Wirkstoff narrative rechte frame… · Onlinefassung · Abschnitt 6 von 20
falsch gebaut ist#
Der klassische Faktencheck folgt meist einem immer gleichen Muster. Erst wird die falsche Behauptung groß benannt. Dann wird sie wiederholt. Dann wird erklärt, warum sie falsch ist. Danach folgen Daten, Quellen, Einordnungen und Gegenargumente. Aus Sicht der Aufklärung klingt das vernünftig. Aus Sicht der Wirkung ist es riskant. Denn der Faktencheck startet häufig mit dem gegnerischen Wirkstoff. Er macht ihn sichtbar. Er gibt ihm eine Bühne. Er wiederholt den Frame, den er eigentlich schwächen will. Das ist ungefähr so, als würde man ein Gift etikettieren, in den Raum sprühen und danach erklären, warum es gefährlich ist.
Der Fehler liegt nicht darin, Fakten zu prüfen. Der Fehler liegt in der Dramaturgie. Wenn die Lüge der Einstieg ist, wird die Lüge zum Deutungsanker. Wenn der rechte Frame die Überschrift ist, wird der rechte Frame die gedankliche Startposition. Wenn das Publikum zuerst das Angstbild bekommt, muss die Korrektur
gegen dieses Bild anarbeiten. Der klassische Faktencheck behandelt Falschinformation oft wie einen Rechenfehler. Rechte Narrative funktionieren aber nicht wie Rechenfehler. Sie funktionieren wie emotionale Wirkstoffe.
Ein Faktencheck kann formal korrekt und wirkungsökonomisch trotzdem schlecht sein. Er kann die richtige Quelle nennen, die richtige Zahl liefern und dennoch den falschen Frame stärken. Denn Menschen verarbeiten politische Kommunikation nicht nur als Wahrheitsprüfung. Sie verarbeiten sie als Muster, Bild, Zugehörigkeit und emotionale Orientierung.