägt.
3.1.3 Zuordnung der WÖk-IDs im Steuerprozess Die WÖk-ID wird automatisch zugeordnet: 1. Selbständig Tätige / Freiberufler:innen geben bei der Steuererklärung die Haupttätigkeit an.
→ KI-gestützte Klassifizierung über Berufsbeschreibung + NACE- Mapping. 2. Angestellte / Arbeitnehmer:innen die WÖk-ID wird über den Arbeitgeber (WKStG-Profil) automatisch hinterlegt. 3. Mehrfach-Tätigkeiten werden anteilig gewichtet (z. B. 70 % Hauptberuf, 30 % Nebentätigkeit).
Die Zuordnung erfolgt über die zentrale Wirkungsdatenbank (§ 7 WEstG), die regelmäßig aktualisiert und mit europäischen Datenpools (Eurostat, EURES, ESCO) synchronisiert wird. 3.1.4 Beziehung zur Unternehmenswirkung Die WÖk-ID verknüpft die individuelle Tätigkeit mit der Wirkung des Unternehmens (§ 6 WEstG). Das bedeutet:
Der persönliche Wirkungs-Score basiert auf der individuellen Tätigkeit (Mikroebene).
Dieser Score wird anteilig durch den organisationalen Kontext modifiziert (Makroebene). Beispiel:
Eine Ingenieurin (WÖk-ID E-SDG13-35.11-004) arbeitet in einem Unternehmen mit Unternehmens-Score +2.
Ihr individueller Score +3 wird zu +2,6 kalibriert (durchschnittlicher Wirkungsfaktor 0,87). Damit wird sichergestellt, dass individuelles Handeln nicht losgelöst vom Systemkontext bewertet wird. 3.1.5 Technische Implementierung Die WÖk-ID ist eine offene, interoperable Metadatenstruktur.
Sie ist kompatibel mit:
GRI- und ESRS-Taxonomien (Nachhaltigkeitsberichte),
XBRL-Taxonomie (digitale Finanzberichte),
OECD-Berufsklassifikationen (ISCO / ESCO),
EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten.
Sie kann somit direkt in Buchhaltungssysteme, Personalsoftware und ESG- Reporting integriert werden. Dadurch entfällt doppelte Datenerfassung – Steuer, Nachhaltigkeit und Controlling basieren auf denselben Indikatoren.
3.1.6 Beispielhafte Zuordnungstabellen Beruf / Tätigkeit SDG-Bezug NACE- Code Wirkungsfeld Score- Range Steuerklasse Ärztin / Arzt SDG3 86.21 S +2 – +3 1–2 Pflegekraft SDG3, 5, 10 86.10 S +3
Lehrer:in SDG4, 10,
85.31 G/S +2 – +3 1–2 Solaringenieur:in SDG7, 13 35.11 E +2 – +3 1–2 Chemieingenieur (fossil) SDG9, 13 20.14 E –2 – –3 6–7 PR-Berater fossiler Industrie SDG16 70.21 G –3
Diese Tabellen werden regelmäßig vom Wirkungsrat aktualisiert und veröffentlicht (Anhang I WEstG). 3.1.7 Datenschutz und Transparenz Alle WÖk-IDs sind personenneutral. Sie erfassen keine individuellen Daten, sondern nur berufliche Rollen.
Persönliche Einkommen bleiben anonymisiert; nur Score-Klassen werden übermittelt. So bleibt die Steuer digital überprüfbar, aber datenschutzkonform.
3.1.8 Fazit Die WÖk-ID ist das technische Rückgrat des WEstG.
Sie übersetzt komplexe Wirkungsdaten in eine universelle Syntax, die steuerlich, ökonomisch und politisch anschlussfähig ist.
Wo die alte Steuer nach Einkommen fragt, fragt das WEstG nach Wirkung – und die WÖk-ID kennt die Antwort.
3.2 Scorecard-Struktur 3.2.1 Zweck und Funktion der Scorecards Scorecards sind das zentrale Bewertungsinstrument der Wirkungsökonomie.
Sie übersetzen qualitative Wirkung in quantitative, steuerlich relevante Kennzahlen. Im WEstG erfassen sie die Wirkung einer beruflichen Tätigkeit über alle relevanten Dimensionen hinweg – ökologisch, sozial, demokratisch und systemisch. Eine Scorecard ist die Landkarte der Wirkung – sie zeigt, wo Verantwortung entsteht und wo sie endet.
Jede berufliche Tätigkeit (identifiziert über WÖk-ID) besitzt eine eigene Scorecard, die ihre Wirkung in vier standardisierten Wirkungsfeldern bewertet:
Klima & Planet (E), Ressourcen & Kreislauf (R), Arbeit & Fairness (S), Gesellschaft & Demokratie (G). 3.2.2 Aufbau der Scorecards Die Scorecards sind modular aufgebaut und bestehen aus fünf Ebenen:
Ebene Inhalt Beschreibung 1. Metaebene Identifikationsdaten WÖk-ID, SDG-Referenzen, Beruf, Branche, Version 2. Wirkungsfelder 4 Hauptdimensionen (E, R, S, G) Standardisierte Indikatorgruppen nach WÖk-System 3. Indikatorenebene bis zu 20 Einzelindikatoren je Feld messbare Größen aus CSRD, ESRS, GRI, OECD, UBA etc. 4. Bewertungsmatrix Score von –3 bis +3 Skala mit qualitativen und quantitativen Schwellenwerten 5. Gewichtungsebene 40-40-20-Regel Gesamtwertbildung unter Reverse-Merit- Order Die Scorecards werden jährlich vom Wirkungsrat (§ 9 WEstG) überprüft und auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.
3.2.3 Bewertungslogik Jede Scorecard beruht auf der Wirkungskette:
Input → Output → Outcome → Impact Stufe Bedeutung Beispiel Input Ressourcen, Zeit, Energie, Kapital Arbeitszeit, Materialverbrauch Output Unmittelbares Ergebnis Anzahl Projekte, produzierte Güter Outcome Direkte Wirkung auf Stakeholder Bildungsniveau, Gesundheit, CO₂-Einsparung Impact Langfristige Systemwirkung gesellschaftliche Stabilität, ökologische Regeneration Die Bewertung konzentriert sich auf Outcome + Impact, nicht auf Input oder Output. Damit wird die Wirkung qualitativ, nicht quantitativ belohnt.
3.2.4 Bewertungsraster (–3 bis +3) Jedes Wirkungsfeld wird auf einer standardisierten Skala bewertet:
Score Kategorie Bedeutung +3 Transformativ Tätigkeit erzeugt systemischen Fortschritt +2 Positiv Tätigkeit wirkt konstruktiv und stabilisierend +1 Gering positiv Tätigkeit hat leichte positive Tendenz
Neutral keine nennenswerte Systemwirkung –1 Schwach negativ Tätigkeit wirkt begrenzt destruktiv –2 Schädlich Tätigkeit verursacht deutliche negative Wirkung –3 Hoch schädlich Tätigkeit zerstört systemische Strukturen Das Ergebnis wird für jedes Feld einzeln berechnet.
Der niedrigste Score (Reverse-Merit-Order) definiert den FinalScore (§ 5 Abs. 2 WEstG).
3.2.5 Indikatorenstruktur nach Wirkungsfeld Jedes Wirkungsfeld enthält eine definierte Indikatorgruppe.
(1) Klima & Planet (E)
CO₂-Emissionen pro Tätigkeitsstunde oder Wertschöpfungseinheit
Anteil erneuerbarer Energien im Tätigkeitskontext
Biodiversitätswirkung (z. B. Flächenverbrauch, Renaturierung)
Innovationsgrad in Richtung Dekarbonisierung (2) Ressourcen & Kreislauf (R)
Material- und Energieeffizienz
Wiederverwendungsrate / Recyclingquote
Abfallintensität
Anteil zirkulärer Prozesse / Kreislaufwirtschaftsanteil (3) Arbeit & Fairness (S)
Lohnfairness (Gender Pay Gap, Living Wage)
Arbeitsbedingungen, Sicherheit, Work-Life-Balance
Diversität, Inklusion, Gleichstellung
Arbeitnehmerrechte, Mitbestimmung, Tarifbindung (4) Gesellschaft & Demokratie (G)
Beitrag zu Bildung, Aufklärung, Medienethik
Förderung von Vertrauen und Transparenz
Abwesenheit von Desinformation / Polarisierung
Engagement für demokratische Stabilität und Menschenrechte Jeder Indikator ist über eine normative Referenz mit SDG-, GRI- und ESRS- Kennzahlen verknüpft, sodass internationale Vergleichbarkeit gewährleistet ist.
3.2.6 Gewichtung der Felder Die Gewichtung erfolgt nach dem Balanceprinzip Mensch–Planet– Demokratie:
40 % Planet (E + R)
40 % Mensch (S)
20 % Demokratie (G) Damit erhält das System eine ethische Priorisierung, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit gleichwertig behandelt, Demokratie aber als Grundvoraussetzung schützt. Die Gewichtung dient der Aggregation, nicht der Kompensation.
Ein Feld mit Score –3 kann durch andere Felder nicht ausgeglichen werden (Reverse-Merit-Order). 3.2.7 Validierung und Auditierbarkeit Scorecards werden durch drei Ebenen abgesichert:
1. Selbstdeklaration (Deklarant:in) Datenbasis aus Arbeitgebern, Tätigkeitsbeschreibung, Nachhaltigkeitsberichten. 2. Automatisierte Plausibilitätsprüfung KI-basierte Querprüfung mit Branchenbenchmarks, Emissionsdatenbanken, SDG-Indikatoren. 3. Audit durch Wirkungsrat (§ 9 WEstG) Externe Prüfung, Standardisierung, wissenschaftliche Begleitung.
So wird Manipulation verhindert, ohne dass individuelle Erklärungen nötig sind.
3.2.8 Scorecard-Beispiel (Kurzform) Beruf: Lehrer:in an öffentlicher Schule WÖk-ID: G-SDG4-85.31-010 Wirkungsfeld Indikatorbeispiele Bewertung Score Klima & Planet Energieverbrauch Schule neutral
Ressourcen & Kreislauf Materialverbrauch, digitale Mediennutzung leicht positiv +1 Arbeit & Fairness Chancengleichheit, Inklusion sehr positiv +3 Gesellschaft & Demokratie Bildung, Aufklärung, Diskursfähigkeit transformativ +3 FinalScore
+1 (Klima limitiert → Klasse 3 / 10 %) Dieses Beispiel zeigt, wie die Scorecard Wirkung sichtbar und steuerlich relevant macht – ohne moralisches Urteil, sondern durch systemische Logik.
3.2.9 Dynamik und Lernfähigkeit Scorecards sind keine statischen Tabellen, sondern lernende Modelle.
Sie aktualisieren sich jährlich:
Neue Technologien verändern Indikatoren (z. B. CO₂-Speicherung, KI- Ethik).
Gesellschaftliche Prioritäten (z. B. Pflegekrise, Demokratieschutz) können Gewichtungen verschieben.
Datenfeeds aus CSRD-Berichten und nationalen Nachhaltigkeitsindizes aktualisieren automatisch die Branchenwerte.
So bleibt das System adaptiv – die Steuer „lernt“ mit der Gesellschaft.
3.2.10 Fazit: Scorecards als Messinstrument der Gerechtigkeit Scorecards machen die unsichtbare Qualität von Arbeit sichtbar.
Sie schaffen die objektive Basis dafür, dass Wirkung, Verantwortung und Einkommen systemisch miteinander verknüpft werden.
In der alten Welt wurde Arbeit bezahlt. In der neuen Welt wird Wirkung honoriert.
Damit bildet die Scorecard-Struktur den methodischen Kern eines gerechten, datenbasierten und lernfähigen Steuersystems.
3.3 Bewertungslogik und Gewichtung 3.3.1 Ziel der Bewertungslogik Die Bewertungslogik des WEstG dient der Übersetzung von qualitativer Wirkung in quantitative Steuerwerte. Sie stellt sicher, dass jede Tätigkeit objektiv, konsistent und nachvollziehbar bewertet wird – unabhängig von Branche, Unternehmensgröße oder Berufsniveau. Das Ziel: Wirkung messen wie Gewinn – aber mit ethischer Präzision.
Damit wird ein System geschaffen, das wissenschaftlich kalibrierbar und rechtlich anwendbar ist. 3.3.2 Grundprinzip: Vier Felder, ein Score Jede Tätigkeit (definiert über WÖk-ID) wird in vier Wirkungsfeldern bewertet:
1. E – Klima & Planet 2. R – Ressourcen & Kreislauf 3. S – Arbeit & Fairness 4. G – Gesellschaft & Demokratie Für jedes Feld wird ein Score 𝑆!zwischen –3 (hoch schädlich) und +3 (transformativ) vergeben. Die Felder E und R werden zu einem Umweltblock (Planet) aggregiert.
3.3.3 Gewichtung der Wirkungsfelder Die Gewichtung orientiert sich an der Systembalance von Mensch, Planet und Demokratie: 𝑤" = 0.2, 𝑤# = 0.2, 𝑤$ = 0.4, 𝑤% = 0.2
Gesamtgewichtung = 1.0 Damit fließt der Mensch (soziale Wirkung) am stärksten ein, Planet und Demokratie gleichgewichtet darunter. 3.3.4 Berechnung des Rohwertes Der Rohwert einer Tätigkeit ergibt sich zunächst aus der gewichteten Summe der Scores: 𝑅= (𝑆" × 𝑤") + (𝑆# × 𝑤#) + (𝑆$ × 𝑤$) + (𝑆% × 𝑤%)
Dieser Wert liegt theoretisch zwischen –3 und +3.
Er zeigt die arithmetische Durchschnittswirkung – wird aber durch die Reverse- Merit-Order (RMO) korrigiert, bevor er in eine Steuerklasse übergeht.
3.3.5 Anwendung der Reverse-Merit-Order Die Reverse-Merit-Order (RMO) gilt als moralische Korrekturregel:
Das schwächste Wirkungsfeld limitiert die Gesamtbewertung.
Formell: 𝐹= min (𝑆", 𝑆#, 𝑆$, 𝑆%)
Das bedeutet, dass der FinalScore nie höher sein kann als der niedrigste Teilwert.
Beispiel: Feld Score Gewichtung Beitrag Klima & Planet +2
+0.4
Ressourcen & Kreislauf +2
+0.4
Arbeit & Fairness +3 0.4 +1.2
Gesellschaft & Demokratie –1
–0.2
Rohwert R = +1.8, FinalScore F = –1 (RMO)
✅ Dadurch wird sichergestellt, dass systemische Schäden in einem Feld nicht durch andere kompensiert werden können. 3.3.6 Transformation in FinalScore Der FinalScore (F) wird anschließend validiert und normiert:
𝐹&'() = 𝐹
Damit wird der Score auf einen Bereich zwischen –1 und +1 skaliert.
Diese Normierung erleichtert die Übertragung in mathematische Steuerfunktionen und Simulationen. 3.3.7 Zuordnung zu Steuerklassen (§ 5 WEstG) Der FinalScore wird anschließend einer Steuerklasse zugeordnet.
Die Steuerprogression ist nicht linear, sondern folgt einer Sigmoidfunktion, um weiche Übergänge zu schaffen: 𝑆𝑡𝑒𝑢𝑒𝑟𝑠𝑎𝑡𝑧= 25% −20% × tanh (𝐹&'() × 𝑘)
mit 𝑘≈1.5als Kalibrierfaktor für die Kurvensteilheit.
Beispielhafte Ergebnisse: FinalScore Steuerklasse Richtwert Steuerlast +3 Klasse 1 0 % +2 Klasse 2 5 % +1 Klasse 3 10 %
Klasse 4 20 % –1 Klasse 5 30 % –2 Klasse 6 40 % –3 Klasse 7 50 % Die Funktion ist gleitend – niemand fällt abrupt in eine andere Klasse, sondern bewegt sich stufenlos entlang der Wirkungsskala.
3.3.8 Plausibilitäts- und Stabilitätsprüfung Zur Sicherung von Fairness und Stabilität werden drei Kontrollmechanismen angewendet: 1. Branchenmittelwert-Kontrolle: Der individuelle Score darf max. ±2 Punkte vom Branchenschnitt abweichen. → verhindert unrealistische Selbsteinschätzungen.
2. Jährliche Normalisierung: Um makroökonomische Veränderungen auszugleichen, wird der Gesamtdurchschnitt aller Scores jährlich auf 0 zentriert.
→ garantiert Steuerneutralität im System.
3. Audit-Sampling durch Wirkungsrat: Zufällige Stichproben aus allen Sektoren prüfen Datenqualität, Berichtslogik und Missbrauchsrisiken (§ 9 WEstG).
3.3.9 Dynamische Gewichtung über Zeit Da Wirkung kontextabhängig ist, werden Gewichtungen dynamisch angepasst:
Bei globalen Krisen (z. B. Klimanotstand) kann das Feld Planet temporär höher gewichtet werden (z. B. 50 %).
Bei Demokratiedefiziten kann das Feld G stärker einfließen (z. B. 30 %).
Diese Anpassung erfolgt durch Beschluss des Wirkungsrats im Rahmen der jährlichen Systemischen Lagebewertung (§ 9 Abs. 3 WEstG).
So bleibt die Steuer systemintelligent und lernfähig.
3.3.10 Beispielhafte Berechnung Beispiel: Softwareentwicklerin in nachhaltigem Bildungsprojekt Feld Score Gewicht Beitrag Klima & Planet +1
+0.2 Ressourcen & Kreislauf +2
+0.4 Arbeit & Fairness +3 0.4 +1.2 Gesellschaft & Demokratie +3
+0.6 Rohwert (R)
+2.4 FinalScore (F) min(+1, +2, +3, +3) = +1 Steuerklasse 3 → 10 % Obwohl die Tätigkeit sehr positiv wirkt, limitiert das schwächste Feld (+1 bei Klima) die Gesamtbewertung – moralisch und systemisch korrekt.
3.3.11 Fazit: Präzision ohne Bürokratie Die Bewertungslogik des WEstG löst das alte Problem von Subjektivität und Ineffizienz. Sie basiert auf transparenten Daten, klaren mathematischen Regeln und moralisch konsistenter Gewichtung. Mathematik wird Ethik. Wirkung wird messbar. Gerechtigkeit wird berechenbar.
Damit ist das Fundament geschaffen, auf dem das gesamte Steuer- und Transformationssystem der Wirkungsökonomie aufbaut.
3.4 FinalScore-Berechnung 3.4.1 Ziel der FinalScore-Berechnung Der FinalScore (F) ist das zentrale Ergebnis der Wirkungsbewertung.
Er dient als numerischer Steuerungswert, der aus der Wirkung einer Tätigkeit die Steuerklasse im WEstG bestimmt. Er vereint ökologische, soziale und demokratische Wirkungen zu einem einzigen, systemisch validen Maßstab. Der FinalScore ist das neue Maß für Leistung – er zeigt, wie viel Zukunft eine Tätigkeit erzeugt.
3.4.2 Die Schritte der Berechnung Die Berechnung erfolgt in fünf aufeinanderfolgenden Stufen:
1. Datenerfassung: Alle relevanten Tätigkeitsdaten werden aus Scorecards, Unternehmensberichten, Branchenwerten und öffentlichen Nachhaltigkeitsdaten übernommen. 2. Indikatorenbewertung: Jeder Indikator wird auf der Skala –3 bis +3 bewertet.
3. Feldbewertung: Durchschnitts- oder gewichteter Medianwert pro Feld (E, R, S, G).
4. Reverse-Merit-Order (RMO): Das schwächste Feld limitiert den Gesamtwert.
5. Normierung und Bonus-/Malus-Korrektur:
Anpassung nach systemischer Relevanz und Zeitkomponente.
Diese fünf Schritte bilden zusammen die standardisierte Formel zur Ermittlung des steuerrelevanten FinalScore.
3.4.3 Berechnungsformel (Grundversion) Formal lässt sich die Berechnung wie folgt darstellen:
𝐹= min (𝑆", 𝑆#, 𝑆$, 𝑆%) + 𝛿*'&+, −𝛿)-.+,
wobei
𝑆", 𝑆#, 𝑆$, 𝑆%= Einzelwerte der vier Wirkungsfelder
min ()= Reverse-Merit-Order
𝛿*'&+,= Bonusfaktor für besondere Systemwirkung
𝛿)-.+,= Malusfaktor bei negativen Systemkontexten Das Ergebnis 𝐹wird anschließend auf die Skala –3 … +3 normiert.
3.4.4 Bonus- und Malusfaktoren Die Bonus-/Malus-Korrektur reflektiert systemische Zusammenhänge, die über individuelle Tätigkeit hinausgehen. a) Bonusfaktoren (δ₊) +0,5 bis +1,0 Punkte möglich bei:
Tätigkeiten in systemkritischen Bereichen (Pflege, Bildung, Demokratieerhalt, Forschung)
Branchen mit nachgewiesenem Transformationsbeitrag (z. B.
Kreislaufwirtschaft, Erneuerbare Energien)
Arbeitskontexte mit überdurchschnittlicher sozialer Wirkung (z. B.
Teilhabeprojekte, Inklusion) b) Malusfaktoren (δ₋) –0,5 bis –1,5 Punkte möglich bei:
Tätigkeiten mit systemischen Sekundäreffekten (z. B. Desinformation, Ressourcenraubbau, Korruption)
Unternehmen mit negativer Gesamtbilanz (WKStG-Score < –1)
Kapitalherkunft aus destruktiven Finanzströmen (WT-SROIG < 0)
Damit werden positive Systemeffekte belohnt und destruktive Kontexte sanktioniert – ohne Doppelbesteuerung, aber mit klarer Rückkopplung.
3.4.5 Zeitkomponente (Rollierendes Drei-Jahres-Fenster) Wirkung entfaltet sich selten sofort. Daher wird die Bewertung über ein rollierendes Drei-Jahres-Fenster gemittelt (§ 8 WEstG). 𝐹/ = 𝐹/01 + 𝐹/02 + 𝐹/
Das glättet kurzfristige Schwankungen (z. B. Projektzyklen) und honoriert langfristige Wirkung. Beispiel: Ein Unternehmen, das sich von fossiler Energie auf Kreislaufprozesse umstellt, profitiert über mehrere Jahre hinweg – erst mit stabil positiven Scores sinkt die Steuerlast merklich. Das verhindert taktisches Verhalten und fördert nachhaltige Transformation statt kurzfristiger Symbolpolitik. 3.4.6 Branchen- und Kontextkorrektur Um ungleiche Ausgangsbedingungen zu berücksichtigen, erfolgt eine Branchenkalibrierung (§ 7 Abs. 3 WEstG): 𝐹-34 = 𝐹−(𝐹‾5(-&678 −𝐹‾%8,-)/)
Damit wird der Score eines Berufs relativ zu seiner Branche gewichtet.
So wird verhindert, dass ganze Branchen strukturell benachteiligt oder bevorzugt werden. Beispiel: Ein Autoingenieur, der aktiv an E-Mobilität forscht, kann trotz „negativem“ Branchenschnitt (Automobilindustrie) einen positiven FinalScore erreichen.
3.4.7 Berechnungsbeispiel: Pflegekraft Feld Score Gewicht Beitrag Klima & Planet
Ressourcen & Kreislauf
Arbeit & Fairness +3 0.4 +1.2 Gesellschaft & Demokratie +3
+0.6 Rohwert (R)
+1.8 FinalScore (F) min(0, 0, +3, +3) = 0 + Bonus ( +1 ) → +1 FinalScore Steuerklasse 3 (10 %)
Die Pflegekraft erhält über den Bonusfaktor für systemkritische Arbeit (+1) eine deutliche Entlastung – trotz neutraler ökologischer Felder.
3.4.8 Berechnungsbeispiel: PR-Berater fossiler Industrie Feld Score Gewicht Beitrag Klima & Planet –3
–0.6 Ressourcen & Kreislauf –2
–0.4 Arbeit & Fairness +1 0.4 +0.4 Gesellschaft & Demokratie –2
–0.4 Rohwert (R)
–1.0 FinalScore (F) min(–3, –2, +1, –2) = –3 → Malus (–0.5) = –3.5 → Klasse 7 (50 %)
Die Reverse-Merit-Order verhindert, dass der Berater seine destruktive Tätigkeit durch positive Teilaspekte „aufwiegen“ kann.
3.4.9 Integration in die Steuerberechnung Der FinalScore wird im digitalen Steuerprozess automatisch in den Steuerfaktor 𝐹9umgerechnet: 𝐹9 = 50 −(𝐹+ 3) × 8.33
→ FinalScore +3 = 0 % → FinalScore 0 = 20 % → FinalScore –3 = 50 % Dieser Faktor wird mit dem Bruttoeinkommen multipliziert:
𝑆𝑡𝑒𝑢𝑒𝑟𝑏𝑒𝑡𝑟𝑎𝑔= 𝐸𝑖𝑛𝑘𝑜𝑚𝑚𝑒𝑛× 𝐹9
Das Ergebnis ist die Wirkungseinkommensteuer.
Das gesamte Verfahren läuft automatisiert und transparent über die digitale Steuerplattform WEst-Portal. 3.4.10 Kontrollmechanismen Zur Sicherstellung der Fairness werden folgende Mechanismen implementiert:
Cross-Validation: Abgleich der Scorecards mit branchenspezifischen SDG-Daten.
Peer-Review: Plausibilitätsprüfung durch unabhängige Expert:innen.
Konsistenzmatrix: Überwachung der Gesamtverteilung von Scores nach Branchen.
Jährliche Kalibrierung: Anpassung des Steuersatz-Mappings durch den Wirkungsrat. Damit ist der FinalScore prüfbar, nachvollziehbar und manipulationssicher.
3.4.11 Fazit: Der FinalScore als Scharnier zwischen Wirkung und Gerechtigkeit Der FinalScore verbindet erstmals Wissenschaft, Ethik und Steuerlogik zu einem konsistenten System. Er misst nicht nur, was jemand verdient, sondern was durch dieses Einkommen im System geschieht. Der FinalScore ist kein moralisches Urteil, sondern der Gradmesser für Zukunftsfähigkeit.
Er macht sichtbar, dass Gerechtigkeit nicht in Gleichheit liegt, sondern in der Differenz zwischen Wirkung und Verantwortung.
3.5 Verknüpfung individueller und organisatorischer Wirkung (§ 6 WEstG) 3.5.1 Ausgangspunkt: Verantwortung ist kontextabhängig Wirkung entsteht nie isoliert. Eine Pflegekraft wirkt durch ihr Krankenhaus, ein Ingenieur durch sein Unternehmen, ein Journalist durch sein Medium.
Die Qualität der individuellen Wirkung hängt also immer auch vom Systemkontext ab, in dem sie entfaltet wird.
Das bisherige Steuerrecht ignoriert diesen Zusammenhang vollständig:
Es bewertet Einkommen unabhängig davon, in welchem Wirkungssystem es entsteht. Dadurch werden Menschen, die in destruktiven Strukturen arbeiten, moralisch entkoppelt – und solche, die unter schwierigen Bedingungen Positives bewirken, nicht angemessen gewürdigt. Das WEstG löst diesen Widerspruch, indem es die Wirkung des Einzelnen mit der Wirkung seiner Organisation koppelt – aber in fairer, abgestufter Weise.
3.5.2 Prinzip der Systemkopplung Jede Person erhält zwei Grundwerte: 1. IndividualScore (I): Wirkung aus der persönlichen Tätigkeit (WÖk-ID, Scorecard). 2. OrganizationalScore (O): Wirkung der Organisation nach WKStG (§ 3 WKStG). Diese Werte werden zu einem IntegratedScore (X) kombiniert:
𝑋= (𝐼× 𝛼) + (𝑂× 𝛽× 𝜂)
mit
𝛼= 0.7→ Gewicht individueller Wirkung
𝛽= 0.3→ Gewicht organisatorischer Wirkung
𝜂→ Einflussfaktor (0–1), siehe unten Damit wird die Wirkung in Abhängigkeit vom realen Handlungsspielraum der Person gewichtet. Je größer der Einfluss auf die Organisation, desto stärker fließt deren Wirkung in die persönliche Steuerbewertung ein.
3.5.3 Einführung des Einflussfaktors η (Eta) Der Einflussfaktor η beschreibt die tatsächliche Möglichkeit einer Person, die organisatorische Wirkung zu verändern. Er verhindert, dass Arbeiter:innen, Angestellte oder Auszubildende für Fehlentscheidungen des Top-Managements steuerlich bestraft werden.
Ebene Typische Funktionen Einflussfaktor (η) Beschreibung 1. Top-Management / Vorstand CEO, Geschäftsführung, Bereichsleiter:innen 1.0 volle Steuerungsverantwortung 2. Mittleres Management Abteilungs-, Team-, Projektleitung 0.7 teils strukturelle Gestaltungsfreiheit 3. Fachkräfte / Angestellte Ingenieur:innen, Sachbearbeiter:innen, Lehrkräfte 0.4 begrenzter Handlungsspielraum 4. Arbeiter:innen / Produktion Fertigung, Transport, Montage
kaum Einfluss auf Gesamtwirkung 5. Auszubildende / Praktikant:innen Lernende, Trainees
keine Verantwortung für Unternehmenswirkung Diese Staffelung kann vom Wirkungsrat (§ 9 WEstG) angepasst werden, etwa bei branchenspezifischen Besonderheiten. 3.5.4 Formelhafte Darstellung der Verknüpfung 𝐹:8,-)/ = min ((𝐼× 0.7) + (𝑂× 0.3 × 𝜂), 𝐹#;<)
mit
𝐹#;<: niedrigster Wert der vier Wirkungsfelder (Reverse-Merit-Order)
𝐹:8,-)/: steuerlich relevanter FinalScore Damit kann niemand eine bessere Bewertung erhalten, als das schwächste Wirkungsfeld zulässt. Aber auch niemand wird für fremde Entscheidungen übermäßig belastet.
3.5.5 Beispiel 1 – Facharbeiter in Kohlekraftwerk Komponente Wert Gewicht Einfluss Beitrag IndividualScore (I) +1 0.7
+0.7 OrganizationalScore (O) –3 0.3 × 0.2 –0.18 IntegratedScore (X)
+0.52 → FinalScore ≈ 0 → Steuerklasse 4 (20 %) ➡ Der Arbeiter wird nicht bestraft, sondern neutral gestellt.
Seine Tätigkeit wird nicht als schädlich bewertet, da sein Einfluss auf Unternehmensentscheidungen minimal ist. 3.5.6 Beispiel 2 – Ingenieurin im selben Konzern Komponente Wert Gewicht Einfluss Beitrag IndividualScore (I) +2 0.7
+1.4 OrganizationalScore (O) –3 0.3 × 0.4 –0.36 IntegratedScore (X)
+1.04 → FinalScore ≈ +1 → Steuerklasse 3 (10 %) ➡ Sie hat erkennbaren Handlungsspielraum, um Prozesse zu verbessern, aber nicht genug, um die Gesamtstrategie zu verändern.
Das System erkennt ihren positiven Beitrag und entlastet sie steuerlich.
3.5.7 Beispiel 3 – Vorstand des Konzerns Komponente Wert Gewicht Einfluss Beitrag IndividualScore (I) +1 0.7
+0.7 OrganizationalScore (O) –3 0.3 × 1.0 –0.9 IntegratedScore (X)
–0.2 → FinalScore ≈ –2 → Steuerklasse 6 (40 %)
Volle Mitverantwortung für systemische Schäden.
Der Steueraufschlag reflektiert nicht moralische Schuld, sondern gesellschaftliche Verantwortung im Verhältnis zur Machtposition.
3.5.8 Sonderregelung für Selbstständige (§ 6 Abs. 3 WEstG) Selbstständige und Freiberufler:innen ohne Organisationsbindung tragen volle Eigenverantwortung (𝛽= 0). Für sie kann der Bonusbereich (δ₊) bis +1,5 Scorepunkte ausgeweitet werden, wenn sie systemrelevante oder gemeinwohlorientierte Tätigkeiten ausüben.
Beispiel: Eine selbstständige Architektin mit Fokus auf Kreislaufbauweise erreicht → IndividualScore +3, Bonus +0.5 → FinalScore +3.5 → Steuerklasse 1 (0 %).
3.5.9 Wechselwirkung mit Unternehmensbewertung Die Wirkung verläuft reziprok:
Die Organisationswirkung beeinflusst Mitarbeitende.
Der Durchschnitt der IndividualScores beeinflusst die Organisation.
Formel: 𝑂&8+ = 𝑂-./ + 𝛾× (𝐼;=/-(*8=/8( ‾ −𝑂-./)
mit 𝛾= 0.2. Damit gleicht sich die Organisationswirkung schrittweise an die tatsächliche Wirkung ihrer Belegschaft an. So entsteht ein selbstregulierendes System – Unternehmen verbessern sich durch die Summe ihrer Menschen. 3.5.10 Gesetzliche Ergänzung (§ 6 Abs. 4 WEstG) (4) Bei der Ermittlung der individuellen Steuerwirkung gemäß Absatz 1 wird der Einflussbereich der steuerpflichtigen Person auf die organisatorische Gesamtwirkung berücksichtigt. Der Einflussfaktor (η) bemisst sich nach der tatsächlichen Entscheidungskompetenz innerhalb der Organisation.
Für Tätigkeiten ohne Steuerungsbefugnis wird der Einflussfaktor so bemessen, dass keine unverhältnismäßige Belastung entsteht.
Dadurch wird sichergestellt, dass Verantwortung stets im Verhältnis zur realen Gestaltungsmacht gewichtet wird. Diese Regel macht das WEstG gerecht, menschlich und differenziert, ohne an Systemkonsistenz zu verlieren. 3.5.11 Fazit: Verantwortung mit Maß Das WEstG bestraft niemanden für Strukturen, die er nicht verändern kann – aber es macht jeden bewusst für das System, in dem er wirkt.
Verantwortung wird geteilt, Wirkung wird sichtbar, Gerechtigkeit wird relational. Mit dem Einflussfaktor η gelingt die Balance zwischen Einzeltätigkeit, Systemkontext und moralischer Verhältnismäßigkeit.