WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 5 von 19
Begriffsabgrenzung: Marketingwirkung, Wirkungspotenzial und Manipulation#
Marketing erzeugt häufig zunächst Wirkungspotenzial. Eine Botschaft verändert nicht automatisch Verhalten oder Systemzustände, aber sie kann Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Begehrlichkeit, Normalisierung, Statuslogik und Kaufwahrscheinlichkeit verschieben. Gerade deshalb muss Marketing präzise betrachtet werden: Nicht jeder Claim ist Wirkung, aber jeder Claim ist ein möglicher Wirkstoff im Resonanzraum.
Die Grenze zwischen Überzeugung und Manipulation verläuft nicht daran, ob Kommunikation emotional ist. Auch gute Kommunikation darf berühren. Problematisch wird sie, wenn wesentliche Wirkungsinformationen verdeckt, Zielgruppen gezielt überfordert, Schwächen ausgenutzt, ökologische oder soziale Nebeneffekte verschleiert oder Scheinnachweise eingesetzt werden. Wirkungsökonomisches Marketing bewertet daher nicht Geschmack, Kreativität oder Stil. Es bewertet die Bedingungen der Entscheidung: Datenklarheit, Claim-Substanz, Verhältnis von Produktnutzen und Produktwirkung, Transparenz über Grenzen, Vermeidung von Täuschung, Schutz vulnerabler Gruppen und Rückkopplung in die Produktentwicklung. Begriff WÖk-Verständnis Marketingwirkung Zustandsveränderung durch Marktkommunikation, Vertrieb oder Entscheidungsarchitektur Wirkungspotenzial Möglichkeit, dass Kommunikation Verhalten, Vertrauen, Normalisierung oder Konsum verschiebt Greenwashing positive Wirkungsbehauptung ohne belastbaren Nachweis oder mit verdeckten Negativwirkungen Social Washing soziale Verantwortungsbehauptung, die Arbeits-, Lieferketten- oder Teilhaberisiken verdeckt Wirkungswahrheit Nachvollziehbarkeit der relevanten Wirkungsfolgen, inklusive Grenzen und Unsicherheiten