WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 3 von 20
SDG 1 - Keine Armut#
Offizieller Zielraum#
Armut in all ihren Formen und überall beenden.
Vertiefte Beschreibung#
SDG 1 ist in der Wirkungsökonomie kein reines Einkommensziel. Es beschreibt den Zustand, ob Menschen über Sicherheit, Zugang zu Grundversorgung, soziale Sicherung, Handlungsfähigkeit und Schutz vor Schocks verfügen.
Armut wird als Wirkungskette verstanden: Einkommen, Wohnen, Gesundheit, Bildung, Energiepreise, Verschuldung, Diskriminierung und regionale Infrastruktur wirken zusammen.
Europa-/Deutschland-Bezug#
Für Europa und Deutschland steht SDG 1 vor allem für Armutsgefährdung, Kinderarmut, Altersarmut, Wohnungslosigkeit, Energiearmut, Überschuldung, soziale Sicherung, Teilhabe und regionale Ungleichheit. Relevant sind Eurostat-/Destatis-Indikatoren zu Armuts- oder Ausgrenzungsrisiko, materieller Deprivation, Wohnkostenüberbelastung und Sozialschutz.
Wirkungsökonomische Bedeutung#
Wirkungsökonomisch ist Armut ein Verlust an Selbstwirksamkeit und Systemteilhabe. Positive Netto-Wirkung entsteht, wenn Einkommen, Wohnraum, Bildung, Gesundheit und soziale Infrastruktur so rückgekoppelt werden, dass Menschen nicht nur versorgt, sondern handlungsfähig werden. Negative Wirkung entsteht, wenn Geschäftsmodelle oder Politik Armut erzeugen, stabilisieren oder unsichtbar machen.
Globale Unterziele und ihre WÖk-Übersetzung#
1.1 - extreme Armut global beenden. Europa/Deutschland: in Deutschland/EU: absolute Armut, Wohnungslosigkeit, existenzielle Not und verdeckte Armut sichtbar machen. Wirkungsökonomisch:
Wirkungsgrenze: Existenzsicherung und Würde dürfen nicht vom Marktversagen abhängen.
1.2 - Armut nach nationalen Definitionen deutlich senken. Europa/Deutschland: Armutsrisiko, Kinderarmut, Altersarmut und regionale Armut differenziert messen. Wirkungsökonomisch: Zustandsveränderung nicht nur über Geld, sondern über Teilhabe und Sicherheit bewerten.
1.3 - Sozialschutzsysteme ausbauen. Europa/Deutschland: soziale Sicherung gegen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pflege, Alter, Alleinerziehung und Energiearmut sichern. Wirkungsökonomisch: Sozialschutz als Prävention statt Reparaturkosten verstehen.
1.4 - Zugang zu Ressourcen, Eigentum, Grundversorgung und Finanzdienstleistungen sichern.
Europa/Deutschland: Zugang zu Wohnen, Energie, Bildung, Konto, Mobilität, digitaler Teilhabe und Rechtsberatung prüfen. Wirkungsökonomisch: Grundzugänge sind Wirkungsinfrastruktur.
1.5 - Resilienz armer und verletzlicher Gruppen stärken. Europa/Deutschland: Schutz vor Krisen wie Pandemie, Inflation, Klimaextremen und Wohnungsverlust. Wirkungsökonomisch: Vulnerabilität als Wirkungsrisiko mit Frühwarnindikatoren erfassen.
1.a - Ressourcen für Armutsbekämpfung mobilisieren. Europa/Deutschland: wirkungsorientierte Haushalte, Präventionsbudgets und soziale Investitionen nutzen. Wirkungsökonomisch: Wirkungshaushalt koppelt Mittel an reale Armutsreduktion.
1.b - armutsorientierte politische Rahmen schaffen. Europa/Deutschland: Sozial-, Steuer-, Wohn-, Bildungs- und Gesundheitspolitik kohärent machen. Wirkungsökonomisch: Politische Maßnahmen auf Armutswirkung und Nebenwirkungen prüfen.
Relevante Wirkungsfelder und WÖk-ID-Familien#
Relevante Portale: Arbeit & Einkommen, Wohnen & Stadt, Rente & soziale Sicherung, Gesundheit & Pflege, Bildung.
© Natalie Weber | Wirkungsökonomie | SDG-/SDG+-Referenzrahmen v0.3 | öffentliche Publikationsfassung WÖk-ID-/Indikatorfamilien: WOK-S-101ff Faire Arbeit & Einkommen; WOK-SYS-101ff Gemeinwohl-Investitionen; WOK-G-104ff Steuertransparenz.
Politische Anschlussfähigkeit#
Dieses Ziel beschreibt keinen fertigen Parteibeschluss. Unterschiedliche Parteien können verschiedene Wege wählen: Regulierung, Förderung, Marktanreize, kommunale Umsetzung, öffentliche Infrastruktur, internationale Kooperation oder Pilotierung. Entscheidend ist, dass Zielwirkung sichtbar, überprüfbar, korrigierbar und
Offizielle Referenzen#
https://unstats.un.org/sdgs/indicators/indicators-list/ | Deutschlands SDG-Indikatoren: https://sdg-indikatoren.de/ |