WÖMM 2.0 · Onlinefassung · Abschnitt 58 von 68

46. Fall: Morgenkorb – gesundes Schulobst als Wirkungsgeschäftsmodell#

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TEIL IX DURCHGÄNGIGE FALLANWENDUNG Ein regionales Schulobst-Modell durch das WÖMM geführt 46. Fall: Morgenkorb – gesundes Schulobst als Wirkungsgeschäftsmodell

46.1 Ausgangsidee#

Die fiktive Morgenkorb GmbH möchte Schulen und Kindertagesstätten mit regionalem Obst versorgen. Das klassische Geschäftsmodell klingt überzeugend: wiederkehrende B2B-Verträge, planbare Mengen, gesellschaftlich attraktives Produkt und regionale Lieferanten. Das WÖMM prüft jedoch nicht nur Marktchance und Kundennutzen. Es untersucht, welche Zustände verändert werden, wer betroffen ist, welche negativen Wirkungen entstehen können und ob das Modell dauerhaft trägt.

46.2 Wirkungskompass#

Tabelle 52: Wirkungskompass der Morgenkorb GmbH Dimension Zielzustand Grenzen Mensch Kinder erhalten verlässlich frisches, gesundes und kulturell zugängliches Obst; Beschäftigte und Saisonkräfte arbeiten fair und sicher. Keine gesundheitsgefährdenden Rückstände; keine Kinder-/Zwangsarbeit; Datenschutz bei Nutzungsdaten. Planet Anbau, Verpackung, Kühlung und Logistik schützen Klima, Wasser, Böden und Biodiversität. Keine Produktion in kritischem Wasserstress ohne Schutzplan; keine irreversible Boden- oder Biodiversitätsschädigung. Demokratie Vergabe, Preise und Kommunikation sind transparent; Schulen und Eltern können mitwirken; regionale Vielfalt bleibt erhalten. Keine intransparente Einflussnahme, diskriminierende Zugänge oder manipulative Gesundheitskommunikation.

46.3 Systemlandkarte und Wirkungsordnungen#

Erste Ordnung: Kinder konsumieren mehr Obst; regionale Betriebe erhalten Absatz; Transport und Verpackung erzeugen Emissionen und Abfall. Zweite Ordnung: Geschmack und Essgewohnheiten können sich verändern; Schulen benötigen Logistik und Lager; niedrige Preise können Arbeitsbedingungen drücken; saisonale Regionalität kann Versorgungslücken erzeugen.

Dritte Ordnung: Langfristige Verträge können Anbauplanung, Beschaffungsstandards und kommunale Vergabe verändern; ein offener Datenstandard kann weitere Anbieter befähigen.

46.4 Wirkungsmodell#

Tabelle 53: Wirkungsmodell-Canvas in Kurzform Canvasfeld Ausarbeitung Ausgangszustand Ungleicher Zugang zu gesundem Obst; regionaler Anbau ohne verlässliche Schulnachfrage; Beschaffung oft preisdominant.

Wirkungsempfänger Kinder, Eltern, Schulen, Küchenpersonal, Landwirte, Saisonkräfte, Logistik, Kommunen, Böden, Wasser, Biodiversität. Wirkungsversprechen Verlässlicher, gesunder und bezahlbarer Zugang zu saisonalem Obst bei fairer und ressourcenschonender Wertschöpfung.

Wirkmechanismus Rahmenverträge bündeln Nachfrage; Standards und Daten koppeln Beschaffung an Wirkung; pädagogische Einbindung verbessert Nutzung.

Wertschöpfung regionale Mehrlieferantenstruktur, zentrale Qualitäts- und Datenplattform, Mehrwegkisten, emissionsarme Touren.

Tragfähigkeit Schul-/Kommunalverträge, sozial gestaffelte Finanzierung, angemessene Lieferantenmarge, saisonale Sortimentsplanung.

Risiken Food Waste, Kühlenergie, Monokulturen, Preisdruck, Ausschluss kleiner Betriebe, Allergien, Datenschutz, Abhängigkeit von Fördermitteln.

Nachweis Konsumquote statt ausgelieferte Menge, Food-Waste-Rate, Rückstände, Living-Wage-Abdeckung, Wasser-/Biodiversitätsindikatoren, Zugang und Zufriedenheit. Rückkopplung Sortiment, Touren, Lieferantenanteile, Preis und Pädagogik werden anhand der Daten angepasst.

46.5 Gate-Entscheidung#

Tabelle 54: Gate-Memo Morgenkorb Tor Bewertung Entscheidung 0 Legitimität Keine rote Linie im Grundmodell; Lieferanten müssen Mindeststandards nachweisen. Freigabe unter Ausschluss nicht konformer Lieferketten. 1 Wirkungslogik Plausibel, aber Obstlieferung allein garantiert keine Ernährungsänderung. Pilot verbindet Lieferung mit Nutzungsmessung und pädagogischer Einbindung. 2 Netto-Wirkung Positiv erwartet; Verpackung, Kühlung, Arbeitsbedingungen und Food Waste sind Hotspots. Mehrweg, Tourenoptimierung, Lieferantenentwicklung und Waste-Grenzwert verpflichtend. 3 Tragfähigkeit B2B-Verträge tragen Betrieb; reine Förderfinanzierung wäre instabil. Mischmodell und Mindestvertragsdauer. 4 Resilienz Ernteausfälle und Lieferantenkonzentration sind kritisch. Mehrlieferanten-, Saison- und Notfallplanung.

5 Transformation Potenzial durch offene Vergabestandards und Datenmodell. Nach Pilot Standard mit Kommunen und Verbänden teilen.

46.6 Wirkungsdashboard#

Tabelle 55: Dashboard des Fallbeispiels Kategorie KII / KPI Entscheidungsregel Richtung tatsächlich konsumierte Portionen; Zugang nach Soziallage; Food Waste; Wasser-/Boden-/Biodiversitätsprofil; Arbeitsstandards Bei Grenzverletzung Lieferant stoppen; bei hoher Waste-Rate Sortiment/Logistik ändern.

Tragfähigkeit Deckungsbeitrag je Tour, Vertragsbindung, Lieferantenmarge, Förderanteil Kein Wachstum, wenn faire Lieferantenpreise oder Betriebscashflow nicht gesichert sind.

Resilienz Lieferantenkonzentration, Ernte-/Wetterrisiko, Ausweichsortiment, Kühlkettenstörung Ab Schwellenwert zweite Quelle oder saisonales Redesign. Lernfähigkeit Datenabdeckung, Zahl getesteter Hypothesen, Korrekturzeit, Beteiligung der Schulen Quartalsweise Modell- und Sortimentsanpassung; jährliche Methodenprüfung.

46.7 Ergebnis der Fallanwendung#

Das WÖMM verändert die Idee qualitativ. Aus einem Liefergeschäft wird ein Wirkungsmodell, das Konsum statt Auslieferung misst, Arbeits- und Umweltwirkung in der Lieferkette einbezieht, Resilienz durch Vielfalt aufbaut und Vergabestandards als Transformationshebel nutzt. Zugleich verhindert das Modell, dass „regional“ oder „gesund“ als pauschales Gütesiegel dient. Regionale Monokultur, Preisdruck oder Food Waste könnten die Wirkung verschlechtern und müssen rückgekoppelt werden.