Wenn alle von wirkung sprechen f… · Onlinefassung · Abschnitt 7 von 19
Das Problem der Kausalität#
In dem Artikel wird auch deutlich, dass eine kausale Zuordnung schwierig ist. Also die Frage: Hat genau dieses Förderprogramm genau diese Wirkung erzeugt?
Das ist eine berechtigte Frage. In komplexen Systemen ist Kausalität selten einfach. Gesellschaft, Wirtschaft, Klima, Wohnungsmarkt oder Innovation funktionieren nicht wie triviale Maschinen. Man kann nicht einfach sagen: Geld rein, Wirkung raus. Viele Faktoren wirken gleichzeitig. Märkte verändern sich. Menschen reagieren. Unternehmen passen Strategien an. Kommunen setzen unterschiedlich um. Andere politische Maßnahmen greifen parallel. Externe Krisen verändern Rahmenbedingungen. Daraus folgt aber nicht, dass Wirkung nicht messbar oder steuerbar wäre. Es folgt nur, dass einfache lineare Wirkungslogiken nicht ausreichen. Das klassische, neoklassisch geprägte Denken sucht häufig nach eindeutigen Ursache-Wirkungs-Ketten: Eine Maßnahme, ein Ziel, ein Indikator, ein Ergebnis. Diese Logik ist für einfache Zusammenhänge hilfreich. Aber sie reicht nicht für komplexe gesellschaftliche Systeme.
Die Wirkungsökonomie denkt deshalb anders. Sie fragt nicht nur nach isolierter Kausalität, sondern nach Wirkungszusammenhängen: Welche Wirkung entsteht erster Ordnung? Welche indirekten Folgen entstehen zweiter Ordnung?
Welche Strukturen, Anreize und Entscheidungslogiken verändern sich langfristiger Wirkungsebene?
Welche Rückkopplungen entstehen? Welche Nebenwirkungen treten auf? Welche Wirkung wird verhindert? Welche Wirkung wird nur verschoben? Welche Risiken entstehen an anderer Stelle?
Das ist kein akademischer Luxus. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Politik nicht nur gut klingt, sondern tatsächlich besser steuert.