WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 14 von 29
13. Zinsen, Verteilung und Tragfähigkeit#
Staatsschulden sind nicht automatisch eine Belastung wie private Schulden. Aber sie sind auch nicht ohne Verteilungswirkung. Zinsen sind reale Zahlungsströme. Sie fließen aus öffentlichen Haushalten an Gläubiger:innen: Banken, Versicherungen, Fonds, Zentralbanken, private Anleger:innen, ausländische Investoren oder andere öffentliche Einheiten. Deshalb ist die Zinsfrage aus WÖk-Sicht nicht nur eine Tragfähigkeitsfrage, sondern auch eine Verteilungsfrage. Wenn ein Staat Zinsen zahlt, ohne dass die zugrunde liegende Verschuldung positive Wirkung erzeugt hat, entsteht doppelte Blindleistung: Die Ausgabe hat keine ausreichende Zustandsveränderung geschaffen, und die Zinslast bindet künftige Spielräume. Wenn die Verschuldung dagegen produktive, soziale, ökologische oder demokratische Resilienz erhöht hat, können Zinsen Teil eines legitimen Transformationspfads sein.
Die WÖk fragt deshalb:
Welche Wirkung wurde mit der Schuld ermöglicht?
Wer erhält die Zinszahlungen?
Welche Verteilungswirkung entsteht?
Wird die Zinslast durch höhere Resilienz, geringere Folgekosten oder höhere produktive Fähigkeit gerechtfertigt?
Entstehen Abhängigkeiten von Kapitalmärkten, die demokratische Gestaltungsspielräume einschränken?
Auch hier vermeidet die WÖk zwei Extreme. Sie dramatisiert Zinsen nicht automatisch. Aber sie ignoriert sie auch nicht. Ein wirkungsökonomischer Staat müsste seine Schuldenstruktur nach Laufzeiten, Zinsrisiken, Gläubigerstruktur, Währungsrisiken und Wirkungsgegenwert prüfen. Finanzielle Tragfähigkeit und Wirkungstragfähigkeit gehören zusammen. Die entscheidende Frage lautet nicht: Sind Zinsen schlecht?
Sie lautet: Zahlen wir Zinsen für Zukunftsfähigkeit oder für Vergangenheitsblindheit?
14. Inflation aus WÖk-Sicht Inflation ist eine zentrale Grenze jeder staatlichen Finanzpolitik. Aber aus WÖk-Sicht ist Inflation nicht nur die Folge von zu viel Geld. Sie ist oft Ausdruck von Wirkungsengpässen.