Der versoehner und die wellen · Onlinefassung · Abschnitt 5 von 23
anschlussfähig ist#
Eine wirkungsökonomische Analyse darf nicht mit moralischer Empörung beginnen. Sie muss zuerst fragen:
Warum kann das wirken? Denn öffentliche Sprache wirkt selten aus dem Nichts. Sie wirkt, wenn sie auf Erfahrungen trifft.
Im Podcast werden reale Erfahrungen angesprochen: ostdeutsche Abwertung nach 1990, gebrochene Erwerbsbiografien, niedrigere Löhne, höhere Armutsrisiken, das Gefühl, im Einigungsprozess überfahren worden zu sein. Höcke spricht davon, der Osten sei zur „verlängerten Werkbank des Westens“ geworden.
Das ist der wahre Kern. Viele Ostdeutsche haben nach der Wiedervereinigung Kontrollverlust, Statusverlust und biografische Entwertung erlebt. Viele erleben bis heute geringere Repräsentanz, geringeres Vermögen, niedrigere Löhne, weniger institutionelle Anerkennung.
Wer diesen wahren Kern nicht sieht, versteht die Resonanz nicht.
Aber der Kipppunkt liegt genau hier: Aus realen Ost-West-Verletzungen wird im Podcast keine Frage von Eigentum, Repräsentanz, Löhnen, Vermögen, Institutionen oder Anerkennung. Es wird eine Frage von echter und unechter Deutschheit. Das ist die entscheidende Verschiebung. Man kann sagen: Der Osten wurde im Einigungsprozess vielfach strukturell benachteiligt. Das ist eine politische und soziale Analyse. Oder man kann sagen: Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen nur noch deutsch sprechende Amerikaner. Das ist eine Zugehörigkeitshierarchie.
Und genau dort beginnt das Wirkungsrisiko.
Denn wer Zugehörigkeit hierarchisiert, löst Probleme nicht. Er sortiert Menschen.