Sprache als politischer wirkstof… · Onlinefassung · Abschnitt 11 von 22

8. Warum Emotionalisierung so gut funktioniert#

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Emotionalisierung ist nicht automatisch schlecht. Demokratie braucht Emotionen: Empörung über Unrecht, Mitgefühl mit Betroffenen, Hoffnung auf Veränderung, Stolz auf gelingende Zusammenarbeit. Problematisch wird Emotionalisierung, wenn sie systematisch Angst, Wut, Kränkung und Verachtung verstärkt, ohne lösungsfähig zu machen. Rechte Emotionalisierung arbeitet häufig mit fünf Gefühlen:

Gefühl Sprachlicher Trigger Politische Wirkung Angst „letzte Chance“, „Kontrollverlust“, „Aussterben“, „Masseneinwanderung“ Schutzbedürfnis, Zustimmung zu Härte Wut „Altparteien“, „verpulvert“, „bevormundet“, „verraten“

Feindbildbindung, Kompromissverlust Kränkung „man nennt uns...“, „man darf nichts mehr sagen“

Opferidentität, Immunisierung gegen Kritik Ekel/Abwertung „versifft“, „pervers“, „kulturfremd“ soziale Distanz, Entmenschlichungstendenz Stolz/Zugehörigkeit „Volk“, „Heimat“, „unsere Kultur“, „normale Bürger“

Gruppenbindung, moralische Selbstaufwertung Diese Gefühle wirken besonders stark, wenn sie wiederholt, vereinfacht und mit konkreten Alltagsproblemen verbunden werden. Der Satz „Die Preise steigen“ ist ein Sachhinweis. Der Satz „Die Altparteien nehmen euch das Geld weg und geben es Fremden“ ist eine emotionale Kausalgeschichte. Sie erklärt, beschuldigt und mobilisiert zugleich.