Partei der verwundbarkeit afd pr… · Onlinefassung · Abschnitt 8 von 20

Realitätsverlustes#

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Am gefährlichsten wird die antiresiliente Logik in der Energie- und Klimapolitik.

Das AfD-Programm fordert eine energiepolitische „Kehrtwende um 180 Grad“, ausdrücklich mit Rückkehr zu einem Energiemix, der auch fossile Energieträger beinhaltet. Es lehnt die „globalistische Klimaideologie“ ab und erklärt, man werde nicht versuchen, das Weltklima in Sachsen-Anhalt zu „retten“.

Das klingt nach Pragmatismus. Es ist aber ein Kategorienfehler.

Klimapolitik ist nicht Wetterromantik. Klimapolitik ist Risikomanagement.

Die SDGs und SDG+ lassen sich aus wirkungsökonomischer Sicht nicht als moralische Wunschliste lesen, sondern als globales Risiko- und Resilienzregister: Sie beschreiben Mindestbedingungen, unter denen Gesellschaften, Märkte, Lieferketten, Staaten und Ökosysteme stabil, lernfähig und friedlich bleiben.

Klima ist darin kein „grünes Thema“. Klima ist physisches Risiko.

Es betrifft Versicherbarkeit, Landwirtschaft, Gesundheit, Infrastruktur, Lieferketten, Kapitalzugang, Energiepreise, Standortentscheidungen und soziale Stabilität.

Die AfD verschiebt die Debatte in eine Scheinlogik: Weil Sachsen-Anhalt allein das Weltklima nicht retten könne, müsse man Klimaschutz nicht als zentrale Steuerungsaufgabe behandeln. Nach dieser Logik müsste auch niemand Steuern zahlen, weil eine einzelne Person den Staatshaushalt nicht trägt. Niemand müsste wählen, weil eine einzelne Stimme selten allein entscheidet. Niemand müsste einen Brand melden, weil ein einzelner Anruf das Feuer nicht löscht. Systeme funktionieren durch kumulative Wirkung. Klimapolitik ist nicht der Versuch, „das Wetter zu machen“. Sie ist der Versuch, Risiken nicht weiter zu vergrößern und Anpassungsfähigkeit aufzubauen.

Das Programm will Subventionen für erneuerbare Energien streichen, den Einspeisevorrang beenden und Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien nicht genehmigen, wenn sie aus Sicht der AfD das Mikroklima bedrohen. Außerdem fordert es, Deutschland solle aus dem Pariser Klimaabkommen austreten, den Green Deal aufkündigen und das Bundesklimaschutzgesetz abschaffen.

Das ist nicht Standortpolitik. Das ist Zukunftsverweigerung.

Denn die Weltwirtschaft bewegt sich nicht zurück in die fossile Normalität des 20. Jahrhunderts.

Kapitalmärkte, Versicherer, Industrie, Lieferketten, Städte und internationale Partner richten sich zunehmend auf Dekarbonisierung, Effizienz, Kreislaufwirtschaft, Elektrifizierung und Resilienz aus.

Wer jetzt fossile Pfadabhängigkeiten verlängert, senkt vielleicht kurzfristig gefühlte Konfliktkosten.

Langfristig erhöht er Transitionsrisiken.

Die AfD nennt das Schutz der Wirtschaft. Wirkungsökonomisch ist es die Verlängerung eines Geschäftsmodells, dessen Folgekosten andere tragen.