Oeffentlicher wirkungsraum debat… · Onlinefassung · Abschnitt 14 von 25
8. Die neue Kernprüfung: Aufmerksamkeit gegen Wirkung#
Der Resonanz-Kompass arbeitet mit einer einfachen, aber weitreichenden Unterscheidung:
Aufmerksamkeitsgewicht ist nicht dasselbe wie Wirkungsgewicht.
Aufmerksamkeitsgewicht beschreibt, wie stark ein Thema im öffentlichen Raum sichtbar ist:
Medienpräsenz. Social-Media-Dynamik. Politische Wiederholung. Emotionale Aktivierung. Talkshow-Tauglichkeit.
Konfliktpotenzial. Wirkungsgewicht beschreibt, welche realen Zustände berührt werden:
Gesundheit. Sicherheit. Einkommen. Bildung. Teilhabe. Klima. Biodiversität. Infrastruktur. Rechtsstaatlichkeit. Medienqualität. Vertrauen. Demokratische Stabilität. Erst der Vergleich beider Größen zeigt, ob eine Debatte angemessen, unterbelichtet, überhitzt, verzerrt oder ablenkend ist. Es gibt Debatten mit hohem Aufmerksamkeitsgewicht und hohem Wirkungsgewicht. Dann ist die öffentliche Aufmerksamkeit berechtigt und wichtig. Es gibt Debatten mit hohem Aufmerksamkeitsgewicht und niedrigem Wirkungsgewicht. Dann entsteht Überhitzung. Es gibt Debatten mit niedrigem Aufmerksamkeitsgewicht und hohem Wirkungsgewicht. Dann entsteht ein blinder Fleck. Und es gibt Debatten mit niedrigem Aufmerksamkeitsgewicht und niedrigem Wirkungsgewicht. Dann handelt es sich meistens um Randthemen. Demokratische Öffentlichkeit braucht nicht weniger Streit.
Sie braucht bessere Gewichtung. Denn nicht jede Welle zeigt eine tiefe Strömung.
Und nicht jede tiefe Strömung ist an der Oberfläche sofort sichtbar.