WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 4 von 29
3. Wo MMT aus WÖk-Sicht ergänzt werden muss#
MMT kann erklären, warum ein Staat mit eigener Währung nicht wie ein Privathaushalt agiert. Sie kann zeigen, dass Steuern nicht nur Einnahmequelle, sondern makroökonomisches Steuerungsinstrument sind.
Sie kann die Angst vor nominellen Staatsschulden relativieren. Sie kann den Blick auf Inflation, Kapazitäten und reale Ressourcen lenken. Was MMT für die WÖk offen lässt, ist eine differenzierte Wirkungstheorie öffentlicher Ausgaben.
Wenn der Staat mehr ausgeben kann, folgt daraus noch nicht, dass jede Ausgabe richtig ist. Wenn Schulden nicht automatisch eine Last sind, folgt daraus nicht, dass Schulden wirkungslos oder ungefährlich wären.
Wenn Steuern nicht nur finanzieren, folgt daraus noch nicht, wie ein Steuersystem ökologisch, sozial, demokratisch und systemisch wirksam gestaltet werden muss.
Hier setzt die Wirkungsökonomie an. In der WÖk ist Wirkung nicht automatisch positiv. Wirkung bedeutet zunächst die tatsächliche Veränderung von Zuständen. Sie kann positiv, negativ oder neutral sein. Bewertet wird sie am Referenzrahmen der SDGs, der Agenda 2030 und SDG+. Zielgröße ist positive Netto-Wirkung für Mensch, Planet und Demokratie [I1]. Das ist entscheidend: Die WÖk akzeptiert keine wirkungsblinde Ausgabenlogik. Auch wenn der Staat finanzieren kann, muss er begründen, welche Zustände er verändert, welche Nebenwirkungen entstehen, welche roten Linien gelten und wie aus der Ausgabe eine lernfähige Rückkopplung wird.
Eine naive MMT-Lesart könnte politisch so missverstanden werden: Der Staat kann zahlen, also soll er zahlen. Die WÖk sagt dagegen: Der Staat kann und soll seine Finanzmacht nutzen, aber jede Ausgabe muss nach Netto-Wirkung, Resilienz, Folgekosten, realen Ressourcen, demokratischer Legitimation und Rückkopplungsfähigkeit bewertet werden. Der Unterschied ist fundamental. MMT verschiebt die Grenze von Geld zu Ressourcen.
WÖk verschiebt zusätzlich den Maßstab von Finanzierbarkeit zu Wirkung.