Sprache als politischer wirkstof… · Onlinefassung · Abschnitt 7 von 22

4. Das Bedrohungs-Narrativ#

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Rechte Sprache arbeitet häufig mit einem permanenten Ausnahmezustand. Migration wird nicht als komplexe Verwaltungs-, Integrations-, Arbeitsmarkt-, Sicherheits- und Menschenrechtsfrage gerahmt, sondern als „Masse“, „Welle“, „Überfremdung“, „Kontrollverlust“ oder „Austausch“. Klimapolitik wird nicht als Risikosteuerung verstanden, sondern als „Diktatur“. Gleichstellung wird nicht als Teilhabe verhandelt, sondern als Angriff auf Kinder, Familie und Normalität.

Im AfD-Programm Sachsen-Anhalt wird Einwanderung ausdrücklich als untaugliches Mittel gegen Bevölkerungsrückgang bezeichnet und mit „vielen weiteren Problemen“ verbunden; zugleich wird die „Familie, bestehend aus Vater, Mutter und möglichst vielen Kindern“ als gesellschaftliches Leitbild in den Mittelpunkt gestellt. An anderer Stelle heißt es, Kinder seien „unsere Zukunft, nicht Einwanderer“. (afd- regierungsprogramm.de) Diese Sprache stellt nicht einfach eine familienpolitische Position dar. Sie kann Wahrnehmung verschieben:

Demografische Fragen werden nicht als komplexes Zusammenspiel aus Geburtenrate, Arbeitsmarkt, Betreuung, Gleichstellung, Wohnraum, Löhnen, Pflege, Migration und Produktivität erzählt. Sie werden in eine Konkurrenzgeschichte übersetzt: eigene Kinder gegen Einwanderer. Das erzeugt emotionale Klarheit - aber auf Kosten der Wirklichkeit. Das Risiko liegt in der Verengung. Wer die Lage als existenzielle Bedrohung erlebt, sucht nicht mehr zuerst nach tragfähigen Lösungen, sondern nach Schutz, Abwehr und Kontrolle. Der politische Markt für autoritäre Antworten wächst.