WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 19 von 23

Ergänzende Ausarbeitung: Reifegradmodell für Unternehmen#

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Damit Unternehmen nicht in abstrakter Sprache stecken bleiben, braucht es ein Reifegradmodell. Es zeigt, ob ein Unternehmen Wirkung nur kommuniziert, bereits misst oder tatsächlich steuert. Der Unterschied ist entscheidend:

Ein Unternehmen kann zahlreiche Nachhaltigkeitsdaten besitzen und trotzdem wirkungsblind entscheiden, wenn diese Daten nicht in Strategie, Investitionen, Beschaffung, Produktentwicklung und Führung eingehen.

Stufe 1 ist reine Transparenz: Das Unternehmen berichtet und kennt seine wesentlichen Risiken. Stufe 2 ist Messfähigkeit: Daten sind WÖk-ID-fähig, vergleichbar und teilweise geprüft. Stufe 3 ist Entscheidungsfähigkeit:

Investitionen, Produkte und Lieferanten werden anhand von Wirkungskriterien bewertet. Stufe 4 ist Rückkopplung:

Preise, Kosten, Kapital, Steuern und Anreize reagieren auf Wirkung. Stufe 5 ist Transformationsfähigkeit: Das Unternehmen verändert Märkte, Standards oder Wertschöpfungspfade in Richtung positiver Netto-Wirkung.

Reifegrad

Nachweis Risiko bei Stillstand 1 Transparenz Daten werden berichtet, aber noch nicht gesteuert. CSRD-/ESRS-Bericht, ESG- Fragebogen Reporting ohne Konsequenz 2 Messfähigkeit Daten sind WÖk-ID-fähig, validierbar und vergleichbar. Dateninventar, Auditpfad Datenchaos und doppelte Abfragen 3 Entscheidungsfähigkeit Wirkung fließt in Produkt-, Einkaufs- und Investitionsentscheidungen ein. Scorecards, KII, Freigabeprozesse Nachhaltigkeit bleibt Nebenabteilung 4 Rückkopplung Wirkung verändert Kosten, Preise, Kapitalzugang und Vergütung. Wirkungscontrolling, Wirkungskredit, T-SROI Wirkung bleibt symbolisch 5 Transformation Das Unternehmen verändert Marktstandards und Systempfade. Branchenstandard, Skalierung, T-SROI-Hebel Gute Einzelwirkung ohne Systemwirkung Stakeholder- und Wirkungsempfängerprüfung Klassische Stakeholderanalyse fragt, wer Interessen hat. Die Wirkungsökonomie geht weiter und fragt, wer Wirkungen empfängt. Ein mächtiger Investor hat Interesse, aber nicht immer die stärkste Betroffenheit. Ein Kind in einer Lieferregion, ein Ökosystem, ein lokales Gesundheitssystem oder eine zukünftige Generation kann starke Wirkung empfangen, ohne am Verhandlungstisch zu sitzen.

Unternehmen als Wirkungssysteme müssen deshalb Wirkungsempfänger systematisch sichtbar machen. Das kann nicht immer mit direkter Beteiligung gelöst werden, aber es kann über Stellvertretung, Forschung, Daten, NGOs, lokale Expert:innen, Beschäftigtenvertretung und wissenschaftliche Indikatoren abgebildet werden. Die Frage lautet: Welche Zustände verändern wir bei Gruppen, die nicht unmittelbar mitentscheiden?

Diese Prüfung gehört in Produktfreigaben, Standortentscheidungen, Lieferantenwechsel, Automatisierungsprojekte, Marketingkampagnen, Daten- und KI-Anwendungen sowie größere Investitionen. Sie verhindert, dass ein Unternehmen nur jene Wirkung betrachtet, die bereits in finanziellen Beziehungen sichtbar ist.

Umsetzungsfahrplan für Unternehmen Ein Unternehmen muss nicht sofort die gesamte Wirkungsökonomie implementieren. Der Übergang kann in vier Schritten erfolgen. Erstens wird ein Wirkungsradar erstellt: Wo entstehen die größten positiven und negativen Wirkungspfade? Zweitens wird eine Datenbasis aufgebaut: Welche Daten liegen vor, welche fehlen, welche können wiederverwendet werden? Drittens werden Entscheidungsprozesse angepasst: Wo muss Wirkung in Investitionen, Einkauf, Produktentwicklung und Führung einfließen? Viertens wird Rückkopplung hergestellt: Wie verändern Wirkungsergebnisse Preise, Kapital, Ziele und Verantwortung?