WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 3 von 18

Ausgangsdiagnose: Kapital misst Verwertbarkeit, nicht Wirkung#

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Das bestehende Finanzsystem ist hochentwickelt in der Bewertung finanzieller Größen. Es kann Cashflows diskontieren, Marktpreise bilden, Bonität prüfen, Volatilität berechnen, Sicherheiten verwerten und Risiken in Portfolios verteilen. Gerade darin liegt seine Stärke. Aber diese Stärke wird zur Blindheit, wenn finanzielle Signale von realen Wirkungen entkoppelt sind.

Ein fossiles Geschäftsmodell kann hohe Rendite erzeugen und zugleich zukünftige Klimaschäden, Versicherungsrisiken und politische Instabilität vergrößern. Ein Wohnportfolio kann Wertzuwächse erzielen und zugleich Verdrängung, Mietbelastung und Quartiersinstabilität erzeugen. Ein Plattformunternehmen kann enorme Marktkapitalisierung aufbauen und zugleich demokratische Resonanzräume beschädigen. In allen Fällen ist Kapital nicht neutral in seiner Wirkung: Es verstärkt das, was es finanziert. Die klassische Risikoperspektive fragt: Droht dem Kapital ein Schaden? Die wirkungsökonomische Perspektive ergänzt: Droht durch das Kapital ein Schaden? Diese Umkehrung ist zentral. Sie verändert die Verantwortung von Banken, Investoren, Versicherern und öffentlichen Fonds.