Systemresilienz statt nachhaltig… · Onlinefassung · Abschnitt 12 von 25

Die genaue Zuordnung der Resilienzbegriffe#

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Nachhaltigkeit ist Systemresilienz. Präziser: Nachhaltigkeit ist die langfristig gesicherte Wirkungsresilienz des gekoppelten Systems Mensch-Planet-Demokratie. Resilienz beschreibt zunächst die Fähigkeit eines Systems; Systemresilienz diese Fähigkeit für eine benannte Systemgrenze; Wirkungsresilienz bindet sie normativ an Mensch, Planet und Demokratie. Nachhaltigkeit sichert diese Fähigkeit über Zeit innerhalb tragfähiger und nicht beliebig kompensierbarer Grenzen.

Begriff Im Kugel-/Landschaftsmodell In einem realen System Fachliche Einordnung Latitude Breite des Attraktionsraums bis zur kritischen Schwelle Wie weit ein Zustand verändert werden kann, bevor Regimewechsel oder Kipppunkt erreicht werden Eine der vier Stabilitätslandschafts- Dimensionen bei Walker et al. (2004) Resistance Topologie, Tiefe, Steilheit und Barriere des Beckens; Aufwand, die Kugel vom Attraktor weg oder über die Schwelle zu bewegen Widerstand gegen Zustandsveränderung oder Regimewechsel Eine der vier Walker- Dimensionen; nicht mit Rückstellfähigkeit gleichsetzen Precariousness Aktuelle Position und Bewegungsrichtung der Kugel relativ zur Schwelle Nähe und Trajektorie relativ zu einer kritischen Schwelle Eine der vier Stabilitätslandschafts- Dimensionen bei Walker et al. (2004) Panarchy Einflüsse anderer Ebenen, die Kugel, Mulde, Barriere oder Schwelle verändern Einflüsse räumlich, zeitlich oder institutionell über- und untergeordneter Systeme Eine der vier Stabilitätslandschafts- Dimensionen bei Walker et al. (2004) Rückstellfähigkeit Richtung und Stärke der Bewegung zurück zum Attraktor, nachdem die äußere Störung wegfällt Stabilisierende, korrektive und regenerative Rückkopplungen stellen Funktionen wieder her Dynamische Ergänzung der WÖk-Erklärung; kein eigener Walker-Punkt

Begriff Im Kugel-/Landschaftsmodell In einem realen System Fachliche Einordnung Dämpfungsfähigkeit Puffer und Trägheit begrenzen Schwingungen und Überschwingen Puffer, Reserven, Redundanzen und Institutionen begrenzen Überschwingen, Kaskaden und Sekundärschäden Dynamische Ergänzung der WÖk-Erklärung; keine ursprüngliche Walker- Dimension Anpassungsfähigkeit Aktive Veränderung von Lage, Regeln oder Landschaft ohne zwingend neuen Systemtyp Verhalten, Regeln, Infrastruktur, Informationsflüsse und Rückkopplungen verändern Adaptability bei Walker et al. (2004), verwandte eigenständige Fähigkeit Transformationsfähigkeit Übergang in oder Schaffung einer neuen Mulde beziehungsweise eines neuen Attraktionsraums Aufbau eines grundsätzlich anderen, tragfähigen Systems Transformability bei Walker et al. (2004), verwandte eigenständige Fähigkeit Die vier Walker-Dimensionen beschreiben die Stabilitätslandschaft; sie sind keine additive Punkteliste.

Rückstellfähigkeit ist nicht dasselbe wie Resistance: Resistance beschreibt, wie schwer ein Systemzustand verändert oder eine Schwelle überwunden wird. Rückstellfähigkeit beschreibt, was geschieht, nachdem die äußere Kraft wegfällt. Dämpfung ist nicht dasselbe wie Rückstellung. Rückstellung gibt die Richtung zurück zum Attraktor vor; Dämpfung begrenzt Schwingungen, Überschwingen und Folgekaskaden. Latitude ist nicht einfach die Höhe des Randes, sondern primär die Breite des Zustandsraums bis zur Schwelle. Die Barriere ergibt sich aus der Landschaftstopologie und gehört vor allem zur Resistance.

Precariousness ist nicht nur statischer Abstand: Auch die gegenwärtige Trajektorie und Bewegungsrichtung zählen. Panarchy meint keine beliebigen äußeren Faktoren, sondern skalenübergreifende Dynamiken, die Zustandsraum, Schwellen, Barrieren und Rückkopplungen verändern. Adaptability und Transformability sind bei Walker et al. keine der vier Landschaftsdimensionen; die Wirkungsökonomie integriert sie bewusst im weiter gefassten Begriff der Wirkungsresilienz.

Rückstellfähigkeit ist nicht Resistance Eine Kugel kehrt nach einer Störung nicht deshalb in ihre Mulde zurück, weil diese lediglich einen hohen Rand besitzt. Sie kehrt zurück, weil die Steigung im Inneren eine Rückstellkraft erzeugt. Der Rand bestimmt, wann eine kritische Schwelle überschritten wird; die innere Landschaft bestimmt, was nach dem Loslassen geschieht. Auf reale Systeme übertragen braucht ein zukunftsfähiges System deshalb nicht nur Belastungsgrenzen, sondern stabilisierende, korrektive und regenerative Rückkopplungen.

Warum Dämpfung zusätzlich nötig ist Ein Rückstellmechanismus allein verhindert nicht, dass ein System nach einem Impuls lange überschwingt oder Sekundärschäden auslöst. Dämpfung entsteht durch Puffer, Reserven, Redundanz, Zeitreserven, soziale Sicherung und belastbare Institutionen. Sie begrenzt Kaskaden und verschafft Raum für Wiederherstellung, Lernen und Korrektur. Resilienz eines Zustandsraums und Transformation aus einem schädlichen Attraktor Nicht jede tiefe Mulde ist wünschenswert. Ein fossiler Lock-in, ein autoritärer Machtapparat oder ein ökologisch zerstörerischer Zustand kann hohe Resilienz besitzen. Nachhaltigkeit verlangt deshalb die Resilienz eines MPD-tragfähigen Zustandsraums und zugleich die Fähigkeit, schädliche Attraktoren zu

verlassen. Wirkungsresilienz integriert genau diese drei Ebenen: Resilienz im erwünschten Zustandsraum, Anpassung und Lernen innerhalb dieses Raums sowie Transformation, wenn der bisherige Attraktor nicht zukunftsfähig ist.