Der versoehner und die wellen · Onlinefassung · Abschnitt 19 von 23

9. Was demokratische Kommunikation daraus lernen sollte#

PDF-Fassung

Viele demokratische Gegenreaktionen scheitern, weil sie zu spät einsetzen.

Sie reagieren auf die Provokation, nicht auf den Wirkpfad.

Sie sagen: „Das stimmt nicht.“ Das ist notwendig. Aber der Frame bleibt stehen.

Sie sagen: „Das ist empörend.“ Das ist verständlich. Aber Empörung erzeugt Reichweite.

Sie sagen: „Das ist rechtsextrem.“ Das kann inhaltlich begründet sein. Aber wer bereits im Opfer-Narrativ lebt, hört darin oft nur Bestätigung. Die wirkungsökonomische Antwort muss anders arbeiten.

Der WÖK-Artikel zu rechter Sprache formuliert es knapp: Nicht beschwichtigen. Nicht spiegeln. Nicht entwerten. Sondern entwirren. (Wirkungsökonomie) Entwirren heißt: Den wahren Kern sichern. Den Kipppunkt markieren. Die bessere Systemfrage stellen. Nicht die Menschen beschämen, die auf den Frame reagieren.

Nicht den Frame endlos wiederholen. Nicht nur moralisch sein, sondern lösungsfähig.

Für diesen Podcast hieße das: Nicht: „Ostdeutsche fallen wieder auf Höcke herein.“

Sondern: „Viele Ostdeutsche haben reale Abwertung erlebt. Aber wer daraus macht, nur der Osten sei noch deutsch, nutzt eine echte Verletzung für eine neue Spaltung.“

Nicht: „Westdeutsche müssen sich das nicht gefallen lassen.“

Sondern: „Westdeutsche sind nicht weniger deutsch, weil sie westlich geprägt sind. Ostdeutsche sind nicht weniger deutsch, weil sie DDR-Erfahrung haben. Deutschsein in einer Demokratie ist plural, nicht reinheitsförmig.“ Nicht: „Höcke will Deutschland spalten.“ Sondern präziser: „Diese Sprache öffnet einen Wirkpfad, in dem Zugehörigkeit nach kultureller Echtheit sortiert wird. Das schwächt demokratische Gleichwertigkeit.“

Das ist härter in der Sache. Und fairer in der Form.