WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 6 von 28

5. Mission-oriented policy und Public Purpose#

PDF-Fassung

Ein zweiter wichtiger Theorieanschluss liegt in der missionsorientierten Ökonomie. Das UCL Institute for Innovation and Public Purpose beschreibt mission-oriented policy als Ansatz, der öffentliche Wertschöpfung ins Zentrum stellt und Regierungen nicht nur als Reparaturinstanz von Marktversagen sieht, sondern als Akteure, die Märkte mitgestalten und ko-kreieren können [E10].

Auch das passt zur WÖk. Der Staat ist nicht nur Nachtwächter, nicht nur Umverteiler und nicht nur Krisenfeuerwehr. Er ist Rückkopplungsarchitekt. Er gestaltet die Bedingungen, unter denen Märkte, Unternehmen, Kapital, Haushalte und Bürger:innen handeln.

Der Begriff Public Purpose ist dabei zentral. MMT nutzt ihn häufig, lässt ihn aber oft offen. Was genau ist öffentlicher Zweck? Beschäftigung? Preisstabilität? Versorgung? Gerechtigkeit? Klimaschutz? Demokratie?

Resilienz? Sicherheit? Transformation? Die Wirkungsökonomie kann diese Leerstelle füllen. Sie definiert Public Purpose nicht als vage Gemeinwohlbehauptung, sondern als positive Netto-Wirkung für Mensch, Planet und Demokratie. Diese Zielgröße ist nicht privatmoralisch, sondern an öffentlich nachvollziehbare Rahmen gebunden: SDGs, Agenda 2030, SDG+ und demokratisch kontrollierte Wirkungsinstitutionen [I1], [E7].

Damit wird aus Public Purpose eine prüfbare Wirkungsfrage:

Welcher Zustand soll verändert werden?

Wer ist betroffen?

Welche Wirkung erster, zweiter und dritter Ordnung wird erwartet?

Welche Risiken werden gesenkt?

Welche Nebenwirkungen entstehen?

Welche roten Linien dürfen nicht verletzt werden?

Welche Daten belegen Fortschritt?

Welche Rückkopplung entscheidet über Fortführung, Anpassung oder Beendigung?

Mission-oriented policy gibt dem Staat Richtung. Wirkungsökonomie gibt ihm Mess- und Rückkopplungsfähigkeit. 6. Planetare Grenzen und die reale Ressourcenfrage MMT erinnert daran, dass Geld nicht die letzte Grenze ist. Die Wirkungsökonomie ergänzt: Die letzte Grenze liegt in realen Systembedingungen. Dazu gehören Arbeitskräfte, Zeit, Vertrauen, Energie, Material, Wissen, Institutionen und ökologische Tragfähigkeit.

Die Planetary-Boundaries-Forschung beschreibt planetare Grenzen als wissenschaftlich definierte Leitplanken für jene globalen Prozesse, die Stabilität und Resilienz des Erdsystems sichern. Das Stockholm Resilience Centre betont, dass diese Grenzen interdependent sind und nicht isoliert betrachtet werden können [E9]. Für öffentliche Finanzen bedeutet das: Der Staat kann nicht nur fragen, ob eine Ausgabe finanziell oder konjunkturell möglich ist. Er muss fragen, ob sie innerhalb planetarer, sozialer und demokratischer Stabilitätsbedingungen wirkt.