WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 9 von 18

6.6 IOOI und Wirkungsarchitektur v1.4: Vor der Wirkung beginnen#

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Verbindliche Grundregel#

Die Wirkungsökonomie beginnt nicht erst dort, wo Wirkung eingetreten ist, sondern beim Auslöser, beim Wirkungspotenzial, beim Wirkungsrisiko und beim Wirkmechanismus. Erst wenn sich Zustände tatsächlich verändern, sprechen wir von Wirkung.

Wirkungspotenzial ist nicht Wirkung. Ein plausibler Wirkmechanismus ist kein Wirkungsnachweis. Auslöser, Wirkstoff, Wirkungspotenzial, Wirkungsrisiko und Wirkmechanismus beschreiben die Vorwirkung: Sie machen Hypothesen, Risiken und Bedingungen sichtbar. Sie dürfen weder als eingetretene Wirkung noch als positive Bewertung formuliert werden. Der Begriff Wirkstoff bleibt ausschließlich eine didaktische Analogie für einen Auslöser mit Wirkungspotenzial.

Vollständige WÖk-Wirkungslogik#

Stufe Begriff Verbindliche Einordnung

Auslöser Handlung, Unterlassen, Produkt, Gesetz, Preis, Narrativ, Technologie oder Kapitalfluss, die oder der Veränderungen anstoßen kann.

Wirkstoff Didaktische Analogie für einen Auslöser mit Wirkungspotenzial; keine naturwissenschaftliche Behauptung.

Wirkungspotenzial Möglichkeit, dass unter bestimmten Bedingungen Wirkung entstehen kann.

Wirkungsrisiko Möglichkeit negativer Wirkung; noch keine eingetretene negative Wirkung.

Wirkmechanismus Begründete Annahme, wie und unter welchen Bedingungen aus einem Auslöser Veränderung entstehen kann.

Wirkung Tatsächliche Veränderung eines Zustands bei jemandem oder etwas,

Stufe Begriff Verbindliche Einordnung in Raum und Zeit.

Nebenwirkung, Wechselwirkung, Rebound Zusätzliche, gegenseitige oder rückwirkende Folgen, die in die Analyse gehören.

Wirkungsbewertung Transparente Einordnung der Wirkung am Referenzrahmen.

Netto-Wirkung Zusammenfassende, nicht beliebig additive Einordnung positiver und negativer Wirkungen.

Positive Netto-Wirkung Zielgröße: Mensch, Planet und Demokratie werden insgesamt gestärkt, ohne schwere Schäden zu verdecken oder zu externalisieren.

Transformationswirkung Beitrag zu lern- und umbaufähigen Strukturen, Regeln und Wirkungsordnungen.

Wirkungslenkung und Wirkungsrückkopplung Bewertung verändert begründet Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung, Management, Recht oder Regulation.

Wirkungsarchitektur Zusammenspiel von Daten, Bewertung, Schutzregeln, Institutionen, Anreizen, Rückkopplung und Lernen.

IOOI als Teil des Wirkpfads#

IOOI steht für Input, Aktivität, Output, Outcome und Impact. Es ist eine verbreitete Logik zur Strukturierung von Wirkpfaden und wird in der Wirkungsökonomie ausdrücklich als Teil der Wirkungskette genutzt.

IOOI-Ebene Frage Abgrenzung Input Welche Ressourcen werden eingesetzt? Ressourcen sind noch keine Leistung und keine Wirkung. Aktivität Was wird getan? Aktivitäten sind noch keine Wirkung. Output Welche direkte Leistung entsteht? Ein Bericht, ein Kurs, eine Reichweite oder ein Produkt ist noch keine Wirkung. Outcome Welche Veränderung tritt bei Betroffenen oder in einem System ein? Outcome ist eine Wirkungsebene und braucht Daten, Zeitraum und Kontext. Impact Welche weiterreichende, langfristige oder systemische Veränderung entsteht? Impact verlangt besonders sorgfältige Evidenz, Attribution und Systemgrenzen. Die vollständige Arbeitskette lautet: Auslöser → Wirkstoff als didaktische Analogie → Wirkungspotenzial / Wirkungsrisiko → Wirkmechanismus → Input → Aktivität → Output → Outcome → Impact →

Nebenwirkungen / Wechselwirkungen / Rebound → Wirkungsbewertung → Netto-Wirkung → Schutzregeln und Nichtkompensation → Transformationswirkung → Wirkungslenkung und Rückkopplung → neuer Systemzustand und Lernen.

IOOI erklärt die Reihenfolge von Ressourcen, Leistung und Veränderung. Die Wirkungsökonomie ergänzt den Referenzrahmen, die Wirkungsbewertung, Nichtkompensation, Transformationswirkung und die Rückkopplung in Entscheidungen. Sie beansprucht nicht, IOOI, Theory of Change, SROI, ESRS, GRI oder die Impact- Frontiers-Dimensionen zu ersetzen.

Drei Phasen der Wirkungsökonomie#

1. Wirkung feststellen: Was verändert sich tatsächlich? Welche Daten, Baselines, Vergleichsfälle und Attributionen tragen die Aussage? 2. Wirkung bewerten: Für wen ist die Veränderung positiv, neutral oder negativ - und an welchem transparenten Referenzrahmen wird das begründet? 3. Wirkung rückkoppeln:

Was ändert sich daraufhin in Preis, Steuer, Kapital, Beschaffung, Management, Recht oder Regulation?

Nicht alles, was wirkt, ist erwünscht. Deshalb reicht es nicht, Wirkung zu messen. Man muss auch offenlegen, woran man sie misst.

Regeln für Sprache, Medien und politische Kommunikation#

Bei Sprache, Medien und politischen Aussagen gilt eine erhöhte Evidenzpflicht. Reichweite, Resonanz, Wiederholung und ein plausibler Wirkmechanismus können Wirkungspotenziale oder Wirkungsrisiken begründen. Sie belegen jedoch nicht ohne Weiteres eine konkrete Einstellungsänderung oder eine eingetretene Wirkung bei einzelnen Menschen.

Zulässige Formulierungen sind zum Beispiel: „kann Wirkungspotenzial entfalten“, „erzeugt einen Resonanzraum“, „bietet einen plausiblen Wirkmechanismus“, „weist auf ein demokratisches Wirkungsrisiko hin“. Unzulässig ohne belastbaren Nachweis sind kausale Gewissheiten über konkrete individuelle Wirkungen.

Quellenanker#

• OECD DAC: Glossary of Key Terms in Evaluation and Results Based Management (Results Chain mit Inputs, Activities, Outputs, Outcomes und Impacts).

• PHINEO: Grundbegriffe der Wirkungsorientierung (IOOI und Wirkungskette).

• Impact Frontiers: Five Dimensions of Impact (What, Who, How Much, Contribution, Risk; positive, negative, beabsichtigte und unbeabsichtigte Wirkung).

• Vereinte Nationen: Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development (SDGs und Agenda 2030 als öffentlicher Referenzrahmen).