Wirkungswissenschaften wirkungsf… · Onlinefassung · Abschnitt 10 von 26
Dachrahmen nötig ist#
Die Forschungslücke besteht nicht darin, dass Wirkungen noch nie untersucht wurden. Sie besteht darin, dass Wirkung bislang nicht als eigenständige wissenschaftliche und gesellschaftliche Leitkategorie mit einheitlicher Begriffssprache, normativem Rahmen, Methodik, Governance und Rückkopplungslogik ausgebildet wurde. Die vorhandenen Felder verfügen über Methoden, aber keine gemeinsame Disziplinenarchitektur. Sie erzeugen Daten, aber oft keine verbindliche Wirkungslenkung. Sie analysieren Folgen, aber häufig ohne ein systematisches Verständnis davon, wie diese Folgen in Märkte, Steuern, Kapitalflüsse, öffentliche Haushalte, Medienräume und demokratische Institutionen zurückwirken sollen.
Genau an dieser Stelle entsteht der Bedarf an Wirkungswissenschaften. Wirkungswissenschaften sind nicht einfach ein weiteres Fach neben Ökonomie, Recht, Soziologie, Kommunikationswissenschaft oder Nachhaltigkeitswissenschaft. Sie sind eine Rahmung, die diese Disziplinen auf eine gemeinsame Grundfrage bezieht: Welche Zustandsveränderungen erzeugen Handlungen, Unterlassen, Produkte, Preise, Kapitalflüsse, Technologien, Sprache, Institutionen und Systeme - für wen, in welchem Wirkungsraum, über welche Wirkmechanismen, mit welchen Nebenwirkungen, mit welcher Datenqualität, über welchen Zeitraum und mit welcher normativen Bewertung? Der Weber’sche Beitrag besteht darin, diese Frage nicht abstrakt zu belassen, sondern sie in eine operative Architektur zu übersetzen. Wirkung erhält eine Begriffslogik. Wirkungsbewertung erhält einen Referenzrahmen: SDGs, Agenda 2030 und SDG+ als Erweiterung für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Medienqualität, Diskursfähigkeit, institutionelles Vertrauen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und digitale Selbstbestimmung. Wirkungsmessung erhält Indikatoren, WÖk-IDs, Scorecards, Datenräume und Audits.
Wirkungsbewertung erhält Nichtkompensation und Wirkungsgrenzen. Wirkungswissen erhält Rückkopplung in Preise, Steuern, Kapital, Förderung, Beschaffung und Entscheidungen. Dadurch wird aus verstreuter Wirkungsforschung ein wirkungswissenschaftlicher Rahmen.