Arbeitspapier Doppelte Wesentlic… · Onlinefassung · Abschnitt 52 von 72
Teil B - Vertiefung und Implementierung#
Der erste Teil dieses Arbeitspapiers hat die Grundlogik der doppelten Wesentlichkeit erklärt. Der zweite Teil vertieft die Umsetzung. Er beantwortet die praktische Frage, wie aus einer Wesentlichkeitsprüfung ein arbeitsfähiges Management-, Controlling- und Kommunikationssystem wird. Die Leitfrage lautet nicht nur: Was muss ein Unternehmen berichten? Die Leitfrage lautet: Welche Informationen entstehen, wer braucht sie, welche Entscheidung verändert sich dadurch, und wie wird daraus ein lernendes System? Diese Verschiebung ist für die Wirkungsökonomie entscheidend.
Berichtsdaten zeigen, was offengelegt wurde. Wirkungsdaten zeigen, was sich dadurch verändern muss. In diesem Teil wird deshalb sehr konkret beschrieben, welche Datenfelder entstehen, wie IROs geordnet werden können, welche Rollen im Unternehmen beteiligt sein müssen, welche Controlling- Zyklen notwendig sind, wie Risikomanagement und Resilienz anschließen und wie die Inhalte auf wirkungsoekonomie.de verankert werden sollten.
19. Vertiefung: Datenpunkte und ESRS-Themen als Steuerungsrohstoff Die doppelte Wesentlichkeitsprüfung produziert zunächst keine fertige Wirkung. Sie produziert eine strukturierte Sicht auf Themen, Auswirkungen, Risiken und Chancen. Diese Sicht ist der Rohstoff für Steuerung. Man kann sie mit einer Landkarte vergleichen: Die Karte ersetzt nicht die Reise, aber ohne Karte fährt man blind. Die ESRS-Themenfelder helfen dabei, den Wirkungsraum eines Unternehmens systematisch zu durchsuchen. Allgemeine Angaben betreffen Governance, Strategie, Geschäftsmodell, Stakeholder, Managementansatz und den Prozess der Wesentlichkeitsanalyse. Umweltstandards betreffen Klimawandel, Verschmutzung, Wasser und marine Ressourcen, Biodiversität und Ökosysteme sowie Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft. Sozialstandards betreffen eigene Beschäftigte, Beschäftigte in der Wertschöpfungskette, betroffene Gemeinschaften sowie Verbraucher:innen und Endnutzer:innen. Governance-Standards betreffen Unternehmenspolitik, Korruption, Lobbying, Zahlungspraktiken, Lieferantenbeziehungen und Geschäftsethik.
Aus Sicht der Wirkungsökonomie sind diese Themen nicht nur Berichtskapitel. Sie sind mögliche Wirkungsfelder. Ein Emissionswert ist nicht nur eine Zahl im Umweltteil des Berichts. Er ist ein Hinweis auf Klima-Wirkung, Transformationsrisiko, Kostenrisiko, Versicherbarkeit, Produktwirkung und Kapitalzugang. Ein Wert zu Arbeitsunfällen ist nicht nur ein HR-Indikator. Er zeigt etwas über Menschenwürde, Arbeitsqualität, Produktivität, Risiko, Unternehmenskultur und soziale Resilienz. Ein Indikator zur Zahlungsfrist gegenüber Lieferanten ist nicht nur Governance. Er kann über Liquidität, Machtasymmetrien, Lieferantenstabilität und regionale Wertschöpfung entscheiden.
ESRS-/Themenfeld Was typischerweise sichtbar wird Wirkungsökonomische Lesart Mögliche Steuerungsentscheidung Klimawandel Scope-1-, Scope-2-, Scope-3- Emissionen, Energieverbrauch, Übergangsplan, Klimarisiken Klima-Wirkung, Transformationsfähigkeit, Kosten- und Regulierungsrisiko, Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells Capex priorisieren, Produktportfolio ändern, interne CO2-Preise nutzen, Lieferanten dekarbonisieren