Wenn alle von wirkung sprechen f… · Onlinefassung · Abschnitt 3 von 19
Wirkung ist nicht Handlung#
Warum Förderpolitik eine echte Wirkungsarchitektur braucht.
Digitale Lesefassung Für Bildschirm und Ausdruck Original online wirkungsoekonomie.de/blog/wenn-alle-von-wirkung-sprechen-foerderpolitik- wirkungsmanagement.html
Wirkung ist das neue Lieblingswort der Politik. Förderprogramme sollen wirken. Steuergeld soll wirken. Verwaltung soll wirkungsorientierter werden. Das klingt gut - und ist doch gefährlich, wenn nicht klar ist, was mit Wirkung eigentlich gemeint ist.
Ein aktueller Zeitungsartikel über Förderprogramme zeigt dieses Problem sehr deutlich. Dort wird beschrieben, dass eine Förderbank künftig genauer prüfen will, ob ihre Programme tatsächlich wirken. Es geht um Milliardenbeträge, um Wohnungen, Wirtschaftsförderung, Klimabilanzen, Start-ups, Arbeitsplätze und CO2-Einsparungen. Auf den ersten Blick klingt das nach einem Fortschritt: weg vom reinen Ausgeben von Geld, hin zur Frage, was damit erreicht wird.
Doch genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Kritik.
Denn der Begriff „Wirkung“ wird inzwischen häufig verwendet, ohne dass er sauber definiert wird. Er klingt modern, verantwortungsvoll und evidenzbasiert. Aber sehr häufig bezeichnet er in Wahrheit nur etwas anderes: Fördervolumen, Output, Kennzahlen, Zielerreichung, Prognosen oder Berichtspflichten.
Das ist nicht harmlos. Wenn Wirkung unscharf verwendet wird, entsteht eine neue Form politischer Selbsttäuschung: Man spricht von Wirkung, misst aber nur Bewegung.
Wirkung ist nicht Handlung Ein Förderprogramm ist zunächst keine Wirkung. Es ist eine Handlung.
Wenn ein Land Geld bereitstellt, wenn eine Bank Kredite vergibt, wenn eine Verwaltung ein Programm auflegt, dann ist das ein Eingriff in ein System. Aber dieser Eingriff ist noch nicht die Wirkung selbst.
Ein Euro Fördergeld ist keine Wirkung. Ein bewilligter Antrag ist keine Wirkung.
Ein gestartetes Programm ist keine Wirkung.
Eine Förderrichtlinie ist keine Wirkung. All das sind Eingaben oder Handlungen. Sie können Wirkung erzeugen, aber sie sind noch keine Wirkung.
Diese Unterscheidung ist entscheidend. Denn politische Kommunikation überspringt sie häufig. Dann heißt es: „Mit diesem Programm fördern wir Innovation“, „wir schaffen Wohnraum“, „wir sparen CO2“, „wir stärken die Wirtschaft“. Tatsächlich ist damit häufig nur gemeint: Es wurde Geld bereitgestellt, ein Ziel formuliert und ein Instrument eingesetzt.
Ob sich dadurch ein gesellschaftlicher Zustand verändert, ist eine andere Frage.