WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 6 von 15
4. Risk Management, aber nicht nur aus Unternehmenssicht#
Die Aussage ‚Nachhaltigkeit ist Risikomanagement‘ ist stark, aber sie braucht eine Präzisierung. Klassisches unternehmerisches Risikomanagement ist oft akteurszentriert. Es fragt: Was kann uns treffen? Was bedroht Umsatz, Gewinn, Lieferfähigkeit, Reputation, Versicherung, Kreditrating oder Strategie? Das ist legitim und notwendig. Aber es reicht nicht. Denn viele Risiken werden zunächst externalisiert. Ein Unternehmen kann Gewinne erzielen, während Gesundheitskosten im öffentlichen System landen. Ein Produkt kann billig sein, während Böden, Wasser, Arbeitskräfte oder Demokratie belastet werden. Ein Kapitalfluss kann Rendite erzeugen, während er Machtkonzentration, Desinformation oder ökologische Schäden verstärkt. Solange nur gefragt wird, was dem Unternehmen droht, bleiben die von ihm erzeugten Risiken unsichtbar.
Die Wirkungsökonomie dreht die Richtung um. Sie fragt nicht nur nach der Outside-in-Perspektive: Wie wirken Umwelt, Gesellschaft und Politik auf das Unternehmen? Sie fragt auch nach der Inside-out- Perspektive: Wie wirkt das Unternehmen auf Umwelt, Gesellschaft, Politik, Lieferketten, Kapitalmärkte und kommende Generationen? Erst die Verbindung beider Perspektiven ergibt vollständige Risikointelligenz.
Darum ist ‚Risikomanagement‘ korrekt, aber noch nicht groß genug. Besser ist: systemische Risikointelligenz.
Dieser Begriff umfasst Risikoerkennung, Resilienz, Prävention, Wirkung, Rückkopplung und Lernen.
Begriffspräzisierung Risiko ist negative Wirkungsmöglichkeit. Wirkungsrisiko ist die Möglichkeit negativer Zustandsveränderung.
Wirkungsresilienz ist die Fähigkeit, solche negativen Wirkungen zu begrenzen, zu lernen und Systemfunktionen zu erhalten.