WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 2 von 18

Executive Summary#

PDF-Fassung

LEITSATZ Kapital ist in der Wirkungsökonomie kein Gegner. Kapital ist gespeicherte Handlungsmöglichkeit.

Problematisch wird Kapital erst, wenn es selbst zum Kompass wird und Wirkung nur als Nebenbedingung erscheint. Dieses Detailkonzept beschreibt die Grundverschiebung von Kapitalrendite zu Kapitalwirkung. Es ordnet Banken, Fonds, Versicherungen, Investoren, Unternehmen, öffentliche Haushalte und Bürger:innen nicht nach moralischer Haltung, sondern nach der Frage, welche Zustandsveränderungen Kapitalflüsse auslösen. Kapital wird damit nicht abgeschafft, sondern präziser gelesen: als Verstärker von Wirkung, Risiko, Resilienz oder Destruktion.

Der alte Kapitalmarkt bewertet Liquidität, Rendite, Risiko, Laufzeit und Sicherheiten. Er sieht aber nur unzureichend, ob das finanzierte Geschäftsmodell Klima, Gesundheit, Arbeitsbedingungen, Wohnen, Demokratie, Medienqualität oder gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt oder schwächt.

Die Wirkungsökonomie ergänzt die Finanzlogik daher um Kapitalwirkung: Welche Wirkung entsteht durch Investition, Kredit, Versicherung, Subvention, Dividende, Renditeerwartung oder Exit- Strategie? Kapitalwirkung ist kein ESG-Etikett. ESG ist häufig Risiko- und Berichtsperspektive. Kapitalwirkung fragt tiefer: Welche realen Zustandsveränderungen werden durch Kapital möglich, beschleunigt oder blockiert? Diese Frage führt zu einer neuen Kapitalordnung, in der Rendite weiterhin möglich bleibt, aber nicht länger als höchster Maßstab gilt.