WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 4 von 23
2. Ausgangsdiagnose: Unternehmen messen Bewegung, nicht Richtung#
Die klassische Unternehmenslogik ist hervorragend darin, Bewegung zu messen: Umsatz, Ergebnis, Marge, Cashflow, Kapitalrendite, Produktivität, Marktanteil, Wachstum. Diese Größen sind wichtig, aber sie sagen wenig über Richtung. Ein Umsatz kann aus der Lösung eines Problems entstehen oder aus seiner Verschärfung. Eine Marge kann Ausdruck von Innovation sein oder von externalisierten Kosten. Ein Marktanteil kann gesellschaftliche Versorgung sichern oder Monopolmacht stabilisieren.
Die alte Logik behandelt Wirkung häufig als Zusatz: Nachhaltigkeitsbericht, ESG-Abfrage, Compliance- Anforderung, Reputationsschutz oder Investorenerwartung. Das führt zu einem strukturellen Nebeneinander. Links steht die „eigentliche“ Steuerung über Kapital, rechts die „zusätzliche“ Nachhaltigkeit. Die Wirkungsökonomie hebt diese Trennung auf. Sie fragt nicht, ob ein Unternehmen nebenbei nachhaltig berichtet, sondern ob seine Kernentscheidungen reale Zustandsveränderungen in Richtung Mensch, Planet und Demokratie erzeugen.
Das Problem liegt nicht in einzelnen Unternehmen. Viele Unternehmen wollen verantwortungsvoll handeln, stehen aber in Märkten, in denen negative Wirkung billiger ist als positive. Wer sauber produziert, faire Löhne zahlt, Lieferketten prüft, Daten offenlegt und langfristig investiert, trägt heute oft höhere Kosten. Wer Risiken auslagert, kann kurzfristig günstiger anbieten. Diese Anreizkrise ist systemisch. Unternehmen können sie nicht allein lösen, aber sie können ihre eigene Wirkung sichtbar machen und politische Rückkopplung ermöglichen.
Redaktion Redaktion
Alte Unternehmenslogik Wirkungsökonomische Unternehmenslogik Unternehmenszweck wird faktisch aus Gewinn, Wachstum und Marktposition abgeleitet. Unternehmenszweck wird an positiver Netto-Wirkung für Mensch, Planet und Demokratie rückgebunden. Nachhaltigkeit erscheint als Reporting-, Risiko- oder Reputationsfrage. Nachhaltigkeit wird zur Systemarchitektur der Wertschöpfung.
KPI messen Leistung als Bewegung: Umsatz, Marge, Output, Marktanteil. KII messen Wirkleistung: Zustandsveränderung, Resilienz, Prävention, Transformationswirkung. Lieferketten sind Kosten- und Verfügbarkeitsfrage.
Lieferketten sind Wirkungsräume mit sozialer, ökologischer und demokratischer Rückkopplung. Kapital bewertet vor allem Rendite und Risiko.
Kapital bewertet Wirkung, Resilienz, Versicherbarkeit, Datenqualität und Übergangsfähigkeit.