Partei der verwundbarkeit afd pr… · Onlinefassung · Abschnitt 5 von 20
Bildung: Nicht Lernfähigkeit, sondern Kontrolle#
Systemresilienz beginnt in der Bildung. Bildung ist nicht nur Schule. Bildung ist Fachkräftesicherung, Innovationsfähigkeit, Demokratieresilienz, Medienkompetenz, digitale Mündigkeit und Anpassungsfähigkeit.
Die AfD behauptet, Bildung stärken zu wollen. Doch ihre Vorschläge wirken systemisch in die entgegengesetzte Richtung. Das Programm fordert eine Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht unter dem Titel „Bildungspflicht statt Schulzwang“. Es beschreibt Schule zugleich als Ort, der Kinder angeblich politisch erziehe oder ihnen „fragwürdige Lebensansichten“ vermittle.
Das ist kein harmloser Bildungsvorschlag. Schule ist in einer Demokratie nicht nur Wissensvermittlung.
Schule ist ein gemeinsamer Erfahrungsraum. Kinder lernen dort nicht nur Mathematik und Rechtschreibung, sondern auch Differenz, Konflikt, Perspektivwechsel, soziale Realität und demokratische Koexistenz.
Eine Gesellschaft, die Schule in private Weltanschauungsräume aufsplittert, verliert gemeinsame Wirklichkeit. Noch deutlicher wird das bei den geplanten Sonderklassen. Das Programm fordert, Flüchtlingskinder in Sonderklassen zu unterrichten. Begründet wird dies unter anderem damit, „unsere Kinder“ von den Belastungen freizuhalten, die sich beim gemeinsamen Unterricht mit Kindern aus „völlig fremden Kulturen“
ergäben. Das ist nicht Integrationspolitik. Das ist institutionalisierte Trennung.
Aus Sicht der Wirkungsökonomie entsteht hier negative Wirkung auf mehreren Ebenen:
Erstens schwächt es Teilhabe. Zweitens schwächt es Sprachentwicklung. Drittens schwächt es Zugehörigkeit. Viertens normalisiert es die Vorstellung, dass bestimmte Kinder für andere Kinder eine Belastung seien.
Fünftens erzeugt es langfristig genau jene Parallelstrukturen, vor denen die AfD rhetorisch warnt.
Eine resiliente Gesellschaft trennt Kinder nicht nach Herkunft, um Konflikte unsichtbar zu machen. Sie befähigt Schulen, Vielfalt zu gestalten. Auch der Angriff auf Inklusion passt in dieses Muster. Im Programm heißt es, man wolle die Schule von sozialpolitischen Aufgaben entlasten, unter anderem durch die „Beendigung der Inklusion“ und die Bildung von Sonderklassen für Flüchtlingskinder. Das klingt nach Entlastung. Systemisch ist es Abbau von Resilienz.
Denn moderne Gesellschaften werden nicht einfacher. Sie werden heterogener, älter, digitaler, pluraler, krisenanfälliger. Schulen müssen genau diese Realität bearbeiten können. Wer Schule auf homogene Normalität zurückbauen will, bereitet Kinder auf eine Welt vor, die es nicht mehr gibt.