KI souveraenitaet statt abhaengi… · Onlinefassung · Abschnitt 11 von 20

5. Das Ende naiver internationaler Arbeitsteilung#

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Der Fable-Moment bedeutet nicht automatisch das Ende internationaler Arbeitsteilung. Aber er bedeutet das Ende ihrer Naivität. Die alte Globalisierung beruhte auf einer stillen Annahme: Wenn eine Technologie verfügbar, wirtschaftlich und vertraglich geregelt ist, kann sie global genutzt werden. Diese Annahme wird brüchig. Internationale Arbeitsteilung wird künftig nicht verschwinden, aber sie wird modularer, regionaler und kontrollierter. Unternehmen werden stärker unterscheiden zwischen nichtkritischen und systemkritischen Abhängigkeiten. Ein Design-Tool mag weiterhin global eingekauft werden. Ein KI-Modell, das Forschung, Produktentwicklung, medizinische Prozesse, kritische Infrastruktur oder öffentliche Verwaltung prägt, wird anders bewertet. Die Folge ist eine neue Form von „resilienter Globalisierung“. Sie ersetzt nicht Kooperation durch Autarkie, sondern blinde Abhängigkeit durch überprüfbare Interdependenz. Interdependenz ist dann positiv, wenn alle Beteiligten voneinander profitieren und keine Seite die andere existenziell erpressen kann. Sie wird negativ, wenn der Ausfall eines Akteurs das gesamte System destabilisiert.

In der extremen Variante entstehen tatsächlich autarke Tochtergesellschaften: rechtlich, technisch, personell und operativ getrennte Einheiten, die in jedem Rechtsraum mit lokalen Technologien, lokalen Datenräumen und lokalen Compliance-Regeln arbeiten. Das wäre teuer, innovationshemmend und ökologisch wie

organisatorisch ineffizient. Aber Unternehmen könnten gezwungen sein, diesen Weg zu gehen, wenn Staaten Technologiezugänge zunehmend politisieren.

Szenario Beschreibung Wirkungsökonomische Bewertung Naive Globalisierung Ein einheitlicher globaler Tech-Stack, maximale Effizienz, geringe Redundanz. Kurzfristig effizient, langfristig verwundbar. Hohe Wirkungsblindheit gegenüber politischen und rechtlichen Abhängigkeiten. Techno-nationaler Block Jeder Machtblock baut eigene geschlossene Technologie- und Datenräume. Resilienz durch Kontrolle, aber hohe Kosten, Doppelstrukturen, weniger Innovation und mehr Konfliktpotenzial. Resiliente Interdependenz Globale Kooperation bleibt, aber mit offenen Standards, Exit-Rechten, regionalen Alternativen und geprüften Wirkungsrisiken. Wirkungsökonomisch vorzugswürdig: Kooperation bleibt möglich, kritische Abhängigkeit wird begrenzt.

Autarke Tochtergesellschaften Unternehmen spiegeln Strukturen je Rechtsraum vollständig lokal. Notlösung für Hochrisikobereiche. Stabil, aber teuer und fragmentierend; nur sinnvoll, wo Abhängigkeit systemkritisch ist.