WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 11 von 31
8. Was Unternehmen konkret prüfen sollten#
Für Unternehmen gilt eine schärfere Regel. Klimarisiko ist kein Versicherungsdetail, sondern ein Standort-, Lieferketten- und Finanzierungsrisiko. Es gehört nicht ins Sachgebiet, sondern in die Geschäftsleitung. Die meisten Unternehmen behandeln Naturgefahren als eine Frage für die Versicherungsabteilung. Das ist zu klein gedacht. Die wirklich teuren Wirkungen entstehen nicht am eigenen Dach, sondern in der Kette davor und dahinter: beim Zulieferer, am Hafen, im Stromnetz, in der Bewertung durch die Bank. Wer Klimarisiko ernst nimmt, prüft entlang der gesamten Wertschöpfung.
Standort und Substanz#
• Naturgefahrenkarten je Standort. Welche Gefährdung durch Hochwasser, Starkregen, Sturm und Hitze besteht an jedem einzelnen Standort, nicht nur am Hauptsitz.
• Rückstau- und Überflutungsschutz. Sind Klappen, Pumpen, Schwellen und Abdichtungen vorhanden, gewartet und dokumentiert. • Kritische Lagerung. Liegen Waren, Server, Archive und Kühltechnik im Untergeschoss oder in der Überflutungszone.
Versorgung und Betrieb#
• Notstrom und Kühlung. Wie lange läuft der Betrieb ohne externe Versorgung, und was kostet ein Ausfall pro Tag. • Wasserverfügbarkeit. Hängt die Produktion an Wasser, das in Dürreperioden knapp oder rationiert werden kann. • Feuer- und Hitzeschutz. Sind Anlagen und Beschäftigte auf längere, heißere Hitzeperioden vorbereitet.
Kette und Markt#
• Lieferantenstandorte. Wo sitzen kritische Zulieferer, und wie exponiert sind deren Standorte. Ein einziger überfluteter Vorlieferant kann eine ganze Produktion stoppen.
• Transportwege und Häfen. Welche Straßen, Schienen und Häfen sind unverzichtbar, und was passiert bei deren Ausfall. • Betriebsunterbrechungsdeckung. Knüpft die Deckung nur an den eigenen Sachschaden, oder sind Zulieferer-, Abnehmer- und Versorgungsunterbrechung eingeschlossen.
In der deutschen Sachversicherung entfällt langfristig ein erheblicher Anteil der Elementarschäden nicht nur auf Wohngebäude, sondern auch auf Firmenkunden. Klimarisiko ist also kein reines Privatthema.[28] DIE HARTE BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE KONSEQUENZ Nicht versicherbare Klimarisiken werden zu Eigenkapitalbedarf. Wer Schäden nicht versichern kann, muss sie über Rücklagen, höhere Margen, Standortverlagerung, technische Anpassung oder eine
geringere Bewertung auffangen. Aus einer Versicherungslücke wird so eine Bilanzposition.
Behandle Klimarisiko nicht als Police, sondern als Standort-, Ketten- und Finanzierungsfrage. Der größte Schaden ist oft nicht das kaputte Dach, sondern der Umsatz, der stillsteht, während die Kette reißt. WÖK-GEGENFRAGE Kennst du den Standort deines wichtigsten Zulieferers genau genug, um zu wissen, ob er im nächsten Hochwasser unter Wasser steht. Und wenn nicht, wer in deinem Haus weiß es.