Der versoehner und die wellen · Onlinefassung · Abschnitt 8 von 23

Welle 2: Emotion#

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Die zweite Welle ist Gefühl. Und dieser Podcast ist voller Gefühl.

Nicht im Sinne von spontaner Emotionalität. Sondern als strukturierte Gefühlspolitik.

Das erste Gefühl ist Angst. Deutschland sei existenziell bedroht wie nie zuvor. Die Lage sei ernster als nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Demografie und Zuwanderung bedeuteten das Ende Deutschlands. Das ist keine normale Problembeschreibung. Das ist Untergangssprache.

Das zweite Gefühl ist Kränkung.

Deutschland sei von seinen Ursprüngen abgeschnitten worden. Den Deutschen seien nach dem Zweiten Weltkrieg die Züge entstellt worden. Sie seien aus ihren natürlichen Bezügen herausgerissen worden.

Das dritte Gefühl ist Ohnmacht. Die Bundesrepublik erscheint als okkupierter Parteienstaat, als System, in dem Volkssouveränität blockiert und durch Parteien sowie Interessengruppen mediatisiert werde.

Das vierte Gefühl ist Stolz. Die Deutschen werden als Volk hoher Bildung, Geistesgröße, Handwerkskunst und kultureller Leistung beschrieben. Gegen Ende sagt Höcke, die deutsche Geschichte sei kein „Verbrecheralbum“ und die Deutschen müssten stolz sein. Das fünfte Gefühl ist Erlösung. Höcke nennt sich „Versöhner“. Er spricht von Befreiung, Emanzipation, Selbstbefreundung, neuer Elite, Mündigwerden. Das ist eine starke emotionale Mischung: Angst plus Kränkung plus Stolz plus Befreiungsversprechen.

Wirkungsökonomisch ist diese Mischung bedeutsam, weil sie nicht nur informiert. Sie bereitet Handlungsbereitschaft vor. Wenn ein Land als existenziell bedroht erscheint, wirken normale demokratische Verfahren schnell zu langsam. Wenn Institutionen als okkupiert erscheinen, wirkt Kontrolle wie Befreiung. Wenn Eliten als fremd oder feindlich erscheinen, wirkt Machtwechsel nicht nur politisch, sondern reinigend. Wenn Ostdeutschland als authentischer Kern erscheint, wird regionale Erfahrung zur nationalen Legitimation.

Die Wirkungsökonomie fragt hier nicht: Hat Höcke das alles bewusst strategisch geplant? Diese Absicht lässt sich aus dem Transkript nicht beweisen. Die präzisere Frage lautet: Welches Wirkungspotenzial entsteht, wenn diese Gefühle gemeinsam aktiviert werden?