Der versoehner und die wellen · Onlinefassung · Abschnitt 17 von 23
7. Warum „Versöhnung“ hier zum Schlüsselwort wird#
Der interessanteste Begriff im Podcast ist nicht „Deutschsein“. Es ist „Versöhner“.
Denn „Versöhner“ ist ein Schutzwort. Es macht eine harte Rede weich. Es sagt: Ich spalte nicht, ich benenne nur die Spaltung, damit Heilung möglich wird.
So funktioniert es im Podcast: Höcke beschreibt sich als ausgleichenden Menschen, als Konfliktmanager, als jemanden, der erklären und teilhaben lassen will. Zugleich begründet er Provokation mit existenzieller Lage:
Wenn es um Sein oder Nichtsein gehe, müsse man aufrütteln.
Das ist wirkungsökonomisch hoch relevant.
Denn der Begriff „Versöhner“ kann eine spaltende Deutung immunisieren. Wer widerspricht, erscheint dann nicht als Kritiker einer gefährlichen Sortierung, sondern als jemand, der die notwendige Versöhnung verhindert. Aber echte Versöhnung hätte andere Merkmale.
Echte Versöhnung würde nicht sagen: Die einen sind noch Deutsche, die anderen sind usurpiert.
Echte Versöhnung würde sagen: Ost und West haben unterschiedliche historische Erfahrungen. Beide sind deutsch. Beide haben blinde Flecken. Beide haben Würde. Beide brauchen Korrektur. Und die gemeinsame Aufgabe ist nicht, Echtheit zu verteilen, sondern ein Land zu bauen, in dem Erfahrungen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Echte Versöhnung macht die Wunde sichtbar, ohne daraus eine Rangordnung der Zugehörigkeit zu machen.
Der Podcast macht die Wunde sichtbar. Aber er macht daraus eine Hierarchie.