Wirkstoff narrative rechte frame… · Onlinefassung · Abschnitt 12 von 20
faktisch, sondern affektiv#
Rechte Narrative sind selten nur falsche Tatsachenbehauptungen. Sie sind affektive Deutungsangebote. Sie geben Menschen ein Gefühl dafür, wer schuld ist, wer bedroht, wer fremd ist, wer angeblich bevorzugt wird und wer angeblich das Land verliert. Deshalb reicht es nicht, den Einzelfakt zu widerlegen.
Wenn ein rechtes Narrativ lautet: „Migration bedroht unsere Sicherheit“, dann ist die einzelne Zahl nur ein Teil des Problems. Der Wirkstoff liegt im Bedrohungsrahmen. Wenn ein Faktencheck nur sagt: „Diese konkrete Zahl stimmt nicht“, bleibt der Bedrohungsrahmen oft stehen. Das Publikum bekommt dann die Botschaft: Es gibt offenbar ein Problem, nur die Zahl war falsch.
Das gleiche gilt für Klima, Geschlecht, Europa, Sozialstaat, Islam, Geflüchtete oder Demokratie. Rechte Kommunikation arbeitet mit wiederkehrenden Wirkstoffen (als didaktische Analogie): Kontrollverlust, Verrat, Überforderung, kultureller Niedergang, angebliche Elitenherrschaft, angebliche Opferrolle der Mehrheit. Wer diese Wirkstoffe (als didaktische Analogie) ständig wiederholt, hält sie politisch am Leben.
Der gefährlichste Satz im Faktencheck ist oft: „Die Behauptung lautet ...“ Denn damit beginnt die Wirkung nicht bei der Wahrheit, sondern bei der Lüge.