WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 5 von 15

3. Warum diese Logik wirtschaftsformunabhängig ist#

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Ein besonders starker Punkt ist die Wirtschaftsformunabhängigkeit. Die SDGs sind nicht deshalb relevant, weil ein bestimmtes Wirtschaftssystem sie schön findet. Sie sind relevant, weil jede organisierte Gesellschaft Mindestbedingungen braucht, um stabil zu bleiben. Ein Markt kann ohne Vertrauen, Recht, Energie, Gesundheit, Wasser und Bildung nicht funktionieren. Eine Planwirtschaft kann ohne Datenqualität, Bodenschutz, Ernährungssicherheit und institutionelle Rückkopplung nicht funktionieren. Eine Monarchie kann Hunger, Seuchen, Wassermangel oder Korruption nicht wegdekretieren. Auch autoritäre Systeme können Naturgesetze nicht abschaffen. Die Organisationsform entscheidet, wie Risiken erkannt, verteilt, verdeckt, bepreist, bekämpft oder verschoben werden. Sie entscheidet aber nicht, ob Risiken existieren. Ein Staat kann Preise kontrollieren. Er kann aber nicht verhindern, dass schlechte Böden die Ernte schwächen. Ein Konzern kann Lieferketten auslagern. Er kann aber nicht verhindern, dass Kinderarbeit, Wasserstress, politische Instabilität oder Emissionen irgendwann als Haftung, Regulierung, Reputationsverlust oder Versorgungsausfall zurückkehren. Eine Regierung kann Emissionen statistisch ausblenden. Die Atmosphäre tut das nicht.

Das macht die SDGs so interessant: Sie sind kein Programm einer einzelnen Ideologie. Sie bilden einen gemeinsamen Zielraum, der unter sehr unterschiedlichen politischen und ökonomischen Ordnungen anschlussfähig ist. In Wirklichkeit liegt darunter eine noch allgemeinere Logik: Jedes System braucht Ernährung, Wasser, Gesundheit, Bildung, Energie, Institutionen, Infrastruktur, ökologische Regeneration, soziale Kohäsion und Kooperationsfähigkeit. Ohne diese Bedingungen steigt das Risiko von Kollaps, Gewalt, Krankheit, Versorgungsausfall, Kapitalflucht oder Legitimitätsverlust.

Armin-Maiwald-Erklärung Man kann eine Gesellschaft wie ein Haus erklären. Ob das Haus einem privaten Eigentümer, einer Genossenschaft, einem Staat oder einer Königin gehört, ist wichtig. Aber egal wem es gehört: Wenn das Fundament nass wird, die tragenden Balken faulen, die Stromleitung brennt und niemand den Schlüssel zum Heizungskeller findet, hat jedes Eigentumsmodell dasselbe Problem. Die SDGs beschreiben diese tragenden Balken.

SDG+ ergänzt dieses Bild: Ein Haus braucht nicht nur tragende Balken, Wasserleitungen und Strom. Es braucht auch Rauchmelder, Brandschutztüren, eine Hausordnung, jemanden, der Warnungen ernst nimmt, und einen Sicherungskasten, der nicht manipuliert wird. Demokratie, Medien, Rechtsstaat, Diskurs und digitale Integrität sind diese Schutz- und Korrektursysteme. Ohne sie merkt die Hausgemeinschaft zu spät, dass es brennt - oder sie streitet so lange darüber, ob Rauch überhaupt existiert, bis das Dach einstürzt.