WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 6 von 31

3. Was es wirklich kostet#

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Dritte naive Frage: Was kostet der Klimawandel. Die Antwort hängt davon ab, ob man nur die Trümmer zählt oder auch das, was nie gebaut, geerntet oder erlebt wurde.

Es gibt zwei Arten, die Kosten zu beziffern. Die erste zählt die sichtbaren Schäden. Abgedeckte Dächer, geflutete Keller, verbrannte Wälder. Diese Zahlen sind groß und wachsen. Für Deutschland summieren sich allein die Schäden aus Klimafolgen zwischen 2000 und 2021 auf mindestens 145 Milliarden Euro, davon rund 80 Milliarden seit 2018. Nach vorne geschaut rechnet eine Studie im Auftrag der Bundesregierung mit kumulierten gesamtwirtschaftlichen Kosten zwischen 280 und 900 Milliarden Euro bis 2050, je nach Stärke der Erwärmung. Auf europäischer Ebene zeigt die Europäische Umweltagentur das gleiche Bild im großen Maßstab. Die wetter- und klimabezogenen Extreme verursachten in der EU von 1980 bis 2024 wirtschaftliche Verluste von rund 822 Milliarden Euro in Preisen von 2024. Über 208 Milliarden Euro davon, also rund ein Viertel der gesamten 44 Jahre, entfielen allein auf die vier Jahre 2021 bis 2024. Auf die Schadensarten verteilt entfielen rund 47 Prozent auf Überschwemmungen, rund 27 Prozent auf Stürme samt Hagel und Blitz und fast 18 Prozent auf Hitzewellen.[32] Hinter den Sachschäden stehen Menschen. Dieselbe Auswertung zählt für die erweiterte Ländergruppe rund 441000 Todesfälle durch Extremwetter im selben Zeitraum, von denen etwa 95 Prozent auf Hitzewellen zurückgehen. Die teuerste Klimafolge ist eine Sachschadenstatistik. Die bitterste ist es nicht.

[32] Diese Studie von Prognos, GWS und IÖW betrachtet sowohl vergangene Extremwetterschäden als auch die künftigen volkswirtschaftlichen Kosten in verschiedenen Szenarien.[22][23] Die zweite Art ist tiefer und für die Wirkungsökonomie die eigentliche. Sie fragt nach den wahren Kosten einer Tonne Treibhausgas. Das ist der Schaden, den jede zusätzlich ausgestoßene Tonne über ihre gesamte Verweildauer in der Atmosphäre anrichtet, an Gesundheit, Ernten, Infrastruktur und Wohlstand.

Diese Größe heißt soziale Kosten des Kohlenstoffs. Aktuelle Forschung schätzt sie auf etwa 185 US-Dollar je Tonne und damit weit über den Werten, die lange in der Politik benutzt wurden. Bezieht man zusätzliche Effekte wie städtische Hitze ein, liegt sie noch höher.

Das deutsche Umweltbundesamt rechnet vor, dass allein die 2024 in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase über ihre Lebensdauer globale Wohlstandsverluste von rund 647 Milliarden Euro verursachen werden.[21][24] DIE ZAHL: DER PREIS EINER TONNE rund 185 USD je Tonne CO2 schätzt neuere Forschung als gesellschaftliche Schadenskosten. Lange wurden in der Politik Werte um 51 USD benutzt.

rund 647 Mrd. EUR Wohlstandsverlust verursachen allein Deutschlands Emissionen des Jahres 2024 über ihre Verweildauer. 280 bis 900 Mrd. EUR gesamtwirtschaftliche Klimakosten für Deutschland bis 2050, je nach

Erwärmungspfad. Der Abstand zwischen dem Marktpreis einer Tonne CO2 und ihren wahren Kosten ist die Lücke, um die es geht. Solange diese Lücke offen ist, sind fossile Aktivitäten künstlich billig und ihre Folgen künstlich unsichtbar. Jedes Instrument, das in den folgenden Kapiteln vorkommt, vom CO2-Preis über die Versicherungsprämie bis zur Risikobewertung der Bank, ist im Kern ein Versuch, diese Lücke zu schließen.

Mal politisch gewollt, mal vom Markt erzwungen.

WIRKUNGSLESART Alte Lesart: Die Kosten des Klimawandels sind die Schadenssummen in der Statistik. Was nicht als Schaden gebucht ist, kostet nichts. Wirkungslesart: Die wahren Kosten umfassen auch das Unsichtbare. Die nicht eingebrachte Ernte, die verlorene Arbeitsleistung an Hitzetagen, den entgangenen Schlaf, die vorgezogene Sanierung. Die Wirkungsökonomie zählt diese stillen Kosten mit, weil sie real getragen werden, auch wenn keine Police sie erfasst. Was nicht gebucht ist, ist nicht gratis. Es ist nur jemand anderem aufgebürdet.

Es gibt den Preis, den man zahlt, und die Kosten, die entstehen. Der Klimawandel ist der wachsende Abstand zwischen beiden. Sustainable Finance, CO2-Preis und steigende Prämien sind Werkzeuge, diesen Abstand zu schließen. WÖK-GEGENFRAGE Wenn eine Tonne CO2 die Gesellschaft rund 185 Dollar kostet, am Markt aber nur einen Bruchteil davon, wer zahlt in der Zwischenzeit die Differenz, und mit welcher Währung: mit Geld, mit Gesundheit oder mit Zukunft.

T E I L B Versicherbarkeit Wenn der Schutz unter die Räder kommt. Das Frühwarnsystem des Klimawandels.