WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 3 von 28

2. Was MMT richtig sieht#

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Die Modern Monetary Theory ist für diese Debatte ein wichtiger Entmythologisierer. Sie erinnert daran, dass staatliche Haushalte nicht nach der Logik privater Haushaltskassen funktionieren. MMT argumentiert, dass ein Staat, der seine eigene Fiat-Währung herausgibt, Schulden in dieser Währung nicht in derselben Weise bedienen muss wie ein privater Schuldner. Seine zentrale Grenze liegt nicht in einem vorher vorhandenen Geldtopf, sondern in realen Kapazitäten und inflationären Wirkungen [E6].

Diese Einsicht ist für die Wirkungsökonomie relevant, weil sie den Blick von der bloßen Finanzierungsangst löst. Wer staatliche Ausgaben nur mit dem Satz abwehrt, dafür sei kein Geld da, macht aus Geld einen natürlichen Engpass. In modernen Geldsystemen ist Geld aber kein Naturstoff. Es ist ein institutionelles Verhältnis, eine Forderungs- und Schuldstruktur, eine öffentlich stabilisierte Recheneinheit und ein durch Vertrauen, Recht und Zahlungsfähigkeit getragenes System.

Die Bank of England beschreibt moderne Geldschöpfung nüchtern: Der größte Teil des Geldes entsteht nicht durch das Drucken von Banknoten, sondern durch Kreditvergabe von Geschäftsbanken; Banken verleihen nicht einfach vorher vorhandene Einlagen, sondern schaffen bei Kreditvergabe neue Einlagen [E1]. Diese Sicht allein ist nicht MMT, aber sie zeigt: Geld ist kein fixer Vorrat wie Getreide in einer Scheune. Es ist eine Bilanzstruktur, die durch Kredit, Vertrauen und Institutionen entsteht.

MMT macht daraus eine fiskalpolitische Zuspitzung: Wenn der Staat die Währung herausgibt, in der er sich verschuldet, dann ist seine Zahlungsfähigkeit anders zu beurteilen als die eines Haushalts, der diese Währung nur nutzen kann. Steuern dienen dann nicht nur dazu, den Staat zu finanzieren. Sie stabilisieren Nachfrage nach der Währung, entziehen Kaufkraft, beeinflussen Verteilung und schaffen realwirtschaftlichen Spielraum. Diese Perspektive ist wertvoll, weil sie eine zentrale politische Blockade löst. Sie zeigt, dass die Frage "Wie bezahlen wir das?quot; oft falsch gestellt ist. Bei einem monetär souveränen Staat lautet die bessere Frage: Gibt es reale Kapazitäten? Erzeugt die Ausgabe Inflation? Gibt es genügend Arbeitskräfte, Material, Energie, Technologie und administrative Fähigkeit? Wird die zusätzliche Nachfrage produktiv oder preistreibend?

Welche Verteilungswirkungen entstehen?