WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 8 von 21

5. Rio 1992: Agenda 21, Rio-Erklärung und die erste große Systemarchitektur#

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Stockholm war wichtig, weil dort erstmals im UN-Rahmen sichtbar wurde, dass Umwelt nicht getrennt von Entwicklung verstanden werden kann. Umweltverschmutzung, industrielle Produktion, menschliche Gesundheit, Armut, Ressourcen und staatliche Verantwortung standen in einem Zusammenhang. Aus dieser Perspektive entstand auch der institutionelle Rahmen für spätere Umweltpolitik, insbesondere das Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Für die Wirkungsökonomie ist Stockholm der erste große historische Hinweis darauf, dass ökologische Wirkungen systemisch sind. Sie entstehen nicht nur durch einzelne Unternehmen oder einzelne Konsumentscheidungen, sondern durch ganze Produktions-, Energie-, Verkehrs-, Handels- und Regierungslogiken. Historischer Punkt Bedeutung WÖk-Lesart Stockholm 1972 Umwelt wird zum globalen Politikfeld Planetare Wirkung wird als internationale Systemfrage sichtbar UNEP und Folgeinstitutionen Umwelt braucht institutionelle Beobachtung Wirkung braucht dauerhafte Governance, nicht nur Einzelbeschlüsse Umwelt und Entwicklung Ökologie ist nicht isoliert von Armut und Entwicklung Mensch und Planet müssen gekoppelt bewertet werden 4. Vorläufer II: Brundtland 1987 und die Verbindung von Umwelt und Entwicklung Der Brundtland-Bericht „Our Common Future“ von 1987 prägte den Begriff nachhaltiger Entwicklung in der heute bekannten politischen Bedeutung. Nachhaltige Entwicklung wurde als Entwicklung verstanden, die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden.

Der entscheidende Fortschritt lag nicht nur im Begriff, sondern in der Verknüpfung: Umwelt und Entwicklung wurden nicht mehr als Gegensätze beschrieben. Armut, Ressourcenverbrauch, Industrialisierung, globale Ungleichheit und Umweltzerstörung wurden als zusammenhängende Krisen verstanden. Wirkungsökonomisch ist das der Übergang von einer Umweltperspektive zu einer Wirkungslogik. Eine Maßnahme ist nicht gut, weil sie „grün“ klingt, sondern weil sie die Systembedingungen für heutige und kommende Generationen verbessert. Genau hier beginnt die spätere Logik von Mensch, Planet und Demokratie. 5. Rio 1992: Agenda 21, Rio-Erklärung und die erste große Systemarchitektur Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 - der Earth Summit - brachte die bis dahin umfassendste politische Architektur nachhaltiger Entwicklung hervor.

Agenda 21, die Rio-Erklärung und weitere Abkommen machten deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Umweltthema ist, sondern Planung, Wirtschaft, Kommunen, soziale Entwicklung, Wissenschaft und internationale Kooperation betrifft. Agenda 21 war dabei kein Weltregierungsprogramm, sondern ein Aktionsrahmen. Er sollte national, regional und lokal übersetzt werden. Genau diese Übersetzungslogik ist wichtig: Globale Ziele definieren einen gemeinsamen Richtungskorridor, aber sie ersetzen nicht demokratische Ausgestaltung vor Ort.

Für die Wirkungsökonomie zeigt Rio 1992, dass Nachhaltigkeit schon früh als Systemarchitektur gedacht wurde. Das Problem war nicht das Fehlen von Zielen, sondern die fehlende Rückkopplung in Preise, Steuern, Kapital, Beschaffung, Haushalt und Unternehmenssteuerung.

Rio-Element Funktion Wirkungsökonomische Bedeutung Rio-Erklärung Grundsätze für Umwelt und Entwicklung Normativer Rahmen für Verantwortung