WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 23 von 118
1.9 Die Tiefe: warum Wellen überhaupt entstehen#
Die Tiefe bezeichnet die Bedingungen, die unter der sichtbaren Wirkung liegen. In öffentlichen Debatten sind das etwa soziale Erfahrungen, materielle Unsicherheit, verletzte Zugehörigkeit, Machtinteressen, Plattformlogiken oder institutioneller Vertrauensverlust. In Produkten sind es Rohstoffabhängigkeiten, Lieferketten, Datengrundlagen, Steuerlogik und Preissignale. Im Kapitalmarkt sind es Renditeerwartungen, Risikoannahmen, Regulierung, Informationsasymmetrien und Versicherungslogiken.
Ohne Tiefe wird das Wellenmodell oberflächlich. Dann beschreibt es nur, dass etwas sichtbar wird, Betroffenheit erzeugt, bewertet wird und Resonanz findet. Wirkungsökonomisch entscheidend ist aber, warum genau diese Welle möglich war und warum sie in diesem Raum stärker wirkt als in einem anderen.
Die Tiefe ist daher keine zusätzliche sechste Welle. Sie ist das Medium, in dem die Wellen entstehen. Sie erklärt Anschlussfähigkeit, Widerstand, Verzögerung, Blindheit und Kipppunkte.
Quellenbezug: [I5], [I18], [E11], [E12]