WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 18 von 31
15. Die Instrumente: Green Bonds, ESG und der CO2-Preis#
Regeln allein lenken kein Geld. Es braucht Werkzeuge, mit denen Kapital konkret fließt. Drei sind besonders wichtig, und jedes hat seine Stärke und seine Schwäche.
Green Bonds: Anleihen mit Zweckbindung#
Eine grüne Anleihe ist eine ganz normale Anleihe, deren Erlös zweckgebunden in klimafreundliche Projekte fließt, etwa erneuerbare Energien, Gebäudesanierung oder Schienenverkehr. Der Markt ist rasant gewachsen. Ende des dritten Quartals 2025 überschritt das ausstehende Volumen grüner Anleihen erstmals die Marke von drei Billionen US-Dollar. Damit ist Sustainable Finance kein Nischenmarkt mehr, sondern ein fester Bestandteil der globalen Kapitalmärkte.[29] Zählt man alle nachhaltigen Schuldtitel zusammen, also grüne, soziale, Nachhaltigkeits- und nachhaltigkeitsgebundene Anleihen, ist der Markt noch größer. Nach der Climate Bonds Initiative erreichte das kumulierte, methodisch anerkannte Volumen dieser Papiere bis Ende 2025 rund 6,8 Billionen US-Dollar und näherte sich der Marke von sieben Billionen. Europa führt diesen Markt an.[40] Die Stärke der Green Bonds ist die Zweckbindung. Die Schwäche ist die Frage nach echter Wirkung. Ohne saubere Standards besteht die Gefahr, dass nur umetikettiert wird, was ohnehin geschehen wäre. Genau hier setzen Standards wie der europäische Green-Bond-Standard an, der mehr Verbindlichkeit schaffen soll. Entscheidend bleibt aber: Eine Zweckbindung der Mittel genügt nicht, wenn die Gesamtstrategie des Emittenten fossil oder destruktiv bleibt.
ESG-Fonds: nachhaltig anlegen in der Breite#
ESG steht für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.
ESG-Fonds wählen Wertpapiere nach diesen Kriterien aus. Sie haben nachhaltiges Investieren in die Breite getragen, stehen aber auch im Verdacht des Greenwashing, wenn das grüne Etikett mehr verspricht, als der Inhalt hält. Die Offenlegungsregeln aus dem letzten Kapitel sollen genau das eindämmen, weshalb deren Vereinfachung im Omnibus so umstritten ist.
Der CO2-Preis: die Externalität im Preis#
Das wirkungsökonomisch reinste Instrument ist der CO2-Preis. Er holt die Externalität direkt in den Preis, indem er das Ausstoßen von Treibhausgasen kostenpflichtig macht. In Europa geschieht das über den Emissionshandel EU-ETS. Für Industrie und Energie besteht er seit Jahren. Ein zweites System, ETS2, soll Gebäude und Verkehr erfassen. Sein Start wurde im November 2025 auf 2028 verschoben.[30] Die Preisprognosen für ETS2 gehen weit auseinander. Je nach Szenario werden für 2030 Werte zwischen rund 55 und 149 Euro je Tonne CO2 genannt. Selbst die unteren Schätzungen liegen deutlich über heutigen Verbraucherpreisen für Emissionen. Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das: Heizen und Fahren mit fossilen Brennstoffen wird absehbar teurer, und zwar planbar teurer.[30] DIE ZAHL: DIE INSTRUMENTE über 3 Billionen USD ausstehende grüne Anleihen weltweit, erstmals überschritten Ende des dritten
Quartals 2025. ETS2 ab 2028: CO2-Preis für Gebäude und Verkehr, im November 2025 von 2027 verschoben.
rund 55 bis 149 EUR je Tonne CO2 als Spannweite der ETS2-Preisprognosen für 2030.
Der CO2-Preis schließt die Lücke aus Kapitel 3 am direktesten, bleibt aber sozial heikel. Steigt er zu schnell, trifft er Haushalte mit geringem Einkommen überproportional, denn sie geben einen größeren Teil ihres Geldes für Energie aus. Deshalb ist er an einen Sozialklimafonds gekoppelt, der einen Teil der Einnahmen zurückverteilt. Ob das reicht, ist eine der großen Verteilungsfragen des Umbaus.
WIRKUNGSLESART Alte Lesart: Der CO2-Preis verteuert das Leben. Er ist eine Belastung, die man so gering wie möglich halten sollte. Wirkungslesart: Der CO2-Preis macht sichtbar, was vorher unsichtbar getragen wurde. Er ist keine neue Last, sondern eine bisher versteckte Last, die endlich auf der Rechnung erscheint. Die Wirkungsökonomie fragt allerdings, ob die Rechnung gerecht aufgeteilt ist: Wer den Schaden verursacht, sollte zahlen, und wer wenig hat, sollte einen Ausgleich bekommen. Sonst bepreist man die Wirkung richtig und verteilt sie falsch.
Green Bonds binden Kapital an einen Zweck. ESG-Fonds tragen Nachhaltigkeit in die Breite. Der CO2-Preis holt die Externalität in den Preis. Drei Werkzeuge, ein Ziel: Geld soll die Wahrheit über seine Wirkung erfahren.