Sprache als politischer wirkstof… · Onlinefassung · Abschnitt 19 von 22
bestimmen#
Die AfD ist in diesem Artikel nicht deshalb wichtig, weil jede ihrer Aussagen automatisch falsch wäre. Sie ist wichtig, weil sich an ihrer Sprache zeigen lässt, wie politische Kommunikation über Frames, Narrative und Emotionen Wirkung erzeugt. Begriffe wie „Altparteien“, „Diktatur“, „Masseneinwanderung“, „kulturfremd“, „pervers-linke Agitation“ oder „letzte Chance“ sind nicht nur Wörter. Sie sind Deutungsangebote. Sie sortieren die Welt in Opfer und Täter, Volk und Feind, Normalität und Verfall, Rettung und Untergang.
Wer darauf demokratisch antworten will, darf nicht nur empört sein. Er muss wirkungsklug sein. Das heißt:
nicht jeden Trigger verstärken, nicht jeden Frame wiederholen, nicht Menschen beschämen, sondern Mechanismen offenlegen. Es heißt aber auch: reale Probleme nicht kleinreden. Denn dort, wo demokratische Politik Probleme nicht löst oder nicht verständlich erklärt, entsteht Raum für einfache Schuldgeschichten.
Der Folgencheck politischer Sprache ist deshalb kein Ersatz für Demokratie. Er ist eine ihrer Schutztechniken.
Er hilft zu erkennen, wann Sprache nicht mehr nur Meinung ausdrückt, sondern Angst organisiert, Vertrauen abbaut und Gesellschaft spaltet. Und er zeigt, wie demokratische Kommunikation wieder handlungsfähig werden kann: klar, ruhig, lösungsorientiert, menschenwürdig - und ohne die Sprache der Verachtung zu spiegeln. Methode