WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 7 von 31

4. Die eigentliche Warnung#

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Viele stellen sich die falsche Frage. Sie fragen, ob Klimawandel als Wort im Vertrag steht und ausgeschlossen ist. Die wirkliche Verschiebung läuft anders.

Die Warnung heißt nicht: Klimawandel steht als Wort im Vertrag und ist ausgeschlossen. Sie heißt:

bestimmte Naturgefahren werden nur noch als Zusatz, mit Auflagen, mit hohen Selbstbehalten oder Deckeln oder in Risikolagen gar nicht mehr wirtschaftlich versicherbar. Es ist kein Knall, sondern ein Schleichen. Der Schutz wird nicht über Nacht gestrichen. Er wird teurer, enger und bedingter, bis er für manche Lagen praktisch nicht mehr existiert.

Das Ausmaß zeigt eine einzige Zahl. In Europa war von 1980 bis 2024 nur etwa ein Viertel der Schäden aus Extremereignissen versichert. Drei Viertel der Lasten lagen also bei Haushalten, Unternehmen und der öffentlichen Hand. Die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA spricht hier von einer Schutzlücke und warnt ausdrücklich, dass in Hochrisikogebieten nicht nur der Versicherungsschutz, sondern auch Hypotheken schwer oder unmöglich werden können.[1] Die Lücke ist regional sehr unterschiedlich, und Deutschland steht beim Hochwasser schlecht da. Nach EIOPA-Daten waren bei den historischen Flutschäden in Deutschland rund 74 Prozent unversichert. Beim Erdbeben- und Flutrisiko in Italien liegen die unversicherten Anteile ähnlich hoch. Das sind keine Randlagen, sondern die teuersten Risiken der größten Volkswirtschaften Europas.[2] Eine EIOPA-Befragung von 2025 zeigt zudem, wie gering die Vorsorge ist. Nur rund 17 Prozent der Befragten gaben an, überhaupt eine Absicherung gegen Naturkatastrophenschäden an ihrem Eigentum zu haben.[2] DIE ZAHL: DIE SCHUTZLÜCKE rund 25 Prozent der Extremwetterschäden in Europa waren von 1980 bis 2024 versichert. Drei Viertel blieben ungedeckt. rund 17 Prozent der in der EIOPA-Befragung 2025 Befragten hatten überhaupt eine Naturgefahrenabsicherung für ihr Eigentum.

Hypotheken in Gefahr. EIOPA warnt, dass in Hochrisikolagen mit dem Versicherungsschutz auch die Finanzierung wegbrechen kann. Diese Lücke ist das Frühwarnsystem des Klimawandels für die Geldseite. Wo Versicherer zögern, sehen sie ein Risiko, das sie nicht mehr verlässlich kalkulieren können. Und wo Versicherung wegbricht, folgt fast immer die Finanzierung, denn Banken verlangen für beliehene Objekte in aller Regel Versicherungsschutz.

So wird aus einer Wetterfrage eine Vermögensfrage.

WIRKUNGSLESART Alte Lesart: Versicherung ist ein privates Geschäft zwischen Kunde und Anbieter. Wer ein hohes Risiko hat, zahlt eben mehr. Das ist fair. Wirkungslesart: Versicherung verteilt Risiko in der Gemeinschaft. Bricht sie in Risikolagen weg, bleibt das Risiko nicht verschwunden, es fällt zurück auf einzelne Haushalte, auf Kommunen und auf den

Staat als letzten Nothelfer. Die Wirkungsfrage lautet: Wer trägt das Risiko, wenn der Markt es nicht mehr trägt. Die Antwort entscheidet darüber, ob aus einer Naturgefahr eine soziale Spaltung wird.

Die Gefahr ist nicht, dass Klimawandel im Vertrag ausgeschlossen wird. Die Gefahr ist, dass Schutz still teurer, enger und in manchen Lagen unmöglich wird. Schutzlücke heißt das im Fachjargon.

Risikoverschiebung heißt es in Wahrheit.