WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 5 von 28

4. Functional Finance als bessere Brücke#

PDF-Fassung

Für die Wirkungsökonomie ist Functional Finance wahrscheinlich die bessere theoretische Brücke als MMT allein. Abba Lerner entwickelte Functional Finance aus der keynesianischen Tradition heraus. Der entscheidende Gedanke lautet: Staatliche Finanzpolitik soll nicht danach beurteilt werden, ob ein Haushalt formal ausgeglichen ist, sondern danach, welche Funktion sie erfüllt. Sie soll Beschäftigung, Stabilität, Preisniveau und gesamtwirtschaftliche Nachfrage steuern [E5].

Functional Finance ist damit näher am WÖk-Denken, weil sie Finanzpolitik nicht moralisch, sondern funktional bewertet. Sie fragt nicht: Ist ein Defizit an sich schlecht? Sie fragt: Was bewirkt dieses Defizit im System? Die Wirkungsökonomie erweitert diese Frage.

Functional Finance fragt: Funktioniert die Staatsausgabe makroökonomisch?

Wirkungsökonomie fragt: Wirkt sie systemisch richtig?

Makroökonomische Stabilisierung ist wichtig. Aber sie reicht nicht. Vollbeschäftigung allein kann auch in fossilen, ausbeuterischen oder demokratiegefährdenden Strukturen stattfinden. Wachstum allein kann ökologische Grenzen überschreiten. Nachfrage allein kann destruktive Märkte stabilisieren. Beschäftigung allein sagt noch nicht, ob die Arbeit positive Wirkung erzeugt. Die WÖk unterscheidet deshalb zwischen Wirkleistung, Blindleistung und Verlustleistung.

Wirkleistung verändert Zustände positiv: Sie stabilisiert, heilt, schützt, bildet, regeneriert, verbindet, befähigt oder macht Systeme resilienter. Blindleistung erzeugt Aktivität ohne ausreichende positive Zustandsveränderung: Mittel fließen ab, Programme laufen, Berichte entstehen, aber der relevante Zustand verbessert sich kaum.

Verlustleistung verschlechtert Zustände: Sie erzeugt Schäden, Abhängigkeiten, Vertrauensverlust, ökologische Zerstörung, soziale Spaltung oder künftige Reparaturkosten.

Diese Unterscheidung macht Functional Finance wirkungsökonomisch anschlussfähig. Die Frage ist nicht mehr nur, ob Defizite Nachfrage stabilisieren. Die Frage ist, ob öffentliche Finanzpolitik positive Netto- Wirkung erzeugt. Damit entsteht eine neue Formel: MMT befreit vom falschen Haushaltsbild. Functional Finance befreit von der falschen Defizitmoral.

Die Wirkungsökonomie befreit von der falschen Zielgröße.