Sprache als politischer wirkstof… · Onlinefassung · Abschnitt 9 von 22

6. Das Kulturkampf-Narrativ#

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Ein weiteres Muster ist der Kulturkampf. Dabei werden gesellschaftliche Veränderungen - Gleichstellung, queere Sichtbarkeit, Migration, Religionsvielfalt, Klimapolitik, Antidiskriminierung, politische Bildung - nicht als normale Konflikte einer pluralen Gesellschaft behandelt, sondern als Angriff auf eine angeblich natürliche Ordnung. Im AfD-Programm Sachsen-Anhalt wird etwa von „sexuellen Abweichungen“, „nicht-reproduktiven Lebensweisen“, „pervers-linker“ und „radikal feministischer“ Agitation gesprochen. Solche Formulierungen pathologisieren und moralisieren. Sie markieren nicht nur politische Differenz, sondern soziale Abweichung.

(afd-regierungsprogramm.de) Das Wirkungspotenzial ist doppelt. Einerseits wird die eigene Gruppe stabilisiert: Wer sich durch gesellschaftlichen Wandel verunsichert fühlt, bekommt eine klare Erklärung und ein klares Feindbild.

Andererseits werden Minderheiten symbolisch unter Druck gesetzt. Sie erscheinen nicht mehr als Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Rechten, sondern als Symptom eines Verfalls.

Kulturkampf hat deshalb eine hohe emotionale Rendite. Er erzeugt Empörung, mobilisiert Identität und lenkt von schwierigen Systemfragen ab. Statt über Lehrermangel, Pflege, Investitionen, Wohnraum, Digitalisierung oder soziale Infrastruktur zu sprechen, wird über angebliche Umerziehung, Verfall und Bedrohung der Kinder gesprochen.