WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 11 von 29

10. Steuern als Rückkopplungsarchitektur#

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In der klassischen Sicht dienen Steuern vor allem der Finanzierung staatlicher Aufgaben und der Umverteilung. In der WÖk sind Steuern mehr: Sie sind Rückkopplungsarchitektur.

Steuern übersetzen Wirkungsbewertung in Anreize. Sie machen schädliche Wirkung teurer und positive Wirkung günstiger. Sie sorgen dafür, dass Preise, Einkommen, Gewinne, Kapital und Konsum nicht wirkungsblind bleiben. Auch hier gibt es eine Nähe zu MMT. MMT betont, dass Steuern nicht nur den Staat finanzieren, sondern Kaufkraft steuern, Inflation begrenzen und Nachfrage nach der Währung schaffen. Die WÖk erweitert diese Funktion. Steuern sollen nicht nur Nachfrage dämpfen oder Einnahmen generieren. Sie sollen Wirkung rückkoppeln. Das Wirkungssteuergesetz (WStG) ist in diesem Sinn kein zusätzliches technisches Detail, sondern die fiskalische Architektur der WÖk. Es stellt Wirkung statt Kapital ins Zentrum, arbeitet mit Bonus-/Malus-Logik, Haushaltsneutralität und Wirkung als Bemessungslogik [I4].

Aus Sicht der Wirkungsfinanzpolitik bedeutet das:

 Steuern sollen destruktive Wirkung nicht neutral behandeln.

 Steuerentlastungen sollen an positive Wirkung gekoppelt werden.

 Steuermehreinnahmen aus negativer Wirkung sollen nicht zu einer dauerhaften Abhängigkeit vom Schlechten führen.  Die Steuerlogik muss lernfähig bleiben, damit Ausweichbewegungen, Greenwashing oder soziale Härten erkannt werden.  Grundbedarf und Kaufkraftschutz müssen integriert werden, damit Wirkungssteuerung nicht sozial regressiv wirkt. Die Steuer wird dadurch vom bloßen Einnahmesystem zum Systemschutzinstrument.

Das unterscheidet die WÖk auch von bloßer CO2-Bepreisung. CO2 ist zentral, aber nicht alles. Eine wirkungsökonomische Steuerarchitektur berücksichtigt Klima, Ressourcen, Arbeit, Gesundheit, Lieferketten, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Medienqualität und soziale Stabilität. Sie arbeitet mit Nichtkompensation.

Ein guter Wert in einem Feld darf schwere Schäden in einem anderen Feld nicht einfach ausgleichen.

Hier liegt der Unterschied zwischen additiver Nachhaltigkeitspolitik und Wirkungsarchitektur. Es geht nicht um eine weitere Steuer mit grünem Etikett. Es geht um eine andere Logik der öffentlichen Finanzen.