WÖk · Onlinefassung · Abschnitt 6 von 29
4. Zielbild: Controlling als Wirkungs-Nervensystem#
Wirkungscontrolling wird zum Nervensystem des Unternehmens, weil es Signale aus unterschiedlichen Bereichen zusammenführt: Einkauf, Produktion, HR, EHS, IT, Vertrieb, Finance, Recht, Nachhaltigkeit, Risiko und Produktentwicklung. Es schafft keine zusätzliche Parallelwelt, sondern verbindet vorhandene Datenflüsse.
Die zentrale Aufgabe ist nicht, noch mehr Reporting zu produzieren. Die zentrale Aufgabe ist, die richtigen Entscheidungsfolgen sichtbar zu machen. Wirkung muss in Budgetrunden, Investitionsanträge, Produktfreigaben, Lieferantenlisten, Preisentscheidungen, Boni, Risikoausschüsse und Strategieprozesse eingehen.
• Wirkungsdaten werden Entscheidungsvoraussetzung.
• Scorecards werden Managementinstrument, nicht nur Berichtsanlage.
• Wirkungsrisiken werden im Enterprise Risk Management sichtbar.
• Investitionen werden nicht nur nach ROI, sondern auch nach T-SROI priorisiert.
• Negative Wirkung kann nicht beliebig durch positive Imageprojekte ausgeglichen werden.
5. Datenarchitektur und Datenquellen Die Datenarchitektur des Wirkungscontrollings sollte vorhandene Systeme nutzen: ERP, Einkaufssysteme, EHS, HR, Qualitätsmanagement, CRM, Energiemanagement, Produktdatenmanagement, DPP, CSRD/ESRS-Berichtssysteme, Finanzplanung und Risikotools. Der entscheidende Schritt ist die Verbindung. Daten dürfen nicht in Funktionssilos bleiben. Ein Produkt braucht Material-, Emissions-, Lieferanten-, Qualitäts-, Sicherheits-, Preis- und Kundennutzungsdaten. Eine Investition braucht Finanz-, Umwelt-, Sozial-, Resilienz- und Transformationsdaten.
Datenquelle Beispiel Controlling-Nutzung ERP/Finanzen Kosten, Mengen, CapEx, Opex Wirkung je Euro, Budgetpriorisierung EHS/Energie Emissionen, Abfall, Wasser, Sicherheit Umwelt- und Gesundheitswirkung HR Weiterbildung, Fluktuation, Arbeitszeit, Diversität Menschenwirkung und Führung
Lieferanten, Materialien, Risiko, Länder Supply-Chain-Wirkung und Resilienz Produktdaten/DPP BOM, Lebenszyklus, Reparierbarkeit Produktscorecards und DPP-Anschluss CSRD/ESRS/GRI Berichtsdaten und Offenlegungen Datenbasis für WÖk-ID-Mapping 6. Wirkungs-Scorecards im Managementprozess Scorecards dürfen nicht nur am Jahresende entstehen. Sie gehören in die laufenden Prozesse. Eine Investition bekommt eine Wirkungs-Scorecard im Antrag. Ein Lieferant bekommt eine Scorecard beim Onboarding. Ein Produkt bekommt eine Scorecard in der Entwicklung. Eine Kampagne bekommt eine Wirkungspotenzial- und Risikoprüfung vor Veröffentlichung. Die Scorecard muss dabei einfach genug sein, um Entscheidungen zu ermöglichen, und tief genug, um Greenwashing zu verhindern. Sie braucht eindeutige Indikatoren, Datenqualität, Mindestbedingungen, Unsicherheitsangaben, rote Linien und eine klare Verantwortlichkeit.
Managementprozess Wirkungscontrolling-Eingriff Strategie Wirkungsziele, Transformationspfade, rote Linien Budgetplanung Wirkungsbudget, NWI je Programm, T-SROI für Investitionen CapEx-Freigabe T-SROI, Stranded-Asset-Risiko, NWI-Untergrenze Produktfreigabe Produktscorecard, DPP-Reife, Sicherheits- und Kreislaufdaten
Supplier Scorecard, Lieferkettenrisiko, WUStG-/Vorsteuerlogik HR/Führung Wirkungskompetenz, Mitarbeiterführung, Arbeitsgesundheit Marketing/Vertrieb Responsible Marketing, Wirkungspotenzial, Quellenklarheit 7. NWI, T-SROI und Investitionsentscheidungen Viele Unternehmensentscheidungen scheitern nicht daran, dass keine Zahlen vorhanden sind. Sie scheitern daran, dass die Zahlen die falschen Wirkungen bevorzugen. Eine Investition in Energieeffizienz, Kreislaufmaterial, Mitarbeitendenqualifizierung oder Prävention sieht finanziell oft weniger attraktiv aus als eine kurzfristige Kostenreduktion. Wirkungscontrolling verändert die Vergleichslogik.